Sexualleben von Frauen: Beeinträchtigungen durch Covid-19 und Long-Covid
Covid-19 kann alle Organsysteme betreffen und die Pandemie hat nahezu alle Lebensbereiche beeinflusst. Das Sexualleben ist davon nicht ausgenommen. Nachdem im Zusammenhang mit Covid-19 schon sexuelle Funktionsstörungen wie die erektile Dysfunktion bei Männern gezeigt wurden, hat eine Studie von Forschenden an der Boston University jetzt ergeben, dass Covid-19 und Long-Covid sich auch negativ auf das Sexualleben von Frauen auswirken können.1
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Autorin: Maria Weiß
Online-Umfrage mit mehr als 1.333 Teilnehmerinnen
Um mehr über Auswirkungen auf das Sexualleben von Frauen mit Covid-19 oder Long-Covid zu erfahren, führten Martin Seehuus von der Abteilung für Psychologie am Middlebury College und seine Kolleginnen von der Universität Boston eine Online-Umfrage durch. Die 1.313 Teilnehmerinnen, die in die Analyse eingingen, waren im Schnitt etwa Mitte 30 und hatten im Vormonat Sex.
Die eine Hälfte der Frauen gab an, noch nie an Covid-19 erkrankt gewesen zu sein, die andere Hälfte war mindestens einmal positiv auf SARS-CoV-2 getestet worden. Von den Frauen mit positiver Covid-19-Anamnese gaben 25 % an, unter Long-Covid zu leiden.
Bei der Befragung wurde der Female Sexual Function Index (FSFI) angewandt, der die Domänen Verlangen, Erregung, Lubrikation, Orgasmus und Schmerzen im Zusammenhang mit dem Geschlechtsverkehr umfasst. Um mögliche Korrelationen zu erkennen, wurde auch nach den Symptomen von Long-Covid und mittels der Depression, Anxiety, and Stress Scale (DASS-21) nach Angst, Depression und Stress gefragt.
In der Gesamtgruppe der an Covid-19 erkrankten Frauen waren das Ausmaß von Verlangen, Erregung, Lubrikation und Befriedigung insgesamt geringer als bei den nicht erkrankten Frauen – die FSFI-Werte lagen aber immer noch innerhalb des funktionellen Normbereiches. In Bezug auf Orgasmus und Schmerzen ergaben sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen.
Frauen mit Long-Covid haben häufiger sexuelle Funktionsstörungen
Frauen mit Long-Covid hatten noch einmal deutlich schlechtere Werte im FSFI-Score im Vergleich zu infizierten Frauen ohne Langzeitsymptome – vor allem in Bezug auf Erregung, Lubrifikation, Orgasmus und Schmerzen. Bei ihnen lag der Gesamt-FSFI klar im dysfunktionalen Bereich. Keine signifikanten Unterschiede zeigten sich in den Bereichen Erregung und Befriedigung.
Es zeigte sich in dieser Studie kein signifikanter Zusammenhang zwischen einer gestörten Sexualfunktion und dem Score für Angst, Depression und Stress oder zwischen der Sexualfunktion und der Symptomatik von Long-Covid. Dass es einen Zusammenhang gibt, lässt sich aber dadurch auch nicht ausschließen, schreiben die Autoren. Dies müsste in weiteren Studien untersucht werden. Unklar bleibt auch, inwieweit die veränderten Lebensbedingungen in der Pandemiezeit mit geringeren Möglichkeiten der Kontaktaufnahme eine Rolle spielen.
Als Limitation nennen die Autoren, dass die Untersuchung auf Cisgender-Frauen mit Internet-Zugang und Bereitschaft zur Teilnahme an Internetumfragen beschränkt ist. Zudem beruht die Einteilung in die Gruppen nur auf den Angaben der Frauen zum Covid-19-Status.
Auch wenn keine Aussagen zur Kausalität gemacht werden können, zeigt die Studie doch, dass eine gestörte Sexualfunktion bei Frauen im Zusammenhang mit Covid-19 und vor allem bei Long-Covid relativ häufig zu sein scheint. Die Autoren empfehlen, betroffene Frauen aktiv auf Probleme mit der Sexualität anzusprechen und ggf. Hilfsangebote zu machen.

