11. Dezember 2020

Covid-19: RKI wertet die erste Welle aus

Erwachsene mittleren Alters am längsten auf Intensivstation

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat die Meldedaten aus dem Frühjahr für Deutschland ausgewertet und wertvolle Informationen über Krankheitsverläufe und besonders betroffene Risikogruppen erhalten.1

Lesedauer: 3 Minuten

Redaktion: Maria Weiß

Nach ersten Berichten über eine ungewöhnliche Häufung von Lungenentzündungen im Dezember 2019 in China, kam es am 27. Januar 2020 zu dem ersten laborbestätigten Fall einer SARS-CoV-2-Infektion in Deutschland. Ab Kalenderwoche 10 nahm die Dynamik des Infektionsgeschehens dann stark zu und bis Mitte Juni 2020 wurden dem RKI insgesamt 190.000 Infektionen gemeldet. Diese ersten Fälle wurden jetzt von Julia Schilling und ihren Kollegen vom RKI ausgewertet.

Die meisten Infektionen bei unter 60-Jährigen

Auch wenn es am Anfang so aussah, als ob mehr Männer als Frauen erkranken, bestätigte sich dies nicht – insgesamt waren 52 % der 152.984 ausgewerteten Fälle weiblich. Am häufigsten waren zu Beginn mittelalte und jüngere Menschen erkrankt – 35 % waren 40 bis 59 Jahre alt und 28 % 20 bis 39 Jahre. Im Verlauf der Welle stieg dann der Anteil der über 60-Jährigen deutlich an (von 16 auf 37 % innerhalb von fünf Meldewochen (MW)).

Zu 138.464 gemeldeten Fällen lagen auch klinische Informationen vor. Am häufigsten klagten die Patienten über Husten (51 %), Fieber (42 %) und allgemeine Krankheitszeichen wie Schwäche, Muskel- und Gliederschmerzen (38 %) – gefolgt von Schnupfen (22 %) und Halsschmerzen (19 %). Geruchs- und Geschmacksstörungen wurden erst ab MW 17 abgefragt, die Rate lag bis MW 20 bei 9,1 %. 

80 % milde Verläufe in der ersten Welle

In 80 % aller Fälle war der Verlauf während der ersten Welle mild – d.h. die Patienten mussten nicht stationär aufgenommen werden, sind nicht verstorben und hatten auch zuhause keine dokumentierte Pneumonie.

Mit zunehmendem Alter sinkt die Chance auf solchen einen günstigen Verlauf: Bei den 60-79-Jährigen lag sie noch bei 62 %, bei über 80-Jährigen nur bei 38 %. In diesen Altersgruppen musste mehr als jeder zweite Patient stationär aufgenommen werden und jeder dritte ist verstorben. Mit zunehmender Schwere des Krankheitsverlaufes stieg der Anteil von Patienten mit Vorerkrankungen, der bei den Verstorbenen 89 % betrug.

Schwere Verläufe nehmen mit Alter und Risikofaktoren zu

Insgesamt mussten 18 % der Patienten stationär aufgenommen werden. Der Anteil stieg mit dem Alter und lag bei den über 80-Jährigen bei 65 %. Von den Krankenhauspatienten mussten 14 % auf der Intensivstation behandelt werden, hiervon waren 70 % Männer. Jeder fünfte dieser Patienten wies vorher keinen Risikofaktor auf.

Die häufigsten dokumentierten Risikofaktoren waren kardiovaskuläre Erkrankungen, Diabetes und neurologische Störungen. Ein Drittel der Krankenhauspatienten, über die man wusste, ob Risikofaktoren bestanden oder nicht (n=14.245), hatten keine. Von allen Krankenhauspatienten sind 23 % verstorben.

Bei 40 bis 59-Jährigen könnte Erkrankung unterschätzt werden

Drei Viertel der Krankenhauspatienten wurden innerhalb von 8 Tagen nach dem Auftreten erster Symptome hospitalisiert. Über 80-Jährige und sehr kleine Kinder wurden häufiger schon am ersten Tag aufgenommen. Bei 40-59-Jährigen war die Zeitspanne am längsten. Dafür verbrachten sie jedoch die längste Zeit auf der Intensivstation.

In der ersten Welle waren überwiegend Erwachsene jüngeren und mittleren Alters betroffen. In 80 % der Fälle war der Verlauf mild. Patienten mit schweren Verläufen waren zumeist älter, männlich und hatten mindestens einen Risikofaktor. Bei 40- bis 59-Jährigen wurde am längsten mit der stationären Aufnahme gewartet und sie verbrachten die längste Zeit auf der Intensivstation. Diese könnte dafürsprechen, dass die Erkrankung gerade in dieser Altersgruppe unterschätzt wird, schreiben die Autoren.

  1. Julia Schilling et al; Krankheitsschwere der ersten COVID-19-Welle in Deutschland basierend auf den Meldungen gemäß Infektionsschutzgesetz; Journal of Health Monitoring (2020); 5(S11)

Bildquelle: © gettyImages/piranka

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