20. Mai 2020

Praxen in Not: Zuschüsse für Beratung möglich

Arztpraxen, die aufgrund der Corona-Krise in Schwierigkeiten sind, können unter gewissen Voraussetzungen eine Beratungsförderung erhalten. Wie hoch diese Unterstützung ausfällt und was es zu beachten gilt, lesen Sie in diesem Beitrag.

Lesedauer: 3,5 Minuten

Redaktion: Marc Fröhling

„Förderung unternehmerischen Know-hows“: Auch für Arztpraxen interessant

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) setzt seit 2016 das Programm zur „Förderung unternehmerischen Know-hows“ für Jung- und Bestandsunternehmen um. Auch Arztpraxen können von der Unterstützung durch qualifizierte Beraterinnen und Berater profitieren. Es werden allgemeine und spezielle Beratungen gefördert.1

Unter eine allgemeine Beratung fallen alle wirtschaftlichen, finanziellen, personellen und organisatorischen Fragen der Unternehmensführung.
Daneben gibt es spezielle Beratungen, die dazu dienen, strukturellen Ungleichheiten zu begegnen. Diese können beispielsweise von Praxen in Anspruch genommen werden, die von Frauen, Migranten oder Menschen mit anerkannter Behinderung geführt werden. Außerdem können die Praxen speziell gefördert werden, die zur Gleichstellung und besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf, altersgerechter Arbeitsgestaltung oder zum Umweltschutz beitragen.1

Zuschüsse zwischen 50 und 80 Prozent möglich

Abb. 1. BAFA: Höhe der Zuschüsse. Mod. nach 1.

Die Höhe des Zuschusses ist abhängig vom Standort der Praxis und den maximal förderfähigen Beratungskosten. Bei Jungunternehmen beträgt die maximal förderfähige Summe 4.000 €, bei Bestandsunternehmen ab dem dritten Jahr nach der Gründung 3.000 €. Besonders gefördert werden Unternehmen in den neuen Bundesländern (ohne Berlin und die Region Leipzig): Hier beträgt der Fördersatz 80 %, in den alten Bundesländern sind es 50 %. So kommt ein junges Unternehmen in einem der neuen Bundesländer auf einen maximalen Zuschuss von 3.200 €, ein Bestandsunternehmen in einem der alten Bundesländer auf einen maximalen Zuschuss in Höhe von 1.500 €. Eine detaillierte Übersicht finden Sie in Abbildung 1.1

Aktuelle Entwicklung: Spezielles Corona-Förderprogramm vorerst auf Eis gelegt

Anfang April war eine Modifizierung der Richtlinie zur Förderung unternehmerischen Know-hows in Kraft getreten. Kleinen und mittleren Unternehmen sowie Freiberuflern war es dadurch möglich, bei durch die Coronakrise hervorgerufenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten über das BAFA bis zu 4.000 € an Fördermitteln auf eine Beratungsleistung zu beantragen – und dies ohne Eigenanteil. Dies stellte sich in der Praxis jedoch als problematisch heraus: Zum einen versuchten sich plötzlich rund 8500 neue Berater beim BAFA registrieren zu lassen. Auf der anderen Seite waren im Bundeshaushalt für das Programm 15,34 Millionen Euro vorgesehen, die bisher gestellten Anträge kämen aber bereits jetzt einer Summe von über 100 Millionen Euro gleich. 2,3
Martin Werner-Böhm:
„Die Förderung wurde zwar offiziell noch nicht eingestellt, aber die eingereichten Anträge werden aktuell nicht bearbeitet. Dies liegt zum einen an der Fülle der Anträge, zum anderen an vermutlichen Betrugsfällen. Dies hat das BAFA dazu bewogen, diese Möglichkeit der Förderung zunächst wieder hintenanzustellen. Man muss also davon ausgehen, dass die Förderung in den nächsten Tagen gekippt wird.“ [Stand: 13.05.2020]

In welchen konkreten Punkten kann eine Unternehmensberatung weiterhelfen?

  • Es gibt einen Finanzierungsbedarf: Wie hoch ist dieser Bedarf und wie kann er geschlossen werden?
  • Patienten bleiben aus, Operationen können nicht angeboten werden. Wie geht es hier weiter?
  • Standortanalyse der Praxis und des Umfelds
  • Personelle Beratung: Wie ist mit dem Thema betriebliche Altersvorsorge umzugehen?
  • Wie kann ich Kurzarbeit beantragen?
  • Maßnahmen zur Erhöhung der Mitarbeitermotivation
  • Strategien zur Mitarbeiterbindung, -gewinnung
  • IT-System umstellen, optimieren
  • Organisation, Abläufe optimieren
  • Wie organisiere ich Praxis und Personal in Corona-Zeiten? Welche Öffnungszeiten sollte ich anbieten?

Besonderheit bei Ärzten: Umsatzsteigernde Beratungen werden nicht gefördert

Martin Werner-Böhm: „Grundsätzlich ist eine Beratungsförderung durch das BAFA für Mediziner schwierig zu bekommen, da der Berater immer prüfen muss, ob durch die beratende Maßnahme Umsätze gesteigert werden können. Fragen nach dem finanziellen Bedarf und wie dieser geschlossen werden kann entsprechen einer klassischen Finanzierungsberatung, diese sind also förderfähig. Hierbei handelt es sich nicht um eine umsatzsteigernde Beratung – es geht um den Erhalt des Betriebes.”

Vergütet chatten: Digital durchgeführte medizinische Leistungen können abgerechnet werden
Direkter Austausch mit Kollegen zu Therapie oder Überweisungen, die Übermittlung von medizinischen Dateien (auch von Ihrer MFA) wie Befunde, AU, Laborwerte in allen gängigen Formaten und natürlich auch Patientenberatung – dies sind nur einige der Funktionen, die der Messenger-Service von coliquio anbietet. Die medizinischen Leistungen über diesen Praxis-Messenger, bald auch mit der Videosprechstunde an Board, können Sie im Anschluss abrechnen. Weitere Informationen und Tipps finden Sie hier.

Diese Schritte sind zu tun, damit die Förderung starten kann

  • Einführendes Gespräch mit dem Berater: Welcher Beratungsbedarf besteht?
  • Das Vorgehen soll mit einem regionalen Ansprechpartner der IHK abgeklärt werden.
  • Mit dem Berater wird ein Vertrag erstellt; diesem werden alle nötigen Unterlagen zur Beratung eingereicht.
  • Ärzte zahlen das Honorar zunächst direkt an den Berater – mit dem Zahlungsnachweis wird die Förderung beantragt.
  • Der zu genehmigende Antrag auf Förderung wird zusammen mit dem Berater erstellt.
  • Nach drei bis acht Wochen wird der geförderte Anteil an den Arzt zurückerstattet.
  • Der Berater sollte sich mit den Eigenheiten der Förderung speziell für Mediziner auskennen. Ist ein Antrag erst einmal abgelehnt, kann er nicht erneut gestellt werden.

Zusatzinformation: In der Regel sind – speziell die Corona-Themen betreffend – zwei bis vier Beratertage ausreichend. Es können auch bis zu acht Tage sein, jedoch sind nur maximal vier Tage förderbar.

  • Martin Werner-Böhm ist Gründer und Geschäftsführer der PraxisFinanz Werner GmbH. Der unabhängige Berater mit BAFA-Akkreditierung hat sich auf die Anliegen von Zahn- und Humanmedizinern spezialisiert. Neben individueller Finanzberatung und Begleitung berät er bei Praxisniederlassungen und bei Ab- und Übergabeprozessen von Arztpraxen. Kontakt unter: kontakt@praxisfinanz.de

1. Wirtschaftsförderung und Mittelstand – Beratung und Finanzierung. Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle.
2. BAFA hilft schnell und unbürokratisch in der Corona-Krise. Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle; Pressemitteilung vom 03.04.2020.
3. Missbrauch bei Corona-Hilfen: Auch schlechter Rat kann teuer werden. Tagesschau.de; 14.05.2020.

Titelbild: © Getty Images/Witthaya Prasongsin

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