28. Mai 2021

Pandemie 2020

Fast eine Million zusätzliche Todesfälle in Ländern mit hohem Einkommen

In insgesamt 29 Ländern mit hohem Einkommen gab es im vergangenen Pandemie-Jahr fast eine Million zusätzliche Todesfälle (Exzess-Mortalität). Die altersstandardisierten Übersterblichkeits-Raten waren bei Männern in fast allen Ländern höher als bei Frauen. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern bei der Sterblichkeit hat sich 2020 in den meisten Ländern weiter vergrößert.1

Lesedauer: 2 Minuten

Hintergrund

Für eine Beurteilung der Auswirkungen der Pandemie sind unter anderem Erkenntnisse dazu erforderlich, ob sie zu einer Übersterblichkeit bzw. Exzess-Mortalität geführt hat. Dabei sind auch Erkenntnisse zu möglichen Einflussfaktoren wie Geschlecht und ökonomischer Status erforderlich. Umfassende und differenzierte Daten für mehrere Länder haben bislang nicht nicht vorgelegen.

Design

Ausgewertet wurden Daten aus 29 Ländern mit hohem Einkommen. Dazu verwendeten die Autoren Mortalitätsdaten aus der Datenreihe „Short-term Mortality Fluctuations” der „Human Mortality Database für 2016-2020. Bei den Ländern handelte es sich um: Belgien, Dänemark, Deutschland, England und Wales, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Israel, Italien, Lettland, Litauen, Niederlande, Neuseeland, Nordirland, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schottland, Schweden, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Spanien, Südkorea, Tschechische Republik, Ungarn und Vereinigte Staaten.

Die Hauptergebnisse

In den 29 analysierten Ländern gab es 2020 schätzungsweise 979 000 (95% Konfidenzintervall 954000 bis 1001000) zusätzliche Todesfälle. 

  • Zusätzliche Sterbefälle hatten alle Länder, ausser Neuseeland, Norwegen und Dänemark. 
  • Die fünf Länder mit der höchsten absoluten Zahl an überschüssigen Todesfällen waren 

  1. die USA (458000, CI: 454000 bis 461000)
  2. Italien (89100, CI: 87500 bis 90700),
  3. England und Wales (85400, CI: 83900 bis 86800),
  4. Spanien (84000, CI 82800 bis 85300) und 
  5. Polen (60100, CI 58800 bis 61300). 

  • Auf Platz 6 folgt Frankreich (43500), auf Platz 7 Deutschland (25900).
  • Die höchsten Übersterblichkeitsraten (pro 100000) bei Männern gab es in Litauen (285, CI: 259 bis 311), Polen (191, CI: 84 bis 197), Spanien (179, CI: 174 bis 184), Ungarn (174, CI: 161 bis 188) und Italien (168, CI 163 bis 173); 
  • die höchsten Raten bei Frauen gab es in Litauen (210, CI: 185 bis 234), Spanien (180, CI: 175 bis 185), Ungarn (169, CI: 156 bis 182), Slowenien (158, CI: 132 bis 184) und Belgien (151, CI: 141 bis 162). 

Klinische Bedeutung

Die Studie liefert nach Angaben der Autoren wichtige Erkenntnisse über die direkten und indirekten Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Gesamtsterblichkeit. Sie unterstreiche ausserdem, wie wichtig alters- und geschlechtsdifferenzierte Daten für eine differenziertere Analyse der direkten und indirekten Auswirkungen der Pandemie sind. Die Ergebnisse deuten den Autoren zufolge auch darauf hin, dass in vielen Ländern die Zahl der Covid-19-assoziierten Todesfälle unterschätzt oder zu niedrig gemeldet wurde. Die Autoren betonen zudem die Bedeutung einer verlässlichen und zeitnahen Überwachung der Übersterblichkeit für Gesundheits- und Sozialpolitik; detaillierte Daten könnten unter anderem helfen,, gezielt Maßnahmen gegen Auswirkungen der Pandemie infolge sozialer Ungleichheiten zu zu ergreifen.

Dieser Beitrag ist im Original auf univadis.de erschienen.

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG. coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653