07. Januar 2022

Omikron

Leichtere Verläufe durch Verschonung der Lunge?

Nach allem, was man bisher weiß, scheinen Corona-Infektionen mit der Omikron-Variante deutlich milder zu verlaufen. Ein Grund könnte sein, dass die Viren die Lunge weitgehend verschonen, wie Experimente mit Tieren und menschlichem Lungengewebe nun gezeigt haben. 1

Lesedauer: 2 Minuten

Autorin: Maria Weiß

Milde Verläufe bei Mäusen und Hamstern

Bei Mäusen äußert sich eine Covid-19-Erkrankung durch einen raschen Gewichtsverlust. Dieser blieb bei 129 von US-Forschern mit der Omikron-Variante infizierten Mäusen aber aus. Die Tiere blieben trotz der vermuteten erhöhten Infektiosität weitgehend gesund und in den Lungen kam es kaum zu einer Vermehrung der Viren. Die Konzentration lag hier zum Teil um den Faktor 1.000 niedriger als bei den anderen Varianten. Auch transgene Mäuse mit Expression des humanen ACE-Rezeptors erkrankten nicht ernsthaft nach einer Omikron-Infektion, wie Mitarbeiter von der Washington University in St. Louis/Missouri in Nature Portfolio berichten. 2

Bei Hamstern zeigte sich nach einer Infektion nur eine sehr milde Pneumonie mit fleckenhaften Milchglastrübungen. Ödeme und Einblutungen der Lunge waren makroskopisch nicht zu erkennen und es fehlten die sonst für SARS-CoV-2 typischen Infiltrationen der Alveolen. Auch ein belgisches Forscherteam infizierte Hamster mit Omikron oder dem Wildtyp von SARS-CoV-2. Nach Infektion mit der Omikron-Variante blieb die Lungenhistologie weitgehend normal – nach der Wildtyp-Infektion entwickelten die Tiere eine Bronchopneumonie mit ausgedehnten entzündlichen Infiltraten.

Britische Forscher kommen zu ähnlichen Ergebnissen

Auch Forscher von der Universität Liverpool konnten den sehr milden Verlauf bei K18-hACE2-Mäusen bestätigen. Nach einem leichten Gewichtsverlust zu Beginn erholten sich die Tiere innerhalb weniger Tage und die Viruslast in den oralen Abstrichen war 100-mal niedriger als nach einer Infektion mit Delta-Viren. Auch hier waren die histologischen Veränderungen nur minimal. Die Forscher stellten ihre Ergebnisse in bioRxiv vor. 3

Experimente mit menschlichem Lungengewebe

Ein Team der Universität Hongkong experimentierte mit humanen Lungenzellen, die aus Biopsien nicht infizierter Patienten stammten. Nach Infektion der Zellkulturen mit Omikron zeigte sich eine verstärkte Virusvermehrung in der Bronchialschleimhaut, in den Lungenpräparten war diese Virusvariante aber immunhistochemisch nicht nachweisbar. Die Ergebnisse wurden in Nature Portfolio veröffentlicht. 4 

  1. Studien: Omikron scheint Lungen zu verschonen; Deutsches Ärzteblatt, 03.01.2022.
  2. Diamond M. et al. The SARS-CoV-2 B.1.1.529 Omicron virus causes attenuated infection and disease in mice and hamsters. Nature Portfolio, 29.12.2021. DOI: 10.21203/rs.3.rs-1211792/v1.
  3. Bentley E. et al. SARS-CoV-2 Omicron-B.1.1.529 Variant leads to less severe disease than Pango B and Delta variants strains in a mouse model of severe COVID-19. bioRxiv, 30.12.2021. DOI: https://doi.org/10.1101/2021.12.26.474085.
  4. Chan M. et al. SARS-CoV-2 Omicron variant replication in human respiratory tract ex vivo. Nature Portfolio, 22.12.2021. DOI: 10.21203/rs.3.rs-1189219/v1.

Bildquelle: © gettyImages/David Talukdar

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG. coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Jeremy Schneider, Blake DeSimone
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653