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Covid-19 in der Praxis

12. Jan. 2023

Myokarditis nach mRNA-Impfung: Ungebundene Spikeproteine nachgewiesen

In sehr seltenen Fällen kommt es nach einer Coronaimpfung mit einer mRNA-Vakzine zu einer Impfstoff-assoziierten Myokarditis, von der überwiegend junge Männer betroffen sind. Ein Forschungsteam aus den USA ist nun einer möglichen Ursache auf die Spur gekommen.1

Lesedauer: ca. 2 Minuten

Impfstoff-induzierte Myokarditis
Myokarditis tritt sehr selten nach einer Covid-19-mRNA-Impfung auf. (Foto: Dreamstime.com | Natal'ya Buzuevskaya)

Autorin: Maria Weiß

Die Häufigkeit der Impfstoff-assoziierten Myokarditis liegt bei etwa 1–2 auf 100.000 Impfungen. Zumeist erholen sich die Betroffenen rasch wieder von dieser Komplikation, deren Ursache bisher völlig unklar war.

Blut bei 16 Jugendlichen untersucht

Das Team von Lael Yonker vom Massachusetts General Hospital in Boston hat im Blut von 16 betroffenen Jugendlichen nach möglichen Ursachen gesucht. Die Erkrankten waren zwischen 12 und 21 Jahre (im Mittel 16 Jahre) alt und überwiegend männlich (88 %).

Kein Unterschied bei Antikörperproduktion und Autoantikörpern

Auffällig war neben dem Troponinanstieg ein erhöhter CRP-Wert (median 29,75 mg/l). Eine für die Entzündungsreaktion verantwortliche Immunreaktion konnten die Forschenden aber zunächst nicht finden – es bestanden im Vergleich zu Geimpften ohne Myokarditis keine Unterschiede in Bezug auf Antikörperproduktion, Autoantikörper, T-Zell-Profile oder früheren Virusexpositionen.   

Mehr ungebundene Spikeproteine

Den Forschenden fiel aber eine erhöhte Konzentration von ungebundenen Spikeproteinen auf, deren Bildung im Prinzip eine gewünschte Reaktion auf die Impfung mit dem mRNA-Impfstoff ist. Normalerweise sind diese Proteine im Blut aber an Antikörper gebunden, was bei den Patientinnen und Patienten mit Myokarditis nicht der Fall war. In der Vergleichsgruppe ohne Myokarditis waren solche ungebundenen Spikeproteine nicht nachweisbar.

Rückgang von Troponin, CRP und Spikeprotein nach Tagen

In den meisten Fällen erholten sich die Betroffenen innerhalb weniger Tage von der Myokarditis und mit dem Rückgang von Troponin und CRP ging auch die Produktion des Spikeproteins zurück, was sich durch den Abbau der mRNA-Moleküle erklären lässt.

Einschränkungen der Studie

Als Limitation nennen die Autorinnen und Autoren die geringe Zahl der Teilnehmenden. Zudem lässt sich mit dieser Untersuchung nicht sicher unterscheiden, ob die zirkulierenden freien Spikeproteine tatsächlich direkte Ursache der Myokarditis oder nur ein Marker für andere Prozesse sind.

Hier sind nach Meinung der Autorinnen und Autoren weitere Untersuchungen notwendig. Keinesfalls wird durch die Ergebnisse der Studie das positive Nutzen-Risiko-Verhältnis der Impfung infrage gestellt, betonen die Forschenden.   

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