19. November 2021

Viele Menschen mit vermeintlichem Long-Covid hatten nie eine SARS-CoV-2-Infektion

Zunehmend führen Menschen unspezifische Gesundheitsbeschwerden wie Abgeschlagenheit, Kurzatmigkeit oder Konzentrationsstörungen auf ein Long- oder Post-Covid-Syndrom zurück. Nur ein Teil von ihnen hat aber nach einer französischen Querschnittuntersuchung tatsächlich eine Infektion mit SARS-CoV-2 durchgemacht. 1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Autorin: Maria Weiß

Medienberichte sorgen für Überzeugung

Je mehr in den Medien darüber berichtet wird, umso mehr Menschen sind auch davon überzeugt, dass ihre aktuellen Gesundheitsbeschwerden irgendwie mit einer früheren Corona-Infektion zusammenhängen. Häufig lässt sich das aber durch einen Antikörper-Test nicht bestätigen: Von den 26.823 Teilnehmern einer Internetumfrage in Frankreich zum Gesundheitszustand, gaben 914 an, bereits an Covid-19 erkrankt gewesen zu sein. Nur bei 453 dieser Menschen ließ sich dies aber durch einen positiven Antiköper-Befund bestätigen.

Von diesen Menschen mit bestätigter durchgemachter Covid-19-Infektion gaben 13,8 % an, noch unter Abgeschlagenheit /Fatigue zu leiden, berichtet das Team um J. Matta vom Service Psychiatrie de l’adulte am Hôpital Hôtel-Dieu in Paris. Mit 12,6 % war diese Rate unter den Patienten mit der fälschlichen Annahme einer früheren Covid-19-Infektion fast genauso hoch.

Von Personen dagegen, die nicht glaubten, an Covid-19 erkrankt gewesen zu sein und auch einen negativen Antikörpertest aufwiesen, litten nur 2,3 % unter Fatigue. Bei denjenigen, die nichts von einer früheren Erkrankung ahnten und eine positiven Antiköperbefund hatten, zeigte sich auch nur eine Fatigue-Rate von 3,5 %.   

Bei vielen Symptomen ähnliches Bild

Ähnlich war es auch bei anderen Symptomen: Die selbstberichtete Infektion ging z.B. mit einem erhöhten Risiko für Gelenk- und Muskelschmerzen, Verdauungsstörungen, Kurzatmigkeit, Palpitation oder Husten einher – wobei kein Zusammenhang zwischen diesen Symptomen und einem positiven Antikörperbefund bestand. Ein positiver serologischer Test auf eine SARS-CoV-2-Infektion war dagegen nur mit einer persistierenden Anosmie assoziiert (OR 2,72).

Nach den Ergebnissen dieser Studie scheint bereits die Überzeugung, an Covid-19 erkrankt gewesen zu sein, mit unspezifischen gesundheitlichen Beschwerden einherzugehen. Solche Symptome sollten daher nicht unkritisch einem Long-Covid-Syndrom zugeordnet, sondern es muss auch nach anderen möglichen Ursachen gesucht werden.  

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