10. Juni 2020

Medizinklimaindex

Coronakrise dämpft wirtschaftliche Erwartungen

Eine Sondererhebung des Medizinklimaindex (MKI) während der Covid-19-Pandemie zeigt: Die wirtschaftliche Lage und Erwartungen deutscher Praxisärzte ist auf dem Tiefpunkt angelangt.

Lesedauer: 2,5 Minuten

Der folgende Beitrag basiert auf einer Medizinklimaindex-Sondererhebung der Stiftung Gesundheit aus dem Mai 2020. Redaktion: Marc Fröhling

Stärkster Stimmungsrückgang seit Erhebung der Daten

Abb. 1: Einschätzung der wirtschaftlichen Lage und Erwartungen an die Zukunft aller teilnehmenden Ärzte

Die Corona-Pandemie schlägt auf die wirtschaftliche Stimmung der Praxisärzte. Weniger als ein Drittel der Umfrageteilnehmer schätzt die derzeitige wirtschaftliche Lage noch gut ein. Für 45,3% ist die Lage momentan befriedigend, weiteren 22,8% geht es schlecht. Ein düsteres Bild zeigt der Blick in die wirtschaftlichen Erwartungen in sechs Monaten: Nur 6,2% der teilnehmenden Ärzte erwarten in Zukunft eine günstigere Entwicklung, 28,4% erwarten keine Änderung und beinahe zwei Drittel rechnen künftig mit einer ungünstigeren Entwicklung.

Abb. 2: Der MKI im Zeitverlauf seit dem Frühjahr 2012. Die aktuelle Sondererhebung stellt den bislang stärksten Rückgang dar.

Daraus ergibt sich ein stark negativer Medizinklimaindex von -25,1. Der neue Wert bedeutet im Vergleich zur regulären Frühjahrsumfrage 2020, deren Daten im Februar erhoben wurden (MKI von -2,3), den stärksten Rückgang in der Geschichte des MKI und den zweitniedrigsten Wert seit 2006. Im Vergleich zu den leicht negativen Werten der vorangegangenen Umfragen bedeutet dies einen Rückgang um über 20 Punkte.

Berechnung des MKI

Der von der Stiftung Medizin in Auftrag gegebene MKI erfasst halbjährlich die Stimmung zur wirtschaftlichen Lage bei Fach- und Hausärzten, Zahnärzten und Psychologischen Psychotherapeuten. Diese geben eine Einschätzung ihrer aktuellen wirtschaftlichen Lage und einen Ausblick in die Zukunft ab. Aus dem Saldo der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage (Differenz der Prozentanteile der Antworten „gut” und schlecht”) und dem Saldo der Zukunftsaussichten (Differenz der Antworten „günstiger” und „ungünstiger”), wird der MKI berechnet. Im Zuge der Covid-19-Pandemie fand im Mai 2020 eine Sondererhebung statt.

Vergleich zur turnusmäßigen Umfrage aus dem Frühjahr

Abb. 3: Im Vergleich zur vorherigen Erhebung ist der Anteil der Ärzte, die sich in einer schlechten wirtschaftlichen Lage befinden, um mehr als 10% angestiegen.

Da die Daten der turnusmäßigen Frühjahrsumfrage im Februar noch vor den coronabedingten Einschränkungen erhoben wurden, zeigen sich im direkten Vergleich mit der Sondererhebung aus dem Mai die Auswirkungen der Pandemie auf die wirtschaftlichen Erwartungen. Mit Blick auf die aktuelle wirtschaftliche Lage zeigt sich, dass in der Sondererhebung der Anteil der Ärzte, die die Situation als schlecht bewerten, um 10,9% gestiegen ist.

Abb. 4: Insgesamt rechnen mehr als 65% der teilnehmenden Ärzte mit einer ungünstigeren wirtschaftlichen Lage in den nächsten sechs Monaten.

Der Anteil der Ärzte, die in den kommenden sechs Monaten mit einer weiteren Verschlechterung rechnen, ist im Vergleich zur Frühjahrsumfrage sogar um 25,2% angestiegen. Damit rechnen knapp zwei Drittel der Ärzte in den nächsten 6 Monaten mit einer ungünstigeren wirtschaftlichen Lage. 28,4% rechnen nicht mit einer Veränderung, lediglich 6,2% glauben an eine günstigere Entwicklung.

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Zahnärzte am pessimistischsten – Besonderheit bei den Psychologische Psychotherapeuten

Getrennt nach Fachgruppen zeigt sich, dass die Zahnärzte den niedrigsten Index (-32,2) aufweisen, gefolgt von den Fachärzten (-30,2) und den Hausärzten (-28,4). Die Psychologischen Psychotherapeuten liegen als einzige Fachgruppe noch immer im positiven Bereich (3,6). Allerdings hat auch diese Fachgruppen einen starken Rückgang im Vergleich zur Frühjahrsumfrage zu verzeichnen (-21,4). Übertroffen wird dies nur vom Rückgang bei den Fachärzten (-27,3). Die detaillierten Ergebnisse finden Sie in der folgenden Bildergalerie zum Durchklicken.

Vergleich mit anderen Branchen

Abb. 5: Im Branchenvergleich liegt der Medizinmarkt trotz Verlusten im Mittelfeld

Durch die Covid-19-Pandemie sind viele Unternehmen sämtlicher Branchen in die Krise gestürzt worden. Da der Medizinmarkt den Beginn der Pandemie noch vergleichsweise gut überstanden hat, liegt dieser im Vergleich zu den Ergebnissen der ifo-Konjunkturumfragen im Mittelfeld. In der regulären Frühjahrsumfrage bildete er noch das Schlusslicht.

Abb. 6: Dies liegt daran, dass es andere Branchen, wie etwa den Handel und das Verarbeitende Gewerbe noch herber getroffen hat.

So hat der Medizinmarkt die geringsten Verluste aller angeführten Branchen hinzunehmen (-22,8). Einen stärkeren Rückgang haben sowohl das Bauhauptgewerbe (-25,1), der Handel (-31,5), das Verarbeitende Gewerbe (-35,1) und der Dienstleistungssektor (-38,3) zu verzeichnen.

1. Medizinklimaindex: Sondererhebung Mai 2020. Deutschlandweite Befragung niedergelassener Hausärzte, Fachärzte, Zahnärzte und Psychologischer Psychotherapeuten. Stiftung Gesundheit; Mai 2020.

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