21. Mai 2021

Covid-19

Heterologes Impfregime: Mehr Nebenwirkungen, starke Immunantwort

Erst Astrazeneca dann Biontech/Pfizer – Bei jüngeren Menschen, die eine Erstimpfung mit dem Impfstoff von Astrazeneca erhalten haben, soll jetzt nach einer Empfehlung der STIKO aufgrund des leicht erhöhten Risikos für schwere Thrombosen die zweite Impfung mit einem mRNA-Impfstoff erfolgen. 1

Lesedauer: 2 Minuten

Die Studie

In der britischen „Com-CoV-Studie“(Comparing Covid-19 Vaccine Combination Schedules) wurde bei insgesamt 830 Probandinnen und Probanden ein heterologes Impfregime untersucht. Dazu wurden der Astrazeneca-Impfstoff (AZD1222) und der Biontech/Pfizer-Impfstoff (Tozinameran) in unterschiedlicher Reihenfolge und mit unterschiedlichen Abständen, nämlich vier und zwölf Wochen, verabreicht.

Homologes Regime: Nebenwirkungen nach erster oder zweiter Dosis

Bei den homologen Impfungen mit AZD1222 im Abstand von vier Wochen, fielen die systemischen Reaktionen nach der ersten Dosis stärker aus als nach der zweiten. Bei der zweimaligen Impfung mit Tozinameran kam es dagegen nach der zweiten Impfung zu mehr systemischen Reaktionen, wie Fieber und Schüttelfrost.

Heterologes Regime: Mehr systemische Nebenwirkungen

Insgesamt waren bei den heterologen Impfungen die Raten an leichten und moderaten Nebenwirkungen erhöht. In der Gruppe der 110 Personen, die zuerst AZD1222 und dann Tozinameran erhalten hatten entwickelten 34 % Fieber (vs. 10 % bei zweimaliger Impfung mit AZD1222). Erfolgte die erste Impfung mit Tozinameran und die zweite mit AZD1222, klagten 41 % über Fieber (vs. 21 % beim homologen Tozinameran-Regime). Das gleiche galt für Schüttelfrost, Fatigue, Kopf- und Gliederschmerzen, Unwohlsein und Muskelschmerzen. Vermehrte Thrombozytopenien oder aufgrund der Impfungen notwendige Hospitalisierungen wurden nicht beobachtet. 1

Weltweit erste Studie zur Immunogenität aus heterologem Impfregime

Das Instituto de Salud Carlos III (ISCIII) hat an diesem Dienstag die vorläufigen Ergebnisse der klinischen Phase-II-Studie CombivacS vorgestellt, in der die Reaktion des Immunsystems unter Verwendung eines heterologen Impfregimes (erst AZD1222, dann Tozinameran) gegen SARS-CoV-2 untersucht wird. Eingeschlossen sind Personen unter 60 Jahre, die bereits eine erste Dosis AZD1222 erhalten hatten.

Die ersten Ergebnisse deuten darauf hin, dass dieses heterologe Impfregime hoch immunogen ist – die Reaktion des Immunsystems ist also nach der zweiten Dosis mit Tozinameran verstärkt. In keinem Fall wurde eine Krankenhauseinweisung als Folge der Anwendung dieses Impfregimes berichtet. Insgesamt nahmen 673 Personen (56 % Frauen, im Mittel 44 Jahre) an der Studie teil, von denen 441 Personen Tozinameran als zweite Impfdosis erhielten.

Antikörperspiegel 14 Tage nach zweiter Dosis 150-fach erhöht

Der Anstieg der Antikörper- und neutralisierenden Antikörperspiegel wurde bei insgesamt 663 Personen gemessen und zeigte eine verstärkte Immunantwort unter Verwendung eines heterologen Regimes: Die Antikörpertiter stiegen 14 Tage nach Verabreichung der heterologen Booster-Dosis um das 150-fache (von Median 58 auf 9.102) – ein Effekt, der bereits nach sieben Tagen mit einem 123-fachen Anstieg der Ausgangstiter sehr deutlich war. Im Gegensatz dazu blieben die Antikörpertiter in der Kontrollgruppe auf einem ähnlichen Niveau wie die 14 Tage zuvor erhaltenen Werte.

Erzeugte Antikörper schützen wirksam gegen SARS-CoV-2

Die Funktionsfähigkeit der durch die zweite Dosis Tozinameran induzierten Antikörper wurde in einem Neutralisationstest mit Pseudoviren, die das SARS-CoV-2-Spike-Protein tragen, untersucht. Die Ergebnisse zeigen einen Anstieg der neutralisierenden Antikörpertiter um mehr als das 7-fache nach Verabreichung der Tozinameran-Dosis, sogar höher als bei anderen homologen Impfregimes beschrieben. 2

  1. Shaw et al: „Heterologous prime-boost COVID-19 vaccination: initial reactogenicity data“ in The Lancet (Mai, 2021)
  2. Pressemitteilung des Instituto de Salud Carlos III: „El uso combinado de las vacunas de AstraZeneca y Pfizer contra el SARS-CoV-2 ofrece una potente respuesta inmunitaria“, 18. Mai 2021

Bildquelle: © Getty Images/InspirationGP

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG. coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653