30. April 2020

KBV zur Maskenpflicht: „Nur symbolischer Charakter“

In einer Pressekonferenz hat sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) deutlich gegen die allgemeine Maskenpflicht in der Öffentlichkeit ausgesprochen. Auch eine mögliche Maskenpflicht in den Arztpraxen sieht Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV, kritisch, solange kein rechtmäßiger Gebrauch der Masken gewährleistet werden kann.

Lesedauer: 3 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf den Informationen der Pressekonferenz der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) vom 30. April 2020.1 Redaktion: Marina Urbanietz

Nur unter bestimmten Voraussetzungen nützlich

Quelle: ©KBV, 30. April 2020

Die Kehrtwende in der Diskussion bezüglich des Mund-Nasen-Schutzes, die in den vergangenen Wochen stattgefunden hat, sei anhand der folgenden Zitate sichtbar, so Dr. Hofmeister (s. Abb.).

„Wir sind uns mit allen Experten einig, dass das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen überhaupt etwas nützen kann und ansonsten eher einen symbolischen Charakter hat“, erläuterte Dr. Hofmeister weiter.

Manche Maskenarten gänzlich nutzlos, andere meist falsch verwendet

Quelle: ©KBV, 30. April 2020

Dabei seien laut Dr. Hofmeister bestimmte Maskenarten gänzlich nutzlos. Hinzu komme noch die falsche Anwendung, die die Schutzwirkung der meisten gängigen Masken zunichtemache. Dr. Hofmeister bezog sich auf die heute empfohlenen Arten des Mund-Nasen-Schutzes (s. Abb.).

Vor allem Seidentücher oder Wollschals, die nicht ordnungsgemäß gereinigt werden können, würden keinerlei Nutzen haben – weder für das Umfeld noch für den Träger selbst. „Die selbstgenähte Mundbedeckung kann das Umfeld schützen, wenn sie korrekt getragen und nach jedem Gebrauch gereinigt wird. Zudem muss sie nach gewissen Standards und aus den geeinigten Materialien hergestellt werden“, erklärt Dr. Hofmeister weiter und weist damit auf die offensichtliche Problematik der Umsetzung solcher Regeln im Alltag hin.

Dieselbe Problematik betrifft auch den chirurgischen Mund-Nasen-Schutz (MNS), der als Einmalartikel nach jeder Verwendung entsorgt werden müsse. Man könne ihn auch nicht temporär zwischenlagern, wie von vielen praktiziert, betont der KBV-Vize.

Quelle: ©KBV, 30. April 2020

„All das Beschriebene nützt nichts und ist sogar ausgesprochen gefährlich, wenn man sich vorstellt, was für ein Konglomerat an Viren und Bakterien sich in einem solchen Woll- oder Seidentuch ansammelt“, so Dr. Hofmeister. Dies gelte auch für Einmalartikel, die mehrmals verwendet werden. Um den Schutz von solchen Einmalmasken aufrechtzuerhalten bräuchten wir laut Dr. Hofmeister Milliarden von chirurgischen Masken, mit denen alle Bürgerinnen und Bürger ausgestattet werden müssten.

Reinigung: Waschen bei 95°C weiterhin Goldstandard

Quelle: ©KBV, 30. April 2020

Bei der Reinigung ist Waschen bei 95°C weiterhin der Goldstandard. „Alle alternativen Reinigungsmethoden sind mit höchster Fraglichkeit zu betrachten“, so Dr. Hofmeister. „Es soll auf keinen Fall eine vermeintliche Sicherheit durch das Tragen von irgendeiner Mund-Nasen-Bedeckung entstehen. Die gibt es nämlich nicht“, betont Dr. Hofmeister.

Maskenpflicht: Auch für Arztpraxen keine sinnvolle Lösung

Auch die gerade breit diskutierte Maskenpflicht in Arztpraxen, ohne dass die geeigneten Masken in ausreichende Menge verfügbar sind, hält Dr. Hofmeister für sinnfrei. „Was wir wirklich in den Praxen brauchen, ist eine Schutzausrüstung für diejenigen, die infektiöse Patienten behandeln. Eine Maskenpflicht für alle Patienten wird hingegen nicht helfen, solange es sich um Woll- und Seidenschals handelt oder um die Masken, die aus der Handtasche herausgenommen und dort wieder hereingesteckt werden“, so Dr. Hofmeister.

Schutzausrüstung für Arztpraxen: Der aktuelle Stand

Die Beschaffung von Schutzausrüstung für das medizinische Personal hingegen habe nach wie vor die höchste Priorität. „Aktuell sind wir von einem vollständigen Versorgungsstand an Schutzausrüstung in den Praxen noch weit entfernt. Wir werden deswegen nicht müde zu betonen, dass FFP2/3-Masken ausschließlich dem medizinischen Personal vorbehalten sein müssen“, so Dr. Hofmeister.

Aktuell seien die Praxen je nach Bundesland sehr unterschiedlich mit der Schutzausrüstung ausgestattet. In vielen Bundesländern sei die Lage nach wie vor prekär, das zeige sich u.a. auch in der Kampagne „Blanke Bedenken“, die niedergelassene Ärztinnen und Ärzte gestartet haben, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen.

„In Thüringen sieht die Situation aktuell etwas besser aus, weil dort eine große Lieferung eingetroffen ist. Für andere Bundesländer haben wir die versprochenen Lieferungen in ausreichender Menge und Qualität bisher noch nicht bekommen und deswegen auch noch nicht verteilt“, erklärt Dr. Hofmeister.

coliquio-Video: Masken sparsam einsetzen

  1. KBV-Vorstand zur aktuellen Lage. Kassenärztliche Bundesvereinigung, 30.04.2020

Bildquellen:

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