25. Oktober 2021

Impf-Debatte

Fußballer Kimmich will sich nicht gegen SARS-CoV-2 impfen lassen

Bayern-Profi Joshua Kimmich hat mit seinen Aussagen zum Impfverzicht Unverständnis und Kritik hervorgerufen. Angesichts stark steigender Coronavirus-Infektionszahlen und einer gesellschaftlichen Vorbildfunktion des Nationalspielers hat sich die Debatte über die Fußball-Bundesliga und den Sport hinaus ausgeweitet. 1

Lesedauer: 2,5 Minuten

«Es ist nicht gut, dass er nicht geimpft ist. Wenn er sagt, er wartet ab, dann ist das schwierig», sagte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach am Sonntag bei Sport1. «Als Vorbild, aber auch als Fakt wäre es besser, er wäre geimpft», sagte der langjährige Münchner Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge dem TV-Sender Bild.

Kimmich hatte nach dem 4:0 in der Fußball-Bundesliga am Samstag gegen 1899 Hoffenheim im TV-Sender Sky eingeräumt, bislang nicht gegen Covid-19 geimpft zu sein. Er habe «persönlich noch ein paar Bedenken, gerade, was fehlende Langzeitstudien angeht», sagte der 26-Jährige. Er sage nicht kategorisch, dass er sich «überhaupt nicht impfen lasse». Es sei «auch sehr gut möglich, dass ich mich in Zukunft impfen lasse», betonte Kimmich. Doch die Debatte war längst entfacht.

Er finde es schade, dass es bei der Thematik «nur noch geimpft oder nicht geimpft» gebe, sagte Kimmich. «Und nicht geimpft bedeutet dann oftmals gleich, dass man Corona-Leugner oder Impfgegner ist. Aber ich glaube, es gibt auch ein paar andere Menschen zu Hause, die einfach ein paar Bedenken haben, was auch immer die für Gründe haben. Und ich finde, auch das sollte man respektieren, vor allem, so lange man sich an die Maßnahmen hält», erläuterte Kimmich.

Carsten Watzl spricht von hartnäckigem Missverständnis

Von einem «Missverständnis, das sich bei vielen Menschen hartnäckig hält», sprach Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. «Was man bei Impfungen unter Langzeitfolgen versteht, sind Nebenwirkungen, die zwar innerhalb von wenigen Wochen nach der Impfung auftreten, die aber so selten sind, dass es manchmal Jahre braucht, bis man sie mit der Impfung in Zusammenhang gebracht hat», sagte Watzl der Deutschen Presse-Agentur.

Nebenwirkungen einer Impfung träten immer innerhalb von wenigen Wochen nach der Impfung auf. «Danach ist die Immunreaktion abgeschlossen und der Impfstoff ist aus dem Körper verschwunden. Was offensichtlich viele Menschen unter Langzeitfolgen verstehen, nämlich dass ich heute geimpft werde und nächstes Jahr eine Nebenwirkung auftritt, das gibt es nicht, hat es noch nie gegeben und wird auch bei der Covid-19 Impfung nicht auftreten», erläuterte der Experte.

Vorbildfunktion bei #wekickcorona

Öffentlich sorgt der Impfverzicht Kimmichs nicht nur im Lichte der von ihm und seinem Nationalmannschafts- und Bayern-Kollegen Leon Goretzka ins Leben gerufenen Aktion «We Kick Corona» (#wekickcorona), mit der sie Spenden für soziale Einrichtungen sammeln, für Erstaunen.

Gegründet wurde die Hilfs-Vereinigung allerdings auch weit vor den ersten Impfungen. Auch die Tatsache, dass Zuschauer nur unter strengen Corona-Auflagen in die Bundesliga-Stadien dürfen, dass die Bayern ihren Spielern eine Impfung empfehlen oder dass in anderen Sportarten wie der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA ungeimpfte Sportler in bestimmten Städten nicht am Trainings- und Spielbetrieb teilnehmen dürfen, befeuert die kontroverse Debatte.

Und warum sind in manchen Stadien Zuschauer nur nach dem 2G-Konzept zugelassen (geimpft oder genesen) – auf dem Rasen aber darf ein ungeimpfter Profi spielen? Das Konzept der Deutschen Fußball Liga (DFL) für die Clubs und ihre Angestellten ist ein Arbeitsschutzkonzept und mit der Berufsgenossenschaft abgestimmt. Dieses Hygienekonzept ist unabhängig von dem für die Zuschauer. Dieses liegt in der Verantwortung der Clubs in Zusammenarbeit mit den Behörden, die auf die Vorgaben des Landes angewiesen sind.

Infektionszahlen stiegen zuletzte deutlich

Zudem wuchsen zuletzt mit der Zunahme der Infektionszahlen auch wieder Sorgen vor einer Überlastung des Gesundheitssystems, was dauerhaft getestete und strengen Hygienekonzepten unterliegende Menschen wie Kimmich nicht belasten. Hier kann aber über die Vorbildfunktion diskutiert werden. Die Corona-Inzidenz in Deutschland ist erstmals seit Mai wieder klar dreistellig. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner und Woche am Sonntag mit 106,3 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei exakt 100 gelegen, vor einer Woche bei 72,7. Die Gesundheitsämter meldeten dem RKI binnen eines Tages 13 732 Corona-Neuinfektionen – rund 5000 mehr als eine Woche zuvor.

Unabhängig von der emotionalen Debatte im Fußball gilt: Zahlreiche Politiker und Experten hatten in den vergangenen Wochen wiederholt an unschlüssige Bürgerinnen und Bürger appelliert, sich impfen zu lassen. Dies hoffen nun auch unter anderem Rummenigge und Lauterbach.

«Ich bin überzeugt, das hat er ja auch angekündigt, dass er möglicherweise zeitnah sich jetzt impfen lässt», sagte Rummenigge.

«Am besten wäre es, wenn die Impfung noch käme und dass man jetzt keinen großen Druck aufbaut», sagte Lauterbach. «Es ist Joshua Kimmichs eigene Entscheidung. Wir dürfen keinen Druck aufbauen, aber es wäre sehr wertvoll – davon geht eine enorme Symbolwirkung aus.»

Stiko-Chef Mertens zu Kimmichs Bedenken: Nur wenig Nebenwirkungen 2

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, hat die Bedenken von Fußball-Nationalspieler Joshua Kimmich wegen fehlender Langzeitstudien bei Impfstoffen zurückgewiesen. «Joshua Kimmich ist sicher ein ausgewiesener Fachmann in Fragen des Fußballs, aber kein Fachmann in Fragen der Impfung und der Impfstoffe. Dennoch hat er mit seinen Bedenken einem Problem Ausdruck verliehen, das sicher bei manchen Menschen in unserer Gesellschaft so gesehen wird», sagte Mertens im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Bayern-Profi Kimmich hatte am Samstag eingeräumt, dass er sich bislang nicht gegen Corona impfen ließ. Er habe «persönlich noch ein paar Bedenken, gerade, was fehlende Langzeitstudien angeht».

Wenn ein Impfstoff zur Verwendung an Menschen freigegeben wird, gebe es begleitende Studien, die genau untersuchten, ob es bei der Anwendung zu schwerwiegenden Nebenwirkungen kommen könne, erwiderte Mertens. «Man muss bedenken, dass mittlerweile sieben Milliarden Dosen an Menschen mit Covid-19-Impfstoff verimpft worden sind», sagte er. «Dass es bei der Anwendung eines Impfstoffes über knapp ein Jahr keine Zehnjahres-Beobachtungsstudien geben kann, ist klar.» Das gelte aber nicht nur für jeden anderen Impfstoff auch, der neu angewendet werde, sondern auch für jedes neue Medikament. 

«Neben den Zulassungsstudien wissen wir aus den begleitenden Studien,  dass es nur zu einigen Nebenwirkungen gekommen ist, die alle recht kurze Zeit nach der Impfung aufgetreten sind», sagte der Stiko-Chef. In der Wissenschaft sei man sich einig, dass spät auftretende Nebenwirkungen nach einer Impfung «nicht vorkommen, beziehungsweise eine extrem seltene Rarität bei einzelnen Impfstoffen» gewesen seien.

  1. dpa 25.10.2021.
  2. dpa 25.10.2021.

Bildquelle: © Getty Images / Adam Pretty / Staff

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