20. Mai 2021

Risiken für schweren Covid-19-Verlauf in Deutschland

Erstmals liefern GKV-Versichertendaten eine praktische Orientierungshilfe auch für niedergelassene Ärzte, die Impfpriorisierung auf Basis wissenschaftlicher Evidenz aus Deutschland anzupassen. 1

Lesedauer: 2 Minuten

Hämatologische Malignome, solide metastasierte Tumore, Demenz, Herzinsuffizienz: Das sind die Erkrankungen, bei denen das höchste Risiko für schwere und auch tödliche Covid-19-Verläufe besteht. Wenn diejenigen zuerst geimpft werden sollen, die am stärksten gefährdet sind, ist eine nur am Alter orientierte Impfreihenfolge nicht optimal.

GKV-Routinedaten verschaffen Einblick in Risiken für schweren Verlauf

Die derzeit geltenden Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut zur Impfpriorisierung basieren, soweit sie medizinische Kriterien betreffen, überwiegend auf systematischen Reviews internationaler Studien. Für den deutschen Versorgungszusammenhang gab es bislang wenig Evidenz zur Frage, welche Bedeutung verschiedene Merkmale für das Risiko schwerer und auch tödlicher Covid-19-Erkrankungen haben. Ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Projekt verwendet zur Beantwortung dieser Frage GKV-Routinedaten.

Die Studie

Die Studienbasis bildeten Daten von insgesamt 30 Millionen GKV-Versicherten, darunter von AOK, Barmer und Betriebskrankenkassen. Die Autorinnen und Autoren der Studie bezogen Daten von erwachsenen Personen mit einer ambulant gesicherten oder stationär dokumentierten Covid-19-Erkrankung (ICD-10-GM: U07.1! – Covid-19) mit ein. Personen ab 80 Jahre schlossen sie dagegen von der Studie aus, da zum Zeitpunkt der Auswertung der größte Teil in dieser Altersgruppe geimpft war.

Hämatoonkologische Erkrankung mit höchstem Risiko behaftet

Insgesamt wurden 93.857 Personen mit dokumentierter Covid-19-Erkrankung in die Analyse eingeschlossen. Fast ein Viertel dieser Personen (n = 22.573 oder 24,1 %) war zwischen 25 und 39 Jahre alt und 17,4 % waren in der Altersgruppe 40 bis 49 Jahre. 5 % der Covid-19-Erkrankten (n = 4.728) wurden im Kontext von Covid-19 intensivmedizinisch behandelt, beatmet und/oder verstarben. Dieser Personenanteil setzte sich wie folgt zusammen:

  • 31,5 % der schweren Verläufe mit hämatoonkologischer Erkrankung
  • 28,2 % mit metastasierten soliden Tumoren bei Patienten in Therapie
  • 25 % mit Demenz
  • 23,5 % mit metastasierten soliden Tumoren ohne Therapie
  • 22 % mit Herzinsuffizienz
  • 19,8 % waren in der Altersgruppe 75-79 Jahre
  • 19,5 % waren dialysepflichtig
  • 8,9 % waren in der Altersgruppe 65-69 Jahre
  • 4 % waren in der Altersgruppe 60-64 Jahre

Evidenzbasierte, praxistaugliche Orientierung bei Impfpriorisierung

Die Analysen belegen nach Meinung der Autorinnen und Autoren, dass eine rein am Alter orientierte Rangfolge für die Impfpriorisierung nicht optimal ist. Vor allem Personen mit hämatoonkologischen Erkrankungen, metastasierendem Krebs, Demenz und Herzinsuffizienz haben ein hohes Risiko für schwere Covid-19-­Verläufe. Dieses Risiko übersteigt in vielen Fällen das allgemeine Risiko von Angehörigen bestimmter Altersgruppen, wie sie in der aktuellen Impfverordnung zur Priorisierung berücksichtigt werden.

Im zweiten Quartal 2021 sei mit einer Beschleunigung der Covid-19-Impfkampagne in Deutschland durch die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, und steigende Liefermengen an Impfstoffen zu rechnen. Im Wettlauf mit der dritten Welle sollten die weiterhin begrenzten Impfstoffmengen effizient eingesetzt werden, um eine Überlastung der Intensivstationen zu vermeiden. Die dargestellte Rangfolge von Risikofaktoren für schwere Verläufe biete eine evidenzbasierte und praxistaugliche Orientierungsmöglichkeit, so das Autorenteam.

Dieser Beitrag ist im Original auf univadis.de erschienen.”

  1.  Rößler M, Jacob J, Risch L, et al.: „Hierarchisierung von Risikofaktoren für schwere COVID-19-Erkrankungsverläufe im Kontext der COVID-19-Schutzimpfungen“. Eine gepoolte GKV-Routinedatenanalyse basierend auf 30 Mio. Versicherten. Epid Bulletin 2021; 19; 12. Mai, online vorab
  2. Bundesministerium für Gesundheit: „Verordnung zum Anspruch auf Schutzimpfung gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 (Coronavirus-Impfverordnung – CoronaImpfV)“; Bundesanzeiger 11. März 2021; BAnz AT 11.03.2021 V1

Bildquelle: © gettyImages/D-Keine

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