06. November 2020

Grippeschutzimpfung könnte auch Schutz vor Covid-19 bieten

Nicht nur Covid-19 – auch die Influenza fordert jedes Jahr viele Todesopfer. Die regelmäßige saisonale Grippeschutzimpfung könnte viele dieser Todesfälle verhindern. Einiges deutet darauf hin, dass Geimpfte möglicherweise auch Sars-CoV-2 mehr entgegenzusetzen haben.1

Lesedauer: 2 Minuten

Ähnliche Risikogruppen

Jedes Jahr versterben weltweit zwischen 290.000 und 650.000 Menschen an Grippe. Ganz ähnlich wie bei Covid-19 sind auch hier Ältere und Menschen mit Komorbiditäten besonders durch schwere Verläufe gefährdet. Die jährliche Grippeschutzimpfung wird daher zur Prävention vor allem in diesen Risikogruppen empfohlen.

Möglicherweise kann die Influenza-Impfung aber noch mehr, als nur vor Grippe zu schützen. So wurden kreuzprotektive Effekte von Impfungen wie z.B. der BCG-Impfung nachgewiesen, die vor allem auf einen langfristigen Trainingseffekt auf die angeborene Immunität zurückgeführt werden. Mehrere epidemiologische Untersuchungen in der jetzigen Pandemie deuten darauf hin, dass die Grippeschutzimpfung auch einen gewissen Schutz vor Covid-19 bietet.

Die Untersuchung von Wissenschaftlern um Priya A. Debisarun von der Radboud Universität in Nijmegen und Kollegen von der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf deutet ebenfalls in diese Richtung. Ausgewertet wurden hier die Daten von 10.600 Mitarbeitern des medizinischen Zentrums der Radboud Universität, von denen sich 184 mit SARS-CoV-2 infiziert hatten.

Von den Mitarbeitern, die in der Saison 2019/2020 eine Grippeimpfung mit einem tetravalenten Impfstoff erhalten hatten, infizierten sich 1,33 %, von den Ungeimpften dagegen 2,23 %. Dies würde einer Risikoreduktion von 39 % entsprechen. Eine Kausalität wird dadurch nicht belegt – denkbar wäre z.B., dass Geimpfte insgesamt einen gesünderen Lebensstil haben oder sich ganz allgemein besser vor Ansteckung schützen.

Verstärkte Immunantwort auf SARS-CoV-2 nach Kontakt mit Grippeimpfstoff

Darüber hinaus versuchten die Forscher durch Zellkulturuntersuchungen möglichen zugrundeliegenden Mechanismen auf die Spur zu kommen. Dazu isolierten sie Immunzellen (monoklonale Zellen aus dem peripheren Blut – PBMCs) von gesunden Spendern und versetzen sie mit einem tetravalenten Influenzaimpfstoff.

Die so „trainierten“ Zellen zeigten dann nach Kontakt mit SARS-CoV-2 eine deutlich stärkere Immunantwort mit vermehrter Freisetzung von Interleukin-1RA, Interleukin-6 und Interferon-γ als Zellen ohne Exposition gegenüber dem Grippeimpfstoff. Dieser Effekt war noch deutlich stärker, wenn die Zellen zusätzlich auch dem BCG-Impfstoff gegen Tuberkulose ausgesetzt waren.

Auch diese Daten sprechen dafür, dass die Grippeschutzimpfung im gewissen Maße auch vor Covid-19 schützten könnte. Allerdings sind die auf „medRxiv“ veröffentlichen Ergebnisse noch nicht von unabhängigen Wissenschaftlern beurteilt worden und es werden sicherlich weitere Studien notwendig sein, um den Zusammenhang zu bestätigen.  

  1. Debisarun PA et al.The effect of influenza vaccination on trained immunity: impact on COVID-19. medRxiv 2020; doi: 10.1101/2020.10.14.20212498

Bildquelle: © Gettty Images/peterschreiber.media

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