11. Februar 2021

Kombinierte Covid-19-Impfung

Erst Biontech- dann AstraZeneca-Impfstoff?

Bisher galt für die Covid-19-Impfung: Jeder erhält 2 Dosen des gleichen Impfstoffs. Das muss aber nicht die beste Strategie sein. In einer vom britischen National Institute for Health Research initiierten Studie wird nun geprüft, ob die Kombination von zwei verschiedenen Impfstoffprinzipien womöglich bessere Ergebnisse liefert.1

Lesedauer: 2 Minuten

Redaktion: Maria Weiß

Kein neuer Ansatz

Ganz neu ist die Idee nicht. Auch schon für andere Impfstoffe wurde gezeigt, dass sie besser funktionieren, wenn ein anderer Impfstoff für die Boosterung verwendet wird. Beispiele sind die Auffrischimpfung gegen Hepatitis B und der vor kurzem zugelassene Vektor-Impfstoff gegen Ebola, bei dem die beiden im Abstand von acht Wochen verabreichten Einzelimpfstoffdosen unterschiedlich sind (Zabdeno® Ad26 und Mvabea® MVA).

In der „Covid-19 Heterologous Prime Boost Study“ (Com-Cov) sollen die beiden bislang in Großbritannien zugelassenen Impfstoffe von Biontech/Pfizer und von der Universität Oxford/AstraZeneca als erste und zweite Impfstoffdosis in unterschiedlicher Abfolge verwendet werden.

Damit werden ein mRNA-Impfstoff (Biontech/Pfizer) und ein Vektor-Impfstoff (AstraZeneca) kombiniert. Später können auch weitere Präparate dazu kommen, heißt es in einer Mitteilung des National Institute for Health Research.

Studie in England mit 800 Probanden gestartet

An der jetzt gestarteten Studie sollen 800 über 50-jährige Probanden aus England teilnehmen. Neben der Impfstoffkombination wird auch untersucht, wie sich unterschiedliche Intervalle von vier bis zu zwölf Wochen zwischen den beiden Impfstoffgaben auswirken. Zumindest beim AstraZeneca-Impfstoff scheint die zeitliche Abfolge der beiden Impfstoffgaben einen nicht geringen Einfluss auf die Wirksamkeit zu haben. Bisher werden in Großbritannien beide Impfstoffe in einem Abstand von bis zu 12 Wochen verabreicht.

Russland: Kombination von Sputnik V mit Impfstoff von AstraZeneca

Eine ähnliche Studie haben russische Forscher bereits Ende 2020 angekündigt: Sie wollen den russischen Impfstoff Sputnik V mit dem Impfstoff von AstraZeneca kombinieren. Dies wäre dann eine Kombination von zwei Vektorimpfstoffen ähnlich wie bei der Ebola-Impfung. Auch bei alleiniger Verwendung des Impfstoffs Sputnik V werden bereits zwei verschiedene Adenoviren als Vektoren (Ad 5 und Ad6) kombiniert.

Hoffnung auf stärkere und längeranhaltende Immunantwort

Von der Kombination von zwei verschiedenen Impfstoffen erhofft man sich zum einen eine stärkere Immunreaktion mit einer höheren und länger anhaltenden Antikörperantwort. Zum anderen wäre es angesichts von potenziellen Impfstoffengpässen auch von Vorteil, wenn die Impfstoffvergabe flexibler erfolgen könnte – auch in Bezug auf die Zeitspannen zwischen den beiden Impfungen.  

Kommentar von PD Dr. Christoph Spinner, Facharzt für Innere Medizin und Infektiologe am Klinikum rechts der Isar der TU München:
„Die Untersuchung der Kombination verschiedener Impfstoffe ist aus wissenschaftlicher Sicht interessant zu untersuchen, auch weil perspektivisch bei Auffrischungen verschiedene Impfstoffe kombiniert werden könnten. Ob die Strategie der Kombination verschiedener Impfstofftechnologien dann im Alltag einen Mehrwert bringt, muss geklärt werden. Die Voraussetzung dafür ist aber eindeutig Evidenz, die nur in klinischen Studien geklärt werden kann.”

  1. Studie zu Impfstoff-Kombinationen – Erst Astra-Zeneca, dann Biontech?; Pharmazeutische Zeitung

Bildquelle: © gettyImages/FrankyDeMeyer

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