30. Dezember 2021

Covid-19

Rekonvaleszenten-Plasma halbiert die Zahl schwerer Verläufe

Die Behandlung von Covid-19-Patienten mit dem Blutplasma von Genesenen kann möglicherweise doch eine effektive Therapieoption bei Risikopatienten sein.1

Lesedauer: 2 Minuten

Autorin: Maria Weiß

Halbierung der schweren Symptome

In einer kontrollierten randomisierten Studie aus den USA konnte die Zahl von Fällen mit schweren Atemwegssymptome halbiert werden, wenn das Rekonvaleszenten-Plasma hohe Antikörpertiter enthielt und so früh wie möglich verabreicht wurde.

Zu Beginn der Pandemie, als es noch kein anderen Behandlungsoptionen gab, wurde in mehreren Ländern der Einsatz von Rekonvaleszenten-Plasma erprobt. Erste Ergebnisse schienen positiv zu sein, ließen sich aber in randomisierten Studien nicht durchgängig bestätigen. Offensichtlich kommt es darauf, die Serumtherapie möglichst früh zu verabreichen.

In einer argentinischen Studie hatten die Patienten das Plasma innerhalb von 72 Stunden nach Symptombeginn erhalten, was zu einer Reduktion von schweren Atemwegsinfektionen um 48 % geführt hatte.

In der noch nicht begutachteten Studie von David Sullivan und seiner Arbeitsgruppe von derBloomberg School of Public Health in Baltimore (CSSC-004  für „Convalescent Plasma to Limit SARS-CoV-2 Associated Complications“) waren im Mittel zwar sechs Tage zwischen Symptombeginn und Transfusion (höchstens 8) vergangen – dafür achteten die Forschenden aber auf besonders hohe Antikörpertiter in dem verwendeten Plasma. In 99 % der Spenden lag der Titer der SARS-CoV-2-Spikeprotein-Antikörper über 1:1.620, in 95 % sogar über 1:4.820. Die Infusion erfolgte an 24 Zentren und wurde ambulant durchgeführt.  

Nur wenige stationäre Behandlungen

Nur 17 der 592 Patienten (2,9 %), die das Rekonvaleszenten-Plasma erhalten hatten, mussten innerhalb von 28 Tagen stationär behandelt werden – in der Placebogruppe waren es 37 von 589 Patienten (6,3 %). Das entsprach einer Risikoreduktion um 54 %. In der Placebogruppe verstarben drei Patienten an Covid-19, dagegen keiner in der Verumgruppe.

Die Behandlung erwies sich als gut verträglich, nur in einem Fall musste die Transfusion wegen Nebenwirkungen (Übelkeit und Erythem) abgebrochen werden.

Kostengünstige Behandlungsoption

Nach diesen Ergebnissen wäre die Therapie mit dem Rekonvaleszenten-Plasma ähnlich effektiv wie die Gabe monoklonaler Antikörper, die auch früh Im Krankheitsverlauf verabreicht werden müssen.

Rekonvaleszenten-Plasma ist breit verfügbar und deutlich kostengünstiger als rekombinant hergestellten Antikörper und daher auch eine Option für ärmere Länder. Zudem ist man quasi automatisch auf neue Varianten eingestellt, wenn die Plasmaspenden von Patienten der aktuellen Welle entnommen werden.

  1. David J. Sullivan et al; Randomized Controlled Trial of Early Outpatient COVID-19; BMJ medRxiv (2021); doi: https://doi.org/10.1101/2021.12.10.21267485

Bildquelle: © gettyImages/SCIENCE PHOTO LIBRARY

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