25. September 2020

Covid-19

Viele US-Bürger glauben hartnäckig an eine Verschwörung

Mit weltweit steigenden Covid-19-Erkrankungen nahm auch die Zahl der Menschen zu, die nicht an eine virale Pandemie, sondern an eine Verschwörung glauben. Nach den Ergebnissen einer US-Studie ist ihr verqueres Weltbild sehr stabil und geht mit einer Ablehnung präventiver Maßnahmen wie Mund-Nasen-Schutz und Impfungen einher.1

Lesedauer: 2 Minuten

3 besonders stark verbreitete Theorien

In der Studie wurden 840 US-Bürger erstmals im März 2020 zu ihren Überzeugungen in Bezug auf Covid-19 befragt, vier Monate später wurde die Befragung dann bei den gleichen Teilnehmern wiederholt. Gefragt wurde nach Verschwörungstheorien, aber auch nach der Akzeptanz von Schutzmaßnahmen und der zukünftigen Bereitschaft zu Impfung.

Ein wichtiges Ergebnis: Wer im März (noch vor Einführung der Maskenpflicht in den USA) an eine Verschwörung glaubte, war in der Regel davon auch noch im Juli (nach ersten Lockerungen des Lock-Downs) überzeugt.

Drei wesentliche Verschwörungstheorien ließen sich ausmachen:

  1. 28 % der Befragten glaubten im März, dass die neuen Coronaviren von der chinesischen Regierung als Biowaffen entwickelt worden waren, im Juli war der Anteil auf 37 % gestiegen.
  2. Fast ein Viertel (24 %) war im März überzeugt, dass das U.S. Center for Disease Control and Prevention (CDC) die Gefahr durch Covid-19 bewusst übertreibt, um Donald Trumps Präsidentschaft zu gefährden – im Juli waren es 32 %.
  3. 15 % glaubten, dass SARS-CoV-2 von der Pharmaindustrie in Umlauf gebracht wurde, um den Verkauf von Medikamenten und Impfstoffen zu steigern (im Juli 17 %).

Menschen mit einem hohen Konsum konservativer Medien und Social Media waren häufiger von solchen Verschwörungstheorien überzeugt. Ältere Menschen glaubten dagegen seltener an Verschwörungstheorien als jüngere.

Häufigerer Verzicht auf Masken

Die Umsetzung der empfohlenen Schutzmaßnahmen war unter der Verschwörungstheoretikern deutlich geringer: Im Juli gaben 62 % von ihnen an, regelmäßig Masken beim Zusammentreffen mit anderen Menschen außerhalb ihres Haushalts zu tragen, bei Menschen, die nicht an solche Theorien glaubten, waren es 95 %.

Auch die Bereitschaft zur Impfung war deutlich geringer. Im März gaben 37 % der Verschwörungsanhänger an, sich impfen zu lassen, wenn ein Impfstoff zur Verfügung steht, in der Kontrollgruppe waren es 81 %. Im Juli lagen die entsprechenden Raten bei 22 % bzw. 76 %. Auch Zweifel gegenüber der Sicherheit der Masern-Mumps-Röteln-Impfung waren unter den Verschwörungsanhängern weiter verbreitet.

Die Untersuchung zeigt, dass der Glaub an Verschwörungstheorien sehr hartnäckig ist und dadurch präventive Maßnahmen unterlaufen werden können. Hier ist Aufklärung notwendig, die von allen Medien und auch von Politikern getragen werden muss.

  1. Damiel Romer et al; Conspiracy theories as barriers to controlling the spread of COVID-19 in the U.S.; Social Science & Medicine (2020); DOI: https://doi.org/10.1016/j.socscimed.2020.113356

Bildquelle: © gettyImages/style-photography

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