20. Mai 2021

SARS-CoV-2 kann Penisgewebe infizieren und zu Impotenz führen

US-amerikanische Wissenschaftler haben erstmals SARS-CoV-2 im Penisgewebe nachgewiesen, bei Männern, deren Covid-19-Erkrankung bereits länger zurück lag.1,2

Lesedauer: 2 Minuten

Redaktion: Christoph Renninger

Covid-19 beeinflusst Blutgefäße

Bei einer Covid-19-Erkrankung kommt es zu weitreichenden endothelialen Veränderungen. Diese können zur Entstehung einer erektilen Dysfunktion (ED) führen, so das Ergebnis einer aktuellen Studie im World Journal of Men´s Health.1

Die verschiedenen Schichten der kleinen Blutgefäße können bei einer Endotheliitis ihre normalen Funktionen nicht erfüllen. Das mögliche Resultat sind Schäden des Gewebes, welches durch die Gefäße versorgt wird.

Studienleiter Prof. Dr. Ranjith Ramasamy, Urologe an der University of Miami, betont, dass SARS-CoV-2 in die Endothelien verschiedener Organe eindringen und die Funktion stören kann, etwa der Lungen und Nieren, aber auch des Penis.

Potenzprobleme nach Covid-19

In der Studie stellten die Forscher fest, dass Männer, die zuvor über keine erektile Dysfunktion geklagt hatten, nach einer SARS-CoV-2-Infektion schwere Potenzstörungen aufwiesen.

Die Forscher untersuchten Penisgewebe von 2 Männern, die nach einer Covid-19-Erkrankung aufgrund der ED eine Penisprothese erhielten. Einer der Patienten wurde mit einem schweren Verlauf in der Klinik behandelt, der andere hatte nur milde Symptome aufgewiesen. Die Erkrankungen lagen zum Zeitpunkt des operativen Eingriffs 6 bzw. 8 Monate zurück.

Als Vergleich diente Gewebe von 2 Männern, die sich im gleichen Zeitraum ebenfalls einer Penis-OP unterzogen, aber keine SARS-CoV-2-Infektion hatten.

Virus erstmals im Gewebe nachgewiesen

Abb.1 Ultrastruktur von Penisgewebe von Covid-19-Patienten. Pfeile: SARS-CoV-2-Viruspartikel

Im Penisgewebe der Covid-19-Patienten zeigten sich im Elektronenmikroskop Viruspartikel von SARS-CoV-2. Ebenso war die Funktion des Endothels bei diesen Männern beeinträchtigt (Abb.1). Bei den Kontrollpersonen lagen weder Virusbestandteile noch eine endotheliale Dysfunktion vor. Ramadamy legt nahe, dass die Impotenz ein Effekt der Virusinfektion sei und Patienten mit Anzeichen einer ED ihren Arzt aufsuchen sollen. Die lange Anwesenheit des Virus im Penisgewebe könne die ED noch weiter verschlimmern.

Studienautor Aliyahu Kresch macht deutlich, dass die Ergebnisse ein weiterer Grund dafür sind, sich vor einer SARS-CoV-2-Infektion zu schützen und sich impfen zu lassen.2 In einer früheren Studie zeigte sich bereits eine Beeinträchtigung der männlichen Fertilität und Spermienqualität nach einer Covid-19-Erkrankung.3

  1. Kresch E et al. COVID-19 Endothelial Dysfunction Can Cause Erectile Dysfunction: Histopathological, Immunohistochemical, and Ultrastructural Study of the Human Penis. World J Mens Health. 2021; 39: e22. 
  2. University of Miami researchers report COVID-19 found in penile tissue could contribute to ED. Pressemitteilung University of Miami, Miller School of Medicine, 11.05.2021
  3. Tian Y & Zhou L. Evaluating the impact of COVID-19 on male reproduction. Reproduction 2021; 161(2): R37-R44.

Bildquelle: © Getty Images/ ; DR. RANJITH RAMASAMY/UNIVERSITY OF MIAMI HEALTH SYSTEM

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