08. Juli 2021

Delta-Variante, weltweite Impfraten und Debatte um Impfung bei Kindern

Covid-19 rund um die Welt: Die aktuelle Lage (KW 27)

Die Pandemie verläuft weiterhin mit einer enormen Dynamik. Erhalten Sie hier eine aktuelle Momentaufnahme aus verschiedenen Ländern der Welt.1

Lesedauer: 7,5 Minuten

Stand: 08.07.2021

Es handelt sich bei diesem globalen Update um eine Momentaufnahme nach bestem Wissen und Gewissen während einer sich schnell entwickelnden Pandemie. Jede und alle verfügbaren Informationen zu Covid-19 können sich mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen ändern. Einigen der unten stehenden Informationen kann auch von nationalen oder internationalen Gesundheitsbehörden widersprochen werden.

Frankreich

In Frankreich schreitet die COVID-19-Epidemie mit 3.585 zusätzlichen Fällen am 6. Juli 2021 weiter voran. Die Delta-Variante erreichte am 2. Juli in 39,9%, die durch positive PCR-Tests identifiziert wurden. Eine Woche zuvor, am Freitag, den 25. Juni, lag diese Rate bei 19,3%. Das Institut Pasteur sagt für den Herbst einen Wiederanstieg der Epidemie voraus, wenn die Impfkampagne nicht beschleunigt wird. Um die Ausbreitung der Variante einzudämmen, erwägt die Regierung eine verpflichtende Impfung für alle Angehörigen der Gesundheitsberufe. Bis zum 6. Juli hatten 51,8 % der Gesamtbevölkerung eine erste Dosis erhalten. 37,6 % sind vollständig geimpft. Um die Impfquote in diesem Sommer zu erhöhen, entstehen neue Impfstellen auf Festivals, in Einkaufszentren oder auf Autobahnraststätten. In einer Medscape-Kolumne erörtert Dr. Davido den Wert einer dritten Dosis in der Allgemeinbevölkerung.

Großbritannien

In Großbritannien bestätigte Premierminister Boris Johnson seine Absicht, die meisten der COVID-19-Beschränkungen in England ab dem 19. Juli aufzuheben. Die oppositionelle Labour-Partei nannte dies “rücksichtslos”, da die Fälle mit Delta-Variante ansteigen. Die British Medical Association sagte, die Entscheidung sei “unglaublich besorgniserregend” und zeige eine “Entkopplung” von den Daten. Das Tragen von Masken soll eine individuelle Entscheidung werden. Ab Mitte August wird die Quarantäne für vollständig geimpfte Menschen aufgehoben, die mit jemandem in Kontakt kamen, der in England positiv getestet wurde. Bis Montag waren 64% der Erwachsenen in Großbritannien vollständig geimpft, und die Zahl der täglich gemeldeten positiven Fälle lag bei 27.334 pro Tag.

Portugal

Am Montag (5. Juli) sagte die Gesundheitsministerin Marta Temido, dass Portugal im schlimmsten Fall 4.000 COVID-19-Fälle pro Tag erreichen könnte, wie die Zeitung Público berichtet. In der letzten Juniwoche war die Delta-Variante für 89,1% der Infektionsfälle mit dem SARS-CoV-2-Virus verantwortlich und damit die häufigste im Land, wie aus einem Bericht zur genetischen Vielfalt des Instituto Nacional de Saúde Doutor Ricardo Jorge (Insa) hervorgeht, der am Dienstag (6. Juli) veröffentlicht wurde. Die Häufigkeit der Variante stieg im Laufe des Monats Juni in allen Regionen an, besonders in der nördlichen Region (von 17,7% Anfang Juni auf 71,1% am Ende des Monats), der Region Madeira (von 12, 5% Anfang Juni auf 85,7% am Ende) und den Azoren (von 0 auf 64,7%). Seit dem 16. Juni haben die portugiesischen Gesundheitsbehörden nach Angaben des Gesundheitsministeriums mehr als eine Million digitale Zertifikate ausgestellt, die eine vollständige Impfung, einen negativen Test oder die vollständige Genesung von der Krankheit bescheinigen.

Belgien

Seit Dienstag haben 70 % der gesamten Bevölkerung in Flandern (Belgien) ihre erste Dosis des COVID-19-Impfstoffs erhalten. Damit ist die Region die erste in Europa, die diesen Schwellenwert erreicht hat, so die örtlichen Behörden. Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren können sich nun auch in Belgien gegen COVID-19 impfen lassen, wenn sie die Zustimmung der Eltern haben, beschloss die Ministerkonferenz (IMC) für Gesundheit am Mittwoch.

Spanien

In Spanien ist die Inzidenz in den letzten 14 Tagen um 21 Punkte auf 225 Fälle pro 100.000 Einwohner (Dienstag 6) gestiegen. Der höchste Prozentsatz an Infektionen findet sich unter jungen Menschen (717,46 Fälle pro 100.000 Einwohner zwischen 20 und 29 Jahren und 652,59 Fälle pro 100.000 Einwohner zwischen 12-19 Jahren). Zugleich haben sieben Regionen in der letzten Woche keine Todesfälle gemeldet. Die Situation in den Krankenhäusern bleibt stabil mit 2,37% Betten, die von Patienten mit COVID-19 belegt sind. Einige Regionen denken über eine Verschärfung der Restriktionsmaßnahmen nach. In Madrid ist die Delta-Variante bereits vorherrschend mit 44,3% der neuen Fälle. 19,5 Millionen Menschen (41,2% der Bevölkerung) sind bereits vollständig geimpft. Mehr als 26,7 Millionen (56,3 % der Bevölkerung) haben mindestens eine Dosis erhalten.

Deutschland

Derzeit liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland nach Angaben des Robert Koch-Instituts bundesweit bei 5,1. Im Kampf gegen die Delta-Variante sollten nun mindestens 85 Prozent der 12- bis 59-Jährigen und 90 Prozent der Senioren ab 60 Jahren vollständig geimpft werden, so die Experten des Instituts. “Wenn diese Impfquote rechtzeitig erreicht wird, erscheint eine flächendeckende 4.Welle im nächsten Herbst/Winter unwahrscheinlich”, erklärten die Experten.

Inzwischen haben nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums rund 56,5 Prozent der Deutschen mindestens eine Impfdosis erhalten. Und 32,4 Millionen Bürger (38,9% der Gesamtbevölkerung) sind vollständig geimpft.

Nun wird gefordert, dass auch Kinder und Jugendliche geimpft werden sollen. Die zuständige Sachverständigenkommission (STIKO) hat jedoch keine generelle Impfempfehlung für Kinder ab zwölf Jahren ausgesprochen und empfiehlt die Impfung nur für 12- bis 17-Jährige mit bestimmten Vorerkrankungen wie Übergewicht. Die Deutsche Gesellschaft für Immunologie ist jedoch der Meinung, dass eine Herdenimmunität gegen Coronaviren ohne Impfung von Kindern und Jugendlichen nicht erreicht werden kann.

Schweiz

Seit Anfang der Woche sind in der Schweiz und Liechtenstein 274 neue Fälle aufgetreten. Für sie wurden 21.975 Tests ausgewertet, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) mitteilte. Drei Patienten mussten stationär behandelt werden. Todesfälle wurden nicht gemeldet. Am Montag hatte das BAG seit Freitag noch 449 neue Fälle gemeldet. In der Vorwoche waren es 239. Die Reproduktionszahl für die Verbreitung der SARS-CoV2-Varianten liegt landesweit derzeit über 1.

Österreich

In Österreich sind 4.925.865 Menschen, das sind 62,34 Prozent der impffähigen Bevölkerung, mit mindestens einer Dosis geimpft worden. 3.448.649 Menschen haben einen vollständigen Impfschutz. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist auf 6,7 gestiegen. Landesweit wurden nach Angaben des Innenministeriums und des Gesundheitsamtes 107 Infektionen festgestellt. Das ist ein Anstieg gegenüber dem Durchschnitt der letzten Woche von 85 Fällen.

USA

Die USA haben offiziell das Ziel von Präsident Biden verfehlt, dass bis zum 4. Juli, dem nationalen Unabhängigkeitstag, mindestens 70 % der Erwachsenen vollständig geimpft sein sollten. Etwa zwei Drittel der Erwachsenen haben mindestens eine Dosis eines Impfstoffs erhalten. Die Impfungen bei jüngeren Erwachsenen, Schwarzen und Hispanics hinken jedoch weiter hinterher. Gleichzeitig geht die CDC davon aus, dass die Delta-Variante jetzt mehr als die Hälfte der COVID-19-Fälle im Land verursacht. Sie beobachtet Anstiege der Erkrankungen in Staaten mit weniger Geimpften wie Missouri und Arkansas.  Infolgedessen ist auch der 7-Tage-Durchschnitt der Fälle um 10% landesweit angestiegen. Aufgrund der breiten Durchimpfung gehen Experten unterdessen davon aus, dass die Fälle nicht mehr zu schweren Verläufen mit Krankenhausaufenthalten oder gar Todesfolge korrelieren.

Mexiko

In Mexiko erklärte der Unterstaatssekretär für Gesundheit, dass das Land mit einer dritten Welle von COVID-19-Fällen konfrontiert ist, wobei ein Anstieg unter der jungen Bevölkerung und in Touristenorten zu verzeichnen ist. Bislang sind 15 % der Bevölkerung vollständig geimpft. Die Impfkampagne startete diese Woche in Mexiko-Stadt auch für Personen im Alter von 30-39 Jahren.

Paraguay, Bolivien, El Salvador & Argentinien (PAHO)

Der Direktor der Pan American Health Organization (PAHO) erklärte diese Woche (7. Juli), dass “die PAHO die Nationen, die über genügend Impfstoffe verfügen, aufgefordert hat, diese mit den Ländern in Amerika zu teilen, die noch Probleme haben”. In den nächsten Tagen werden Paraguay und Bolivien jeweils 1 Million Dosen Impfstoff und Guatemala weitere 1,5 Millionen Dosen von den USA erhalten. China wird 1,5 Millionen Dosen Impfstoff nach El Salvador schicken. Argentinien kündigte an, seine Vorschriften zu ändern, um die Einfuhr von Impfstoffen zu ermöglichen, die von anderen Ländern oder von COVAX gespendet wurden.

Brasilien

Am Samstag (3. Juli) gingen Tausende von Menschen in ganz Brasilien auf die Straße und forderten die Amtsenthebung des Präsidenten und mehr Impfstoffe. Die Regierung ist in Korruptionsvorwürfe beim Kauf des Impfstoffs Covaxin (Bharat Biotech) verwickelt. Der Fall wird von einer parlamentarischen Untersuchungskommission (CPI da Covid) untersucht. Untersucht wird folgender Fall: Das Gesundheitsministerium ermächtigte womöglich die religiöse Einrichtung Secretaria Nacional de Assuntos humanitários, Senah, mit einer Firma namens Davati Medical Supply über einen angeblichen Kauf von 400 Millionen Dosen Impfstoff von Oxford/AstraZeneca zu verhandeln.

Bis heute haben 36,59% der brasilianischen Bevölkerung die erste Dosis des Impfstoffs erhalten (77.487.380 Menschen) und 12,92% wurden mit zwei Dosen oder einer einzigen Dosis des Impfstoffs vollständig geimpft (das entspricht 26.470.130).

Australien

Australien plant, die Passagierzahl bei kommerziellen Flügen im Land um 50% zu reduzieren, von etwa 6.000 Passagieren pro Woche auf 3.000 bis zum 14. Juli.

Neuseeland

Die Arzneimittelbehörde Medsafe in Neuseeland hat die Verwendung des Impfstoffs COVID-19 von Johnson & Johnson genehmigt. Der Inselstatt wird voraussichtlich 2 Millionen Dosen des Impfstoffs kaufen. Der Impfstoff von Pfizer/BioNTech war der erste, der Anfang dieses Jahres in Neuseeland zugelassen wurde.

Südkorea

Südkorea meldete am 7. Juli 1.212 neue COVID-19-Fälle. Dies ist die höchste Tageszahl seit Dezember 2020, nur wenige Tage nachdem die sozialen Distanzierungsmaßnahmen in bestimmten Teilen des Landes gelockert wurden. Fast 85% der neuen lokal übertragenen Fälle werden aus dem Großraum Seoul gemeldet.

Indonesien

Der Anstieg der COVID-19-Infektionen in Indonesien hält weiter an. Am 6. Juli wurde ein neuer Rekord von 31.189 täglichen Fällen und 728 Todesfällen aufgestellt. Auf den großen Inseln Java und Bali wurden deshalb strenge Maßnahmen inklusive Abriegelungen verhängt.

Indien

Am 6. Juli meldete Indien 34.703 neue COVID-19-Fälle, den niedrigsten Tageswert seit fast 4 Monaten. Da die Reisebeschränkungen gelockert wurden, strömen Touristen in Scharen in die nördlichen Bundesstaaten Himachal Pradesh und Uttarakhand. Bharat Biotech berichtete, dass der einheimische COVID-19-Impfstoff Covaxin in Phase-3-Studien eine 93,4%ige Wirksamkeit gegen schwere symptomatische COVID-19 aufweist. Darüber hinaus biete der Impfstoff einen Schutz von 65,2 % gegen die Delta-Variante von SARS-CoV-2.

Univadis, Medscape, Coliquio, & Mediquality-Redaktion

Bild: © GettyImages/DKosig

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