15. April 2021

Covid-19 rund um die Welt: Die aktuelle Lage

Die Pandemie verläuft weiterhin mit einer enormen Dynamik. Erhalten Sie hier eine Momentaufnahme aus verschiedenen Ländern der Welt.

Lesedauer: 6 Minuten

Stand: 15.04.2021

Es handelt sich bei diesem Global Update um eine Momentaufnahme nach bestem Wissen und Gewissen während einer sich schnell entwickelnden Pandemie. Jede und alle verfügbaren Informationen zu Covid-19 können sich mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen ändern. Einigen der unten stehenden Informationen kann auch von nationalen oder internationalen Gesundheitsbehörden widersprochen werden.

Großbritannien

Am Dienstag hat Großbritannien sein Ziel erreicht, allen über 50-Jährigen, gefährdeten Gruppen sowie Gesundheits- und Pflegepersonal die Impfung anzubieten – drei Tage früher als geplant. Der NHS nannte die Impfung von 19 von 20 Menschen über 50 “einen unglaublichen Meilenstein”. Die Universität Oxford berichtete über die Zwischenergebnisse der Principle-Studie, die zeigen, dass das inhalative Kortikosteroid Budesonid die Rekonvaleszenz von Covid-19 bei Risikopatienten um durchschnittlich drei Tage verkürzt. Zwei neue Studien, die in der Fachzeitschrift Lancet veröffentlicht wurden, legten nahe, dass die B.1.1.7 (UK)-Variante von SARS-CoV-2 ansteckender ist als andere Stämme. Es wurden jedoch keine Hinweise darauf gefunden, dass sie zu einer schwereren Erkrankung führt oder schlimmere Symptome verursacht.

Frankreich

In Frankreich nimmt die Impfkampagne an Fahrt auf. In dieser Woche kündigte Gesundheitsminister Olivier Véran mehrere neue Schritte zur Bekämpfung der Pandemie an:

  • den Start der Impfungen für Menschen über 55, auch ohne Komorbiditäten,
  • die Verschiebung der zweiten Injektion von RNA-Impfstoffen von vier auf sechs Wochen,
  • die Lieferung der Selbsttest-Kits für Apotheken und der ersten Dosen des Janssen-Impfstoffs (letztendlich verzögert).

Darüber hinaus startete die Regierung einen Aufruf Angehörige der Gesundheitsberufe finanziell stärker zu unterstützen. Zugleich spitzt sich die Lage in den Gesundheitseinrichtungen durch das erneute Wiederaufflammen der Pandemie weiter zu.

Angesichts der wachsenden Angst im Zusammenhang mit der brasilianischen Variante gab Premierminister Jean Castex am Dienstag, den 13. April bekannt, dass alle Flüge zwischen Frankreich und Brasilien ausgesetzt wurden.

Deutschland

In Deutschland hat das Bundeskabinett eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes, die sogenannte “Bundesnotbremse“, beschlossen, die dem Bund vorübergehend mehr Eingriffsbefugnisse im föderal organisierten Staat gibt. Der Bundestag muss noch zustimmen. Der Termin für die Anhörung im Deutschen Bundestag wurde jedoch verschoben, was die Impfkampagne noch einmal verlangsamt.

Unterdessenwarnen führende Aerosolforscher aus Deutschland die Politik vor symbolischen Corona-Maßnahmen und fordern sie in einem offenen Brief zu einem Kurswechsel auf, um die Corona-Pandemie einzudämmen.

Am Dienstag gab Johnson & Johnson bekannt, dass sich die Einführung des Impfstoffs in Europa verzögert. Laut einer Auflistung des Gesundheitsministeriums erwartet Deutschland im zweiten Quartal rund 10 Millionen Impfdosen von dem Pharmaunternehmen. Zum Start wurden 256.800 Dosen in dieser Woche erwartet.

Spanien

In Spanien wird die Impfkampagne beschleunigt. Letzte Woche erhielten mehr als 2 Millionen Menschen eine Dosis des Impfstoffs. Bis Dienstag hatten mehr als 11 Millionen Menschen mindestens eine Dosis erhalten (16,2 % der Bevölkerung), während über 3 Millionen Menschen beide Dosen erhalten hatten (6,6 %). 300.000 Dosen des Impfstoffs von Johnson & Johnson sollten letzten Dienstag eintreffen, aber das Unternehmen kündigte Verzögerungen an, da in den USA sechs Fälle von Blutgerinnseln untersucht wurden.

Auch wenn die Zahl der Fälle rückläufig zu sein scheint, gibt es immer noch Regionen mit einer hohen Inzidenz. Am 9. Mai wird der “Alarmzustand“ in Spanien auslaufen. Laut Zentralregierung brauchen die Regionen eine gesetzliche Grundlage, um neue Einschränkungen einzuführen, wie z.B. die Ausgangssperre oder Mobilitätsbeschränkungen.

Am vergangenen Montag kündigte der Gesundheitsminister die Präsentation einer Reihe von Reformen und Investitionen an, die die Kapazitäten des nationalen Gesundheitssystems und insbesondere der Primär- und Gemeinschaftsversorgung erweitern und verbessern sollen.

Italien

In Italien zeigen die von der staatlichen Kontrollstelle gelieferten Daten in der dritten Woche in Folge einen Rückgang der durchschnittlichen Inzidenz. Die Rt fällt im Durchschnitt auf 0,92 (Bereich 0,82 – 1,01) (Gesundheitsministerium). Acht Regionen haben immer noch einen Rt größer als 1.

Die Belastung des Gesundheitswesens im Land bleibt besorgniserregend, auch wenn die Zahl der hospitalisierten Patienten mit Symptomen und der Menschen, die zu Hause unter Quarantäne stehen, sinkt (27.251 bzw. 502.169). Die Zahl der Covid-19-Patienten auf der Intensivstation (3.585) ist zurückgegangen.  Es wurden bereits fast 13 Millionen Impfstoffdosen verabreicht, wobei etwas mehr als 3.900.000 Menschen mit beiden Dosen vollständig geimpft sind.

Der Stopp des Johnson&Johnson-Impfstoffs beunruhigt den Gesundheitsminister Roberto Speranza. Am Dienstag, während die FDA eine Pause forderte, erklärte er, dass Italien “die Nebenwirkungen untersuchen wird, aber trotzdem diesen Impfstoff verwenden wird”, um den Impfplan zu vervollständigen.

Mexiko

In Mexiko meldete die Regierung eine Änderung der Pläne für das Covid-Impfprogramm: Sie wird weiterhin Menschen über 60 Jahre impfen und mit der Impfung von Lehrern beginnen, wobei Mitarbeiter des privaten Gesundheitswesens und andere Risikopopulationen außen vor bleiben. Die Regierung kündigte außerdem die Entwicklung eines mexikanischen Impfstoffs an, der bis Ende 2021 fertig sein soll.

Argentinien

Argentinien setzt sein Impfprogramm fort, wobei die Zahl der bestätigten Covid-Fälle einen neuen Höchststand erreicht hat, und die Behörden diskutieren die Wahrscheinlichkeit einer Verschärfung der Abriegelungsmaßnahmen.

Die PAHO berichtet, dass die lateinamerikanische Region nicht in der Lage war, auf die Dosen zuzugreifen, die benötigt werden, um die gesamte Bevölkerung zu impfen. Sie betont, dass dieser Prozess verbessert und beschleunigt werden muss.

USA

Die US-amerikanische Gesundheitsbehörden FDA und das CDC haben empfohlen, die Verwendung des Impfstoffs von Johnson & Johnson zu pausieren, nachdem es Berichte über Blutgerinnsel bei Patienten gab, die die Impfung erhielten. Die Behörden berichteten über sechs Menschen, die seltene Blutgerinnsel in Kombination mit niedrigen Blutplättchen erlebt. Sie veranlassten die Pausierung und stellten fest, dass mehr als 6,8 Millionen Dosen des Impfstoffs verabreicht wurden.

Die unerwartete Aktion kommt zu einem denkbar schlechtem Zeitpunkt. Zuletzt waren durchschnittlich mehr als 3 Millionen Impfungen pro Tag verabreicht worden. Die Maßnahme unterstreicht die Befürchtungen, dass eine zögerliche Impfung das nationale Ziel der Herdenimmunität verzögern wird.

In der Zwischenzeit steigen die Fallzahlen in Teilen der Vereinigten Staaten wieder an. Einige Experten befürchten, dass das Land in eine vierte Welle startet. Der Anstieg ist jedoch ungleichmäßig: 44 % der neuen Fälle treten in nur 5 Staaten auf, die 22 % der US-Bevölkerung ausmachen.

Australien

Australien stößt bei seinem Plan, fast die gesamte Bevölkerung bis Ende 2021 zu impfen, auf eine neue Herausforderung. Die Behörden empfehlen, dass Menschen unter 50 Jahren den Impfstoff von Pfizer-BioNTech statt des Impfstoffs von Oxford-AstraZeneca erhalten. Das Land hatte zuletzt hauptsächlich auf den Impfstoff von Oxford-AstraZeneca, gesetzt um das Impf-Ziel zu erreichen. Anderslautende neue Pläneliegen bisher nicht vor.

Japan

Inmitten einer Welle von Covid-19-Infektionen in Japan, die vermutlich auf ansteckende Varianten zurückzuführen sind, meldete die Präfektur Osaka am Mittwoch einen Rekord von 1.130 Covid-19-Fällen pro Tag. Die landesweite Zahl der täglich neu auftretenden Fälle überschritt zum ersten Mal seit Ende Januar die Marke von 4.000.

Indien

Mit insgesamt 13,9 Millionen Fällen hat Indien nun Brasilien überholt und ist nun das Land mit den meisten Infizierten nach den USA. Die indische Regierung kündigte am Dienstag an, dass sie die Zulassung von Impfstoffen, die von der US-amerikanischen FDA, der EMA, der britischen MHRA, der japanischen PMDA oder in der WHO-Liste für Notfälle aufgeführt sind, beschleunigen wird. Dieser Schritt ebnet den Weg für mögliche Importe der Impfstoffe von Pfizer-BioNTech, Johnson & Johnson und Moderna.

Zuvor hatte Indien am Montag den russischen Impfstoff Sputnik V für den Notfalleinsatz zugelassen und damit die dritte Impfstoffzulassung nach Covishield (Oxford-AstraZeneca) und dem heimischen Covaxin erteilt.

Israel

Eine Preprint-Real-World-Studie aus Israel deutet darauf hin, dass die südafrikanische B.1.351-Variante von SARS-CoV-2 den Schutz durch den Impfstoff COVID-19 von Pfizer-BioNTech in gewissem Umfang umgehen könnte.

- Univadis, Medscape, Coliquio, & Mediquality-Redaktion

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Bild: © GettyImages/DKosig

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