13. Januar 2022

Covid-19 rund um die Welt: Die aktuelle Lage (KW 02)

Die wöchentlichen Highlights rund um die Welt: Debatte um die Impfpflicht, Auslastung der Intensivstationen und Auffrischungsimpfungen.

Lesedauer: 9 Minuten

Stand: 13.01.2022

Es handelt sich bei diesem globalen Update um eine Momentaufnahme nach bestem Wissen und Gewissen während einer sich schnell entwickelnden Pandemie. Jede und alle verfügbaren Informationen zu Covid-19 können sich mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen ändern. Einigen der unten stehenden Informationen kann auch von nationalen oder internationalen Gesundheitsbehörden widersprochen werden.

Frankreich

Neuer Rekord: Am Dienstag, 11. Januar, wurden in Frankreich 368.149 neue COVID-19-Fälle festgestellt. 25.389 COVID-19-Patienten wurden ins Krankenhaus eingeliefert (gegenüber 22.749 am Vortag), davon 3.149 innerhalb von 24 Stunden. Auch die Zahl der pädiatrischen Einweisungen nahm zu. Insgesamt befanden sich 3.969 Patienten auf der Intensivstation, darunter 492 Neueinweisungen. Innerhalb von 24 Stunden starben 270 Menschen an der Krankheit.

In diesem Zusammenhang stimmte der Senat für den geplanten Impfpass, wobei einige Änderungen indem geplanten Gesetzesentwurf vorgenommen wurden. Auch die Frage der Verpflichtung zur generellen Nutzung von FFP2-Masken wird derzeit untersucht. Außerdem wird für Angehörige der Gesundheitsberufe die Auffrischungsimpfung ab dem 30. Januar 2022 in die Impfpflicht integriert.

Deutschland

Die Zahl der binnen eines Tages übermittelten Neuinfektionen in Deutschland überschritt nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von Mittwochmorgen erstmals die Schwelle von 80 000. Die Gesundheitsämter meldeten dem RKI demnach 80 430 Fälle in 24 Stunden. Vor genau einer Woche waren es 58 912 erfasste Neuinfektionen gewesen, wobei es im Zuge der Feiertage Lücken bei Tests und Meldungen gegeben hatte.

Die 7-Tage-Inzidenz gab das RKI mit 407,5 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 387,9 gelegen. Vor einer Woche lag die bundesweite Inzidenz bei 258,6 (Vormonat: 390,9). Der Höchstwert wurde Ende November mit 452,4 erreicht. Auf den Intensivstationen spiegelt sich die Omikron-Welle bislang nicht wider. Die Zahl der Coronapatienten ging dort seit Mitte Dezember kontinuierlich zurück, auf zuletzt knapp 3200. Zum Vergleich: Am Höhepunkt der 2. Welle waren es mehr als 5700 gewesen. Allerdings erwarten Experten, das mit deutlich zunehmenden Infektionszahlen auch die Belastung in den Kliniken steigt.

Bundeskanzler Olaf Scholz hofft unterdessen auf eine schnelle Debatte im Bundestag über eine allgemeine Impfpflicht gegen das Coronavirus. „Ich jedenfalls halte sie für notwendig und werde mich aktiv dafür einsetzen”, sagte der SPD-Politiker am Mittwoch im Bundestag. Er skizzierte auch, wie er sich eine Impfpflicht vorstellt. „Es sollte um alle Erwachsenen gehen”, sagte er. Außerdem solle sie möglichst unbürokratisch und schlank sein. Der Debatte im Bundestag wollte er jedoch nicht vorgreifen.

Österreich

In Österreich hat die Zahl der Corona-Neuinfektionen einen Rekordwert erreicht. Wie die Behörden am Mittwoch berichteten, wurden binnen 24 Stunden rund 17 000 Fälle verzeichnet. Das sind fast zweimal so viel wie vor einer Woche. Unter Berücksichtigung der Zahl der Einwohner liegt der Wert bei den Neuinfektionen in Österreich etwa doppelt so hoch wie in Deutschland. Zugleich blieb die Lage in den Kliniken weiter stabil. Die Zahl der Patienten auf den Normal- und Intensivstationen sank leicht.

Der Gesetzesentwurf für eine Corona-Impfpflicht in Österreich hat unterdessen eine Flut kritischer Reaktionen ausgelöst. Trotz der Bedenken, die auch von Richtern und Experten geäußert wurden, will Kanzler Karl Nehammer (ÖVP) die Regelung wie geplant Anfang Februar einführen. „An der Notwendigkeit der Impfpflicht besteht kein Zweifel aus meiner Sicht“, sagte der Politiker der Nachrichtenagentur APA.

Schweiz

Die Infektionszahlen steigen in der Schweiz rasant. Am Dienstag meldete das Bundesamt für Gesundheit 24 600 neue Infektionen mit dem Coronavirus. Dazu komme eine Dunkelziffer, weil sich nicht alle Menschen testen ließen, sagte Stadler. Innerhalb von 14 Tagen hätten sich 3293,21 von 100 000 Einwohnern infiziert. Die Sieben-Tage-Inzidenz weist das Bundesamt nicht täglich aus.

In der Schweiz rechnet die wissenschaftliche Taskforce damit, dass sich auf dem bevorstehenden Höhepunkt der Omikron-Welle binnen einer Woche 10 bis 30 Prozent der Bevölkerung mit dem Coronavirus anstecken werden. Wenn die Welle abgeklungen ist, seien 65 bis 85 Prozent der Bevölkerung immun oder durch Auffrischungsimpfungen geschützt, sagte Tanja Stadler, die Vorsitzende der Taskforce, die die Regierung berät, am Dienstag in Bern. Die Mathematikerin und Biostatistikerin aus Stuttgart rechnet mit dem Höhepunkt der Ansteckungen in einer bis drei Wochen. Dieser werde sich eine Woche bis zehn Tage lang an den Einweisungen in die Krankenhäuser zeigen.

Weltkarte Covid Global Update KW02

Belgien

Da in Belgien das Gesundheitssystem durch den Anstieg der Omicron-Fälle an seiner Belastungsgrenze angelangt ist, werden Personen, die aufgrund einer Coronavirus-Infektion ins Krankenhaus eingeliefert wurden, nicht mehr automatisch vorrangig behandelt. „Angesichts des großen Zustroms von COVID-19-Patienten, muss die Verfügbarkeit aller (sowohl COVID-19- als auch Nicht-COVID-19-Erkrankten) kritischen Behandlungen sichergestellt werden”, so die nationalen Gesundheitsbehörden. „In der Praxis werden diese Prioritäten auf der Grundlage einer medizinischen Triage festgelegt.” Belgiens Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke forderte die Krankenhäuser auf, als Vorsichtsmaßnahme Notfallpläne zu erstellen.

Italien

In Italien hat sich die Entwicklung der Pandemie in der letzten Woche stark beschleunigt, mit einem Anstieg der Inzidenz auf nationaler Ebene von 783 in der Vorwoche auf 1.700 Fälle pro 100.000. Auch die Zahl der Krankenhauseinweisungen ist sprunghaft angestiegen. Mehr als 13.000 befinden sich in Krankenhäusern, mehr als 1.400 davon auf Intensivstationen. 70 % dieser Patienten sind nicht geimpft. Die Regierung hat zusätzliche Maßnahmen ergriffen, um die Situation wieder in den Griff zu bekommen. Angesichts des unterschiedlichen Risikos eines Krankenhausaufenthalts auf der Intensivstation für geimpfte und ungeimpfte Personen (1:26) wurde mit sofortiger Wirkung eine Impfpflicht für alle über 50-Jährigen eingeführt.

Derzeit haben neun von zehn Italienern mindestens eine Dosis des Impfstoffs erhalten, und über 22 Millionen, d. h. fast 74 % der Anspruchsberechtigten, haben bereits die Auffrischungsimpfung erhalten. Dank des neuen Gesetzes scheint die Zahl der Impfungen wieder zuzunehmen. Von den Kindern im Alter von 5 bis 11 Jahren haben nur über eine halbe Million eine Dosis erhalten. Kinder unter 5 Jahren, für die noch kein Impfstoff zur Verfügung steht, machen 62 % der pädiatrischen Krankenhausaufenthalte für COVID-19 unter 18 Jahren aus. Ihre Zahl hat sich in der Woche vom 28. Dezember bis zum 3. Januar im Vergleich zur Vorwoche fast verdoppelt.

Spanien

In Spanien hat die Inzidenz den Wert von 3.000 Fällen pro 100.000 Einwohner überschritten. In einigen Regionen wie País Vasco hat die Inzidenz bereits die Zahl von 7.000 Fällen pro 100.000 Einwohner überschritten. Das Gesundheitsministerium meldete am Dienstag, den 11. März, 134.942 Neuinfektionen und 247 Todesfälle, die höchste Zahl von Todesfällen seit März. In fast der Hälfte der spanischen Regionen sind die Intensivstationen COVID-19-bedingt stark ausgelastet.

Nach dem Beginn der Impfkampagne für Kinder zwischen 5 und 11 Jahren im Dezember haben mehr als 40 Millionen Menschen (84,6 % der Bevölkerung) mindestens eine Dosis erhalten. Davon haben etwas mehr als 38 Millionen (80,3 %) die vollständige Impfung erhalten. Mehr als 16 Millionen (ein Drittel der Bevölkerung) haben eine Auffrischungsdosis erhalten.

Die Schüler in ganz Spanien kehrten am 10. Januar normal zur Schule zurück. Die Kommission für öffentliche Gesundheit wird sich am Mittwoch mit Vertretern aus den Regionen treffen, um die Entwicklung der Pandemie zu erörtern, wobei eine neue Debatte ansteht: Soll das Coronavirus künftig ähnlich wie dem Grippevirus begegnet werden?

Portugal

In Portugal liegt die durchschnittliche Zahl der täglichen Neuinfektionen bei etwa 32.200, dem höchsten jemals in diesem Land verzeichneten Durchschnittswert. Am 11. Januar verzeichnete das Land innerhalb von 24 Stunden weitere 33.340 Fälle von COVID-19, 28 Todesfälle und 43.513 Genesungen. Noch am Dienstag (11.01) gab es 269.451 aktive Fälle im Land, 10.201 weniger als am Vortag.

Die Zahl der Krankenhauseinweisungen ging am Dienstag erneut zurück (24 weniger, insgesamt 1.564), nachdem kurz zuvor die Zahl der hospitalisierten Patienten den höchsten Stand seit dem vergangenen Februar erreicht hatte (139). Die Zahl der schwer erkrankten Patienten, die in die Intensivstationen eingeliefert wurden, ist ebenfalls zurückgegangen.

Latein- und Südamerika

PAHO-Direktorin Carissa F. Etienne berichtete, dass sich die Zahl der Neuinfektionen in der vergangenen Woche in der Region Amerika verdoppelt hat, von 3,4 Millionen auf 6,1 Millionen Fälle.

In der gesamten lateinamerikanischen Region haben die Fälle deutlich zugenommen. Die Länder mit den meisten Infektionen sind Puerto Rico und die Dominikanische Republik in der Karibik, Belize und Panama in der zentralamerikanischen Region und Bolivien, Ecuador, Peru und Brasilien in der südamerikanischen Region.

Mexiko

In Mexiko sind die aktiven COVID-19-Fälle um 194 % gestiegen, einige Krankenhäuser haben die Umstellung auf die Behandlung von COVID-19-infizierten Patienten angekündigt, während andere Gesundheitseinrichtungen mit der Einstellung von Personal begonnen haben, um während dieser Welle Personal zur Verfügung zu haben. Die Aufsichtsbehörde COFEPRIS hat den Notfalleinsatz des Abdala-Impfstoffs, der vom Zentrum für Gentechnik und Biotechnologie (CIGB) in Kuba entwickelt wurde, sowie den Einsatz des oralen Medikaments Molnupiravir für COVID-19 im kontrollierten Notfalleinsatz genehmigt. Die Regierung forderte die Bevölkerung auf, sich bei Auftreten von Symptomen nicht auf COVID-19 testen zu lassen. Schließlich gab der mexikanische Präsident bekannt, dass er zum zweiten Mal positiv auf das SARS-CoV-2-Virus getestet wurde, obwohl er seine Impfungen abgeschlossen hatte.

Chile

Chile hat am 10. Januar damit begonnen, immungeschwächten Bürgern eine vierte Dosis des SARS-CoV-2-Impfstoffs anzubieten und zu verabreichen und ist damit eines der ersten Länder Lateinamerikas, die dies ermöglicht.

Brasilien

In Brasilien kündigte das Gesundheitsministerium am Montag (10. Januar) an, die Quarantäne für Erkrankte ohne Symptome von zehn auf fünf Tage zu verkürzen, wobei am Ende ein Test verlangt wird. Viele Experten kritisierten diese Maßnahme. Dr. Carlos Fortaleza, Präsident der Gesellschaft für Infektionskrankheiten von São Paulo, sagte, dass „der Höhepunkt der Übertragbarkeit genau zwischen dem fünften und sechsten Tag nach der positiven Diagnose liegt”.

Die Impfung von Kindern hat noch nicht begonnen. Auf die Genehmigung des Impfstoffs von Pfizer/BioNTech am 16. Dezember folgte eine lange Diskussion, noch immer wurden für diese Bevölkerungsgruppe keine Impfstoffe geliefert. Nach Angaben des brasilianischen Gesundheitsministeriums werden bis Ende Januar 4,3 Millionen Dosen (von einer Charge von 20 Millionen) des Pfizer/BioNTech-Impfstoffs für Kinder erwartet. Die Bevölkerung im Alter von 5-11 Jahren umfasst etwa 20,5 Millionen Menschen.

In Brasilien gibt es bislang mehr als 620.000 Todesfälle durch COVID-19 und 22.556.525 registrierte Fälle des neuen Coronavirus. Die durchschnittliche Zahl der Todesfälle in den letzten sieben Tagen im Vergleich zu den Daten von vor zwei Wochen zeigt einen Anstieg um 17 %. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der neu diagnostizierten Fälle um 617 % gestiegen. 67,8 % der brasilianischen Bevölkerung sind mit zwei Dosen oder einer einzigen Dosis vollständig geimpft.

Australien

Am 8. Januar überschritt Australien zum ersten Mal die Zahl von 100.000 COVID-19-Fällen pro Tag. Der Bundesstaat New South Wales verzeichnete 16 COVID-19-Todesfälle, die höchste Zahl, die der Bundesstaat je verzeichnet hat.

China

China begann am 9. Januar mit Massentests bei 14 Millionen Einwohnern in der Stadt Tianjin, nachdem 97 Fälle der Omicron-Variante entdeckt worden waren. Die Städte Xi’an, Yuzhou und Anyang sind weiterhin abgeriegelt. Ein Beamter des Organisationskomitees hat erklärt, dass die Olympischen Winterspiele in Peking wie geplant stattfinden werden, es sei denn, es kommt zu einem Anstieg der Fälle innerhalb der Blase.

Hongkong

Hongkong wird die COVID-19-Impfung für Kinder über 5 Jahren mit dem in China hergestellten Sinovac-Impfstoff einführen.

Japan

Japan wird seine strikten Grenzbeschränkungen bis Ende Februar 2022 beibehalten, wobei die Beschränkungen aus bestimmten humanitären Gründen gelockert werden könnten.

Philippinen

Die Philippinen haben ungeimpften Personen die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel in der Hauptstadt Manila untersagt, es sei denn, sie haben eine Ausnahmegenehmigung. Das Land meldete am 10. Januar eine Rekordzahl von 33.169 COVID-19-Fällen pro Tag.

Indien

Am 10. Januar begann Indien mit der COVID-19-Auffrischungsimpfkampagne für Beschäftigte an vorderster Front und Personen ab 60 Jahren. Die Zahl der COVID-19-Infektionen steigt in dem Land weiter an: Am 12. Januar wurden täglich 194 720 Fälle gemeldet.

Univadis, Medscape, coliquio & Mediquality-Redaktion

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