15. April 2020

CovidCon Global

Die wichtigsten Aussagen internationaler Experten

Acht internationale Experten haben an der CovidCon Global teilgenommen. Sehen und lesen Sie hier die wichtigsten Eckpunkte ihrer Aussagen.

Lesedauer: 3,5 Minuten

Prof. Luo Fenming (China)

Prof. Fenming betont, dass die Abstands- und Hygienemaßnahmen maßgeblich dabei geholfen haben, die Epidemie in China unter Kontrolle zu bringen. Andere chinesische Metropolen seien auch deshalb weniger betroffen, weil von Reisen in die Provinz Hubei abgeraten werde.

Prof. Fenming und seine Kollegen haben eine Untersuchung zur Auskultation bei Covid-19-19 Patienten im Preprint-Verfahren bei The Lancet veröffentlicht (kein Peer-Review). Dafür benutzten sie elektronische Stethoskope, da die normale Auskultation durch Schutzkleidung erschwert wird. Während die oberen Lungenfelder eher frei waren, waren basal symmetrische Rasselgeräusche zu hören. Das komplette Paper finden Sie hier  (Zu „The Lancet“) . Für Prof. Fenming ist die Auskultation ein wichtiges klinisches Mittel zur Diagnose von Covid-19.

Prof. Dr. Marc Windisch (Südkorea)

In Südkorea sind die Neuinfektionen auf einem niedrigen Stand. Dazu kam es aufgrund der frühzeitigen, breit angelegten Testungen in der Bevölkerung. Durch Einhaltung der Empfehlungen und der staatlichen Verteilung von Mund-Nasen-Schutzmasken an die Bürger war bisher ein Lockdown vermeidbar.

Der Einsatz von Big Data, um Infizierte zu monitoren und Personen, die mit ihnen Kontakt hatten, frühzeitig per Smartphone zu informieren, trägt aus Sicht von Prof. Windisch ebenso maßgeblich zur Eindämmung des Virus in dem asiatischen Land bei. Datenschutz spiele dabei keine Rolle. Aufgrund der Kirschblüten-Saison treffen sich Leute jedoch wieder vermehrt, weshalb der Wissenschaftler die aktuell stabile Lage als fragil betrachtet.

Nicholas T. Skipitaris, M.D., MBA (USA)

Dr. Skipitaris berichtet aus eigene Erfahrung, dass Asthma-Patienten häufig einen langwierigeren Genesungsverlauf aufgrund des Bronchospasmus haben. Bei der afroamerikanischen Bevölkerung liegen die Inzidenzen von gefährdenden Grunderkrankungen, wie koronare Herzkrankheit oder Diabetes, höher, was diese ethnische Gruppe an sich anfälliger macht.

Ebenso berichtet Dr. Skipitaris, dass in seinem Krankenhaus aktuell deutlich weniger kardiologische Notfälle eintreffen. Er mutmaßt, dass manche Patienten sich aufgrund der Epidemie nicht trauen, sich behandeln zu lassen. Kardiologische Patienten werden nun vermehrt telemedizinisch überwacht. Auch stationäre Patienten erhalten nun EKG-Aufkleber mit Datenübertragung, weil dadurch weniger Verkehr auf den Krankenhausfluren herrscht.

PD Dr. Christoph Spinner (Deutschland)

Dr. Spinners Arbeitsgruppe führt seit einigen Tagen eine Untersuchung im Raum München durch, um die Verbreitung des Coronavirus in der Bevölkerung serologisch zu untersuchen und somit die Dunkelziffer einzuschätzen.

Ob sich das Corona-Virus wirklich über Aerosole übertragt ist jedoch nach wie vor ungesichert, da sich die bestehenden Daten widersprechen. Bevor sich an den betroffenen Sicherheitsmaßnahmen jedoch etwas ändert, muss mehr Forschung betrieben werden.

Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Kekulé (Deutschland)

Prof. Kekulé sieht aktuell keine Alternative zum Lockdown in Deutschland und nennt die Kriterien, die erfüllt sein müssen, bevor die Öffnung wieder beginnt. Ebenfalls geht er auf die Impfstoff-Entwicklung und den durch das Coronavirus erzeugten Zytokinsturm ein.

Prof. Dr. D. J. Christopher (Indien)

Indien versucht mit einer weitgehenden Ausganssperre die Pandemie im eigenen Land einzudämmen. Nach anfänglicher Kritik hat die indische Regierung sich jetzt dazu verpflichtet, die Zahl der Testungen deutlich zu erhöhen, erläutert Dr. Christopher. Zudem ist es das Ziel, dass alle Infizierten unter Beobachtung stehen. Hotels oder Gästehäuser dienen dabei als Quarantänestationen. Ein bislang nicht gelöstes Problem sieht der Lungenarzt allerdings derzeit bei Personen, die auf eine Testung warten oder deren Testergebnis noch aussteht.

Da Indien bislang vergleichsweise geringe Infektionszahlen aufweist, fehle es noch an Therapiestudien im Land, so der Pneumologe. Allerdings könne er sich gut vorstellen, dass sein Land an der von der WHO koordinierten Solidarity-Studie teilnehmen wird.

Dr. Om Shrivastav (Indien)

Der Arzt berichtet von der hohen Infektiosität des Virus. So reichten seiner Erfahrung geringste Mengen Virusmaterial für eine Ansteckung. Auf der anderen Seite sei die Mortalitätsrate bei Covid-19-Patienten im Vergleich zu anderen Viruserkrankungen vergleichsweise gering. Die aktuellen Zahl an Todesfällen in Indien in Folge einer Covid-19-Infektion bezeichnet er als „nicht alarmierend“.

Dr. Patrick Welte (Italien)

Dr. Patrick Welte, der den Ausbruch in Italien miterlebt, schätzt ein, dass der Höhepunkt der Pandemie bereits erreicht wurde und hofft auf eine Besserung innerhalb der nächsten Wochen. Für die hohe Mortalität in Italien sieht er vielschichtige Gründe, denkt aber, dass erst am Ende der Pandemie wirklich klar sein kann, wie sehr sich die einzelnen Länder epidemiologisch wirklich unterscheiden.

Praktische Tipps für die Beatmung

Nach Dr. Weltes Erfahrung hilft eine CPAP-Beatmung nur wenig. Eine assistierte, druckkontrollierte Beatmung mit PSV oder BIPAP mit hohem PEEP und einem niedrig eingestellten Trigger sowie einer normale Inspirationszeit (etwa 1,3 Sekunden) hat sich bewährt. Es ist keine klassische „ARDS-Lunge“.  Zu Beginn braucht es einen PEEP von 10 cm H20, danach zeigt die Lunge eine gute Compliance. Probleme entstehen eher dann, wenn es zu einer Superinfektion kommt.

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