25. November 2021

Covid-19: Was Deutschland noch drohen könnte

In Deutschland steigen die Infektionszahlen weiter an, in einigen Regionen sind die Kliniken bereits am Limit. Britische Mathematiker haben nun ein Modell entwickelt, das anzeigt, was den einzelnen europäischen Ländern an Krankheitslast in den nächsten Monaten noch drohen könnte.1

Lesedauer: 2,5 Minuten

Autorin: Maria Weiß. Redaktion: Marc Fröhling

Modell gibt Ausblick in die Zukunft

Die Infektionszahlen steigen aktuell in Deutschland und weiteren europäischen Ländern weiter an. Britische Mathematiker aus London haben ein Modell entwickelt, das anzeigt, was den einzelnen europäischen Ländern an Krankheitslast in den nächsten Monaten noch drohen könnte. Wichtige Einflussgrößen sind dabei die Zahlen an vollständig Geimpften und Genesenen und das Durchschnittsalter der Bevölkerung.

Die meisten europäischen Länder Europa haben im internationalen Vergleich zwar schon relativ früh ausreichend Impfstoff zur Verfügung gehabt – der reduzierte Impfschutz gegen die Delta-Variante und der immer noch relative hohe Anteil an Ungeimpften vor allem unter jüngeren Menschen führt aber auch hier zu Problemen.

Ungeimpfte und Nicht-Infizierte bestimmen die Krankheitslast

Nach dem Modell ist ein Übergang in eine endemische Situation nur dann möglich, wenn die gesamte Bevölkerung entweder geimpft ist oder bereits eine Infektion durchgemacht hat. Der Anteil der Menschen, bei denen weder das eine noch das andere der Fall ist, sowie die Altersstruktur der Bevölkerung bestimmen die zukünftige Krankheitslast und die Auslastung der Krankenhäuser.

Der Anteil von Patienten mit natürlich erworbener Immunität lässt sich nicht so einfach abschätzten, da Meldeverfahren sich zwischen den Ländern und im Zeitverlauf sehr unterscheiden. Ausgehend von einer relativ konstanten „infection fatality rate“ nutzten die Autoren daher die relativ verlässliche Zahl der an Covid-19 Verstorbenen, um auf die Zahl der Infizierten zurückzuschließen.

Aufgrund der verbleibenden Zahl der Ungeimpften und noch nicht Infizierten in den verschiedenen Altersgruppen wurde berechnet, mit wie vielen Hospitalisierungen/Todesfällen pro 100.000 noch zu rechnen ist, wenn die gesamte Bevölkerung in Kontakt mit SARS-CoV-2 kommt, weil Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen und Maskenpflicht nicht mehr gelten. Nicht berücksichtigt wurden dabei die möglicherweise abnehmende Immunität, ein denkbares Bevölkerungswachstum und neue, vielleicht noch gefährlichere Varianten. Außerdem wurde von der jetzigen Impfrate und der zurzeit gültigen Raten von Hospitalisierung- oder Sterberate (IHR und IFR) ausgegangen.  

Ohne Maßnahmen drohen Deutschland 115.000 weitere Todesfälle

Die errechneten Raten unterscheiden sich deutlich zwischen den verschiedenen Ländern. In England ist die Zahl der erwarteten Hospitalisierungen z.B. mit 62/100.000 am niedrigsten, da die älteren Menschen überwiegend vollständig geimpft sind. Die höchste Rate findet man mit 840/100.000 in Rumänien, wo ein großer Teil der älteren Bevölkerung noch nicht geimpft ist. Ähnlich sieht es bei den Todesfällen in den beiden Ländern aus: England steht mit einer Rate von 19/100.000 am besten da, Rumänien muss mit 360 Todesfällen pro 100.000 rechnen.

Auch in Deutschland, Österreich, Niederlande und Slowenien wäre mit einer relativ hohen Krankheitslast zu rechnen, was nach Aussage der Autoren durch zu geringe Impfraten, eine relativ geringe frühere Exposition und einen hohen Anteil älterer Menschen bedingt ist. Auf Deutschland würden unter den jetzigen Bedingungen 280.000 Hospitalisierungen sowie 115.000 weitere Todesfälle aufgrund von Covid-19 zukommen. Für alle 19 europäischen Länder zusammen wären es über 900.000 Hospitalisierungen und 300.000 zusätzliche Tote, wenn sich an den jetzigen Bedingungen nichts ändert.

Das Modell macht eindrücklich deutlich, wie wichtig die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie wie das Schließen von Impflücken und das Fortführen von Abstandhalten, Kontaktbeschränkungen und Maskenpflicht bleiben.

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  1. Lloyd A C Chapman et al; Unexposed populations and potential COVID-19 burden in European countries; medRxiv preprint (2021); doi: https://doi.org/10.1101/2021.11.10.21266166;

Bildquelle: © gettyImages/D-Keine

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