02. September 2021

Covid-19-Studien

Geschlechtsunterschiede zu wenig berücksichtigt

Männer und Frauen sind ganz unterschiedlich von Covid-19 betroffen. In klinischen Studien wurden aber biologisches Geschlecht und soziale Geschlechterrollen nicht ausreichend berücksichtigt.1

Lesedauer: 2 Minuten

Autorin: Maria Weiß, Redaktion: Sebastian Schmidt

Männer haben erhöhtes Risiko, an Corona zu versterben

Männer erkranken öfter schwer, müssen häufiger im Krankenhaus behandelt werden und haben ein erhöhtes Risiko, an der Corona-Infektion zu versterben. Warum das so ist, konnte noch nicht eindeutig geklärt werden – solche Geschlechterunterschiede bieten aber die Chance, Einblick in die Pathogenese der Infektion zu bekommen.

Frauen wegen Geschlechterrollen hohem Ansteckungsrisiko ausgesetzt

Auch die Geschlechterrolle beeinflusst das Infektionsgeschehen. So arbeiten Frauen häufiger im Pflegebereich und in Bereichen mit engerem Kundenkontakt und sind somit einem höheren Ansteckungsrisiko ausgesetzt. All dies könnte letztendlich auch bedeuten, dass Therapien und präventive Maßnahmen für beide Geschlechter unterschiedlich ausgerichtet werden müssten.  

Wird dies aber auch in entsprechenden Studien berücksichtigt? Dazu haben Emer Brady von der Aarhus University, Dänemark, zusammen mit Forschenden aus Deutschland und den Niederlanden eine Stichprobe von 4.420 bei ClinicalTrials.gov eingetragenen Covid-19-Studien ausgewertet. Dazu gehörten 1.659 Beobachtungsstudien und 2.475 Interventionsstudien.

Nur in wenigen Geschlecht als geplante Variable

Das niederschmetternde Ergebnis: Nur 4 % der ausgewerteten Studien sahen ausdrücklich vor, Geschlecht oder Gender als geplante Variable in die Analyse einzubeziehen. In weiteren 237 Studien (5,4 %) waren zumindest geschlechtsspezifische Stichproben eingeplant oder es wurden die Bedeutung von Geschlecht oder Gender hervorgehoben.

An 124 Studien (2,8 %) nahmen entweder nur Frauen oder nur Männer teil. 100 dieser Studien hatten nur weibliche Probandinnen – meist mit dem Fokus Covid-19 und Schwangerschaft. In 21,4 % der Studien wurden Geschlecht /Gender lediglich als Kategorie für die Rekrutierung angegeben.

Als möglichen Ursache für die Vernachlässigung von Geschlecht und Gender als Variablen sehen die Autoren den Zeitdruck vor allem am Beginn der Pandemie. Mit zunehmender Dauer war aber leider kein Zuwachs an Studien mit Berücksichtigung von Geschlechtsunterschieden erkennbar.

Zunehmend wird deutlich, dass Männer und Frauen ganz unterschiedlich auf Medikamente reagieren. Wird dieser Aspekt schon in Studien vernachlässigt, kann dies zu vermehrten Nebenwirkungen führen und man verpasst möglicherwiese den Einstieg in eine personalisierte Therapie.

  1. Emer Brady et al; Lack of consideration of sex and gender in COVID-19 clinical studies; Nat Commun (2021); 12, 4015;DOI:  https://doi.org/10.1038/s41467-021-24265-8

Bildquelle: © gettyImages/alvarez

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