16. Juli 2020

Covid-19

Kinder tragen die Erkrankung nur selten in die Familie

Kinder sind bekanntlich weniger von Covid-19 betroffen – sowohl was die Schwere der Erkrankung als auch die Häufigkeit der Infektion angeht. Anders als bei anderen respiratorischen Erkrankungen wie z.B. Grippe scheinen sie auch kein wesentlicher Vektor bei der Übertragung zu sein.

Lesedauer: 2 Minuten

Redaktion: Maria Weiß

Die Arbeitsgruppe von Klara Posfay-Barbe et al aus Genf in der Schweiz beschreibt die ersten 39 Coronafälle bei Kindern unter 16 Jahren, bei denen im Universitätshospital der Stadt eine SARS-CoV-2-Infektion diagnostiziert worden war. Neben dem klinischen Verlauf wurden dabei auch über im Mittel 18 Tage die Haushaltskontakte mit möglichen Infektionen erfasst.

74 % der erkrankten Kinder waren vorher gesund – die häufigsten Komorbiditäten waren Asthma, (10 %), Diabetes (8 %), Adipositas (5 %), Frühgeburtlichkeit (5 %) und Hypertonie (3 %). Sieben Kinder (18 %) wurden für zwei bis vier Tage stationär aufgenommen. Gründe waren die Überwachung einer viralen Pneumonie oder Fieber ohne erkennbare Ursache bei jeweils zwei Kindern, sowie jeweils ein scheinbar lebensbedrohlicher Zustand und eine Sepsis-ähnliche Erkrankung. Ein weiteres Kind wurde nur mit aufgenommen, weil seine Eltern schwer an Covid-19 erkrankt waren. Keines der Kinder musste auf die Intensivstation oder erhielt Covid-19-spezifische Therapien.  

Leichte Symptomatik mit kompletter Remission

Die Kinder waren im Mittel 11 Jahre alt (5,7 bis 14,5 Jahre). Das häufigste Symptom war Husten (82 %) gefolgt von Fieber (67 %), Schnupfen (64 %), Kopfschmerzen (56 %), Halsschmerzen  (36 %), Kurzatmigkeit (33 %), Myalgien (33 %) und Abdominalschmerzen (28 %). Eine Anosmie wurde bei 21 % der  Kinder festgestellt. Sieben Tage nach der Diagnose waren die Symptome bei allen Kindern komplett verschwunden.

Die häufigsten Haushaltskontakte betrafen die Mutter (n= 39), dicht gefolgt vom Vater (n=32). 23 Kinder hatten zudem noch Kontakt zu Geschwistern im Kindesalter, acht zu erwachsenen Geschwistern und sieben zu Großeltern.

Kinder in der Familie nur selten zuerst erkrankt

Nur 3 der 39 Kinder entwickelten Symptome, bevor die anderen Haushaltsmitglieder erkrankt waren – in 79 % der Fälle war schon vorher mindestens ein Erwachsener in der Familie erkrankt. 75 der insgesamt 88 (85 %) erwachsenen Haushaltskontakte der infizierten Kinder  entwickelten zu irgendeinem Zeitpunkt Covid-19-Symptome, verglichen mit nur 43 % der pädiatrischen Haushaltskontakte.

In Übereinstimmung mit anderen Studien zeigt sich auch hier, dass Kinder innerhalb der Familien-Cluster in weniger als 10 % die Indexpatienten darstellen, die die Krankheit in die Familie tragen. Die Übertragung von SARS-CoV-2 von Kindern auf Erwachsene scheint somit eine eher untergeordnete Rolle zu spielen. Ebenfalls bestätigt hat sich in dieser Fallserie, dass Kinder in der Regel nur leicht erkranken und schnell wieder gesund werden.

  1. Klara M. Posfay-Barbe et al; COVID-19 in Children and the Dynamics of Infection in Families; Pediatrics (2020); e20201576; DOI: https://doi.org/10.1542/peds.2020-1576

Bildquelle: © gettyImages/evgenyatamanenko

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