08. September 2021

Covid-19-Impfung meist auch bei Allergien in der Vorgeschichte sicher

Menschen mit Allergien in der Vorgeschichte befürchten bei Impfungen gegen Covid-19 häufig schwere allergischen Reaktionen, was ein Grund sein kann, auf die Impfung zu verzichten. An einem israelischen Impfzentrum wurde ein einfacher Algorithmus entwickelt, nachdem das Risiko eingeschätzt wird. Besonders gefährdete Personen werden dann unter bestimmten Sicherheitsvorkehrungen geimpft. 1

Lesedauer: 2 Minuten

Autorin: Maria Weiß

Insbesondere zu Beginn der Impfkampagne wurde ein erhöhtes Risiko für allergische Reaktionen bei Verwendung der mRNA-Impfstoffe diskutiert. Dies führte zum Teil dazu, dass sämtliche allergische Erkrankungen in einen Topf geworfen wurden und „Allergiker“ sich nicht zur Impfung trauten. Ronen Shavit et al vom Sheba Medical Center in Tel HaShomer haben versucht, im Rahmen einer Kohortenstudie einzuschätzen, wie hoch das Risiko wirklich ist.

Das Studiendesign

Dazu wurden 8.102 besorgte Impfkandidatinnen und Kandidaten mit Allergien in der Vorgeschichte einem einfachen Algorithmus unterzogen. Pauschal als nicht besonders gefährdet galten danach alle Personen mit einer Sensitivität auf Aeroallergene oder Insektengiftallergene (auch nach Immuntherapie), mit Nahrungsmittel- oder Latexallergien, Kontrastmittelreaktionen, nicht-anaphylaktische Reaktionen auf einzelne Medikamente oder mit chronischer Urtikaria. 6.883 Personen fielen in diese Gruppe und wurden ohne weitere Vorkehrungen geimpft. Die übrigen füllten einen speziellen Fragebogen zu allergischen Vorerkrankungen aus und wurden von dem Allergologenteam untersucht – danach wurden weitere 785 als nicht gefährdet eingestuft.   

Nur 0,1 % wurde von Impfung abgeraten

429 Menschen (70,9 % weiblich, mittleres Alter 52 Jahre) gehörten dann tatsächlich zur Hoch-Risiko-Gruppe – z.B., weil sie mehrere Arzneimittelallergien hatten oder bereits wegen anaphylaktischer Reaktionen ein Adrenalin-Notfall-Set mit sich führten. Nur 5 dieser Betreoffenen (0,1 % der Gesamtgruppe) wurde tatsächlich von der Impfung abgeraten – in zwei Fällen wegen bekannter Sensibilisierung gegen Polyethylenglykol (PEG) und in drei wegen mehrerer anaphylaktischen Reaktionen auf verschiedene injizierbare Medikamente.

Auch bei hohem Risiko selten allergische Reaktionen

Bei den verbleibenden Menschen wurde die Impfung im Zentrum mit zweistündiger Nachkontrolle unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt. Nur bei 9 Frauen (2,1 %) wurden in diesem Zeitraum allergische Reaktionen beobachtet. Darunter waren 6 Fälle (1,4 %) mit leichten allergischen Sofortreaktionen, die nach Antihistaminikaeinnahme sofort wieder abklangen. Die anderen 3 Patientinnen (0.7 %) entwickelten innerhalb von 10-20 Minuten anaphylaktische Reaktionen wie Bronchospasmus. Hautausschlag, Juckreiz und Kurzatmigkeit. 2 Frauen zeigten zusätzlich ein Angioödem. Die Betroffenen erhielten Adrenalin, Antihistaminika und inhalative Bronchodilatatoren, in einem Fall auch systemische Kortikosteroide. Unter dieser Therapie gingen die Beschwerden innerhalb von 2-6 Stunden zurück – niemand musste stationär aufgenommen werden. Eine Nachuntersuchung der 9 Frauen nach 2 Wochen zeigte keinen wiederkehrenden oder anhaltenden allergischen Reaktionen.

Die Autorinnen und Autoren kommen zu dem Schluss, dass auch bei Menschen mit Allergien in der Vorgeschichte in den allermeisten Fällen eine Covid-19-Impfung problemlos durchgeführt werden kann. Die wenigen Personen mit erhöhtem Risiko sollten dabei zwei Stunden unter ärztlicher Kontrolle bleiben.

  1. Ronen Shavit et al; Prevalence of Allergic Reactions After Pfizer-BioNTech COVID-19 Vaccination Among Adults With High Allergy Risk; JAMA Netw Open (2021); 4(8): e2122255. doi:10.1001/jamanetworkopen.2021.22255

Bildquelle: © gettyImages/

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