07. Oktober 2021

Covid-19

Erhöhtes Risiko für anhaltende Nierenschäden

Covid-19-Erkrankte haben über die akute Erkrankungsphase hinaus ein erhöhtes Risiko für Nierenschäden. Bei der Versorgung von Personen, die die Infektionskrankheit überstanden haben, sollte auch auf Nierenerkrankungen geachtet werden. 1

Lesedauer: 2 Minuten

Redaktionelle Bearbeitung: Dr. Linda Fischer

SARS-CoV-2 kann viele Organe befallen, darunter auch die Nieren. Da eine Nierenbeteiligung bei Covid-19 mit einem signifikant schwereren Erkrankungsverlauf und einer zehnfach erhöhten Sterblichkeit assoziiert ist, empfehlen die Leitlinien inzwischen eine Urinuntersuchung bei der stationären Aufnahme. Wie berichtet sind viele Menschen mit Covid-19 allerdings auch nach der akuten Erkrankungsphase noch nicht wirklich gesund, sondern leiden an einer Vielzahl von Symptomen und Folgeerkrankungen, die pulmonale und extrapulmonale Organsysteme betreffen.

Dazu zählen auch renale Erkrankungen. Eine detaillierte Bewertung der renalen Befunde bei Menschen mit sogenanntem Long-Covid ist jedoch noch nicht verfügbar. Die Autorinnen und Autoren der vorliegenden Studie haben daher bei einer großen Gruppe von Personen nach der Akutphase der Infektionskrankheit (30 Tage nach dem positiven Test auf SARS-CoV-2) die Nierenfunktion untersucht. 

Das Studiendesign

Das Forschungsteam bezog in ihre Kohorten-Studie 1.726.683 US-Veteranen, darunter 89.216 Personen nach einer Covid-19-Erkrankung (30 Tage nach dem positiven SARS-CoV-2-Nachweis) und 1.637.467 nicht infizierte Personen mit ein. Sie ermittelten die Risiken für akute Nierenschäden (AKI), eGFR-Abnahme, Nierenerkrankung im Endstadium (ESKD) und schwerwiegende unerwünschte renale Ereignisse (MAKE), definiert als eGFR-Abnahme ≥ 50 %, ESKD oder Gesamtmortalität.

Höheres Risiko für Nierenschaden, eGFR-Abfall und renale Komplikationen

Die Berechnungen ergaben für die Veteranen 30 Tage nach der Akutphase von Covid-19 ein höheres Risiko für

  • einen akuten Nierenschaden: aHR 1,94 (95%CI: 1,86 – 2,04),
  • einen eGFR-Abfall ≥ 30%: 1,25 (1, 14 -1,37),
  • einen eGFR-Abnahme ≥ 40%: 1,44 (1,37 – 1,51),
  • einen GFR-Abnahme ≥ 50%: 1,62 (1,51 – 1,74),
  • eine Nierenerkrankung im Endstadium: 2,96 (2,49 – 3,51) und
  • schwere renale Komplikationen (MAKE): 1,66 (1,58 – 1,74). 

Das Risiko für postakute Nierenschäden war um so größer, je schwerer die akute Infektionskrankheit verlaufen war. Im Vergleich zu nicht infizierten Personen der Kontrollgruppe hatten die Ex-Covid-19-Erkrankten in der 30-Tage-Phase der akuten Infektion einen übermäßigen eGFR-Abfall von -3,26 bis -7,69; dies traf auf nicht hospitalisierte, hospitalisierte und intensivmedizinisch versorgte Personen zu. 

Klinische Bedeutung

Ex-Covid-19-Erkrankte haben der Studie zufolge in der postakuten Phase der Erkrankung ein erhöhtes Risiko für Nierenschäden. Dies bedeutet, dass bei Covid-Erkrankten nicht nur in der Akutphase der Infektionskrankheit, sondern auch darüber hinaus auf die Nierenfunktion geachtet werden sollte.

Dieser Beitrag ist im Original erschienen auf Univadis.de.

  1. Bowe et al.: „Kidney Outcomes in Long COVIDin the Journal of the American Society of Nephrology (2021)

Bildquelle: © gettyImages/Hiroshi Watanabe

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