27. August 2021

Covid-19

Erhöhtes Infektionsrisiko durch Bargeld?

Geld stinke nicht, verteidigte angeblich Kaiser Vespasian seine Latrinensteuer. Aber kann Bargeld SARS-CoV-2 übertragen? Bochumer Forscher haben es untersucht.1

Lesedauer: 3 Minuten

Autor: Dr. med. Thomas Kron

Eine Kooperation von Geld- und Virus-Experten

Bereits vor Monaten sind Wissenschaftler der Frage nachgegangen, ob sich Menschen an mit SARS-CoV-2 kontaminierten Oberflächen und Gegenständen infizieren können. Basierend auf Studiendaten zur Influenza-Viren etwa und zur Stabilität des neuen Coronavirus auf Oberflächen wurde auch die Übertragung von SARS-CoV-2 durch häufiges Berühren von Papiergeld und Münzen diskutiert. Mit der Frage, ob es möglich ist, sich auf diese Weise zu infizieren, haben sich kürzlich auch Experten der Europäischen Zentralbank in Zusammenarbeit mit Virologen der Universität Bochum beschäftigt. Die Forscher um Prof. Dr. Eike Steinmann und Dr. Daniel Todt entwickelten eigens eine Methode, um zu überprüfen, wie viele infektiöse Viruspartikel von Geld auf die Haut übertragen werden können. Die von der Europäischen Zentralbank unterstützte Studie ist im Fachmagazin iScience“ erschienen.

Experimente mit unterschiedlich hoch konzentrierten Viruslösungen

Um herauszufinden, wie lange sich SARS-CoV-2 auf Münzen und Banknoten hält, behandelten die Forscher laut einer Mitteilung der Universität Bochum verschiedene Euro-Münzen und -Scheine mit unterschiedlich hoch konzentrierten Viruslösungen und beobachteten über mehrere Tage, wie lange noch infektiöse Viren nachweisbar waren. Als Vergleich diente jeweils eine Edelstahloberfläche. Die Ergebnisse könnten beruhigen, heißt es in der Mitteilung: So waren auf der Edelstahloberfläche noch nach sieben Tagen infektiöse Viren nachweisbar; vom 10-Cent-Stück waren sie hingegen nach sechs Stunden, vom 5-Cent-Stück schon nach einer Stunde komplett verschwunden. „Dass es beim 5-Cent-Stück schneller geht, liegt daran, dass es aus Kupfer besteht, worauf Viren bekanntermaßen weniger stabil sind“, erklärt Daniel Todt. Auf 10-Euro-Scheinen dauerte es drei Tage bis zum vollständigen Verschwinden infektiöser Viren, bei der 1-Euro-Münze zwei Tage.

Experimente mit künstlicher Haut

Die Forscher entwickelten für ihre Studie eine neue Methode, um zu untersuchen, wie gut das Virus von einer Oberfläche auf die Fingerspitze übertragen wird. Sie benetzten Geldscheine, Münzen und kredtikartenähnliche PVC-Platten mit ungefährlichen Coronaviren sowie unter Hochsicherheitsbedingungen mit SARS-CoV-2. Diese Oberflächen wurden dann noch feucht oder bereits getrocknet von Probanden mit den Fingerspitzen oder im Fall von SARS-CoV-2 mit künstlicher Haut berührt. Danach wurden Zellkulturen mit den an den Fingerspitzen haftenden Viren angeimpft. Diese und die künstliche Haut untersuchten die Wissenschaftler  dann daraufhin, wie viele infektiöse Viruspartikel übertragen worden waren.

Auch Ansteckung mit Delta-Variante wenig wahrscheinlich

„Wir haben gesehen, dass schon nachdem die Flüssigkeit angetrocknet war, praktisch keine Übertragung infektiöser Viren mehr stattfindet“, so Daniel Todt in der Mitteilung. Insgesamt deuten die Ergebnisse nach Angaben der Autoren auf ein geringes Risiko der SARS-CoV-2-Übertragung durch Münzen und Banknoten hin. Daniel Todt: „Unter realistischen Bedingungen ist eine Ansteckung mit SARS-CoV-2 an Bargeld sehr unwahrscheinlich.“

Diese Beobachtung deckt sich mit den Ergebnissen anderer Studien, wonach die Ansteckung in den allermeisten Fällen über Aerosole oder Tröpfchen erfolgt. Schmierinfektionen über Oberflächen kommen so gut wie nicht vor. Zu beachten ist auch, dass Bargeld normalerweise in Brieftaschen und Geldbörsen aufbewahrt wird. Die Rolle einer infektiösen Person, die Banknoten und Münzen bei der Übergabe neu kontaminiere, müsse allerdings noch untersucht werden.

Die aktuelle Studie wurde mit der Wildtyp-Variante und auch mit der Alpha-Variante des neuen Coronavirus durchgeführt. „Wir gehen davon aus, dass sich auch andere Varianten wie die zurzeit vorherrschende Delta-Variante ähnlich verhalten“, erklärt Eike Steinmann. Die Haltbarkeit der bisher untersuchten Virusvarianten habe sich nicht von der des ursprünglichen Virus unterschieden.

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Dieser Beitrag ist im Original auf Univadis.de erschienen.

Bildquelle: © gettyImages/TomPhotos

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