19. Februar 2021

Covid-19

Lassen sich die Coronaviren mit einem Asthma-Spray ausbremsen?

Schon früh im Verlauf der Covid-19-Pandemie fiel in chinesischen Kohortenstudien auf, dass Asthmatiker eher selten schwere Verläufe zu entwickeln scheinen. Eine Ursache könnte der regelmäßige Gebrauch von Asthmasprays mit inhalativen Kortikosteroiden sein, deren therapeutischer Nutzen jetzt in einer offenen randomisierten Phase-II-Studie bei frühen Stadien von Covid-19 untersucht wurde.1

Lesedauer: 2 Minuten

Einiges spricht dafür, dass Glukokortikosteroide den Verlauf von Covid-19 möglicherweise positiv beeinflussen können. Patienten mit Asthma und COPD, die häufig inhalative Kortikosteroide (ICS) anwenden, scheinen bei den schweren Covid-19-Verläufen unterrepräsentiert zu sein. In-vitro-Studien haben gezeigt, dass ICS die Replikation von SARS-CoV-2 hemmen und die Expression von ACE2-Rezptoren herunterregulieren können.

Aufbau der „STerOids in Covid-19“-Studie

Sanjay Ramakrishnam und Kollegen von der Universität Oxford haben jetzt im Rahmen der „STerOids in Covid-19“ (STOIC)-Studie untersucht, ob die zweimal tägliche Anwendung eines handelsüblichen Asthma-Sprays den Verlauf einer Covid-19 Erkrankung positiv beeinflussen kann.

Aufgenommen wurden 146 über 18-jährige Patienten, die im Mittel seit drei Tagen (höchstens seit 7 Tagen) unter relativ milden Covid-19-typischen Symptomen litten. Die meisten Patienten klagten über Husten, Fieber, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns – keiner der Teilnehmer war aber zu diesem Zeitpunkt so schwer krank, dass er deswegen stationär aufgenommen werden musste.

Die Patienten wurden in zwei Gruppen randomisiert. Die eine sollte zweimal täglich das Asthma-Spray (à 800 µg Budesonid) anwenden, die andere erhielt die übliche Behandlung ohne das Spray. Das Spray wurde im Mittel über sieben Tage angewandt.

Risiko für schweren Verlauf um 90 % reduziert

Primärer Endpunkt war der Besuch der Notaufnahme mit anschließender stationärer Versorgung. Dies wurde nur bei einer Person in der Budesonid-Gruppe notwendig – im Vergleich zu zehn Patienten in der Kontrollgruppe. Dies entsprach einer relativen Risikoreduktion um 90 %, die Number needed to treat (NNT) betrug 7,63.  

Auch bei den sekundären Endpunkten schnitt die Verwendung des Asthma-Sprays besser ab: Die Patienten erholten sich nach eigener Aussage einen Tag schneller vollständig von den Symptomen. 14 Tage nach Symptombeginn klagten in der Budesonid-Gruppe noch 10 % über Symptome – in der Kontrollgruppe 30 %. Außerdem litten die Patienten bei Verwendung des Sprays weniger unter Fieber (2,1 vs. 7,0 % der Tage in den ersten 14 Tage), das Fieber ging schneller zurück und es wurden weniger Antipyretika benötigt. Der Anteil der Tage mit einer Sauerstoffsättigung von unter 94 % wurde von 22 auf 19 % reduziert.

Größere Placebo-kontrollierte Studien notwendig

Auch wenn die Ergebnisse vielversprechend sind, lässt sich daraus noch keine allgemeine Empfehlung ableiten, so die Autoren. Dafür wären größere Placebo-kontrollierte Studien notwendig.

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