23. September 2020

Ab Oktober 2020

Coronavirus-Sonderregelungen im Überblick

Auch mit Beginn des Oktobers behalten zahlreiche Sonderregelungen aufgrund der Coronavirus-Epidemie in der ambulanten Versorgung ihre Gültigkeit, andere laufen Ende September aus. Wir geben einen kurzen Überblick.

Lesedauer: 3 Minuten

Quelle: Kassenärztliche Bundesvereinigung, Redaktion: Dr. Nina Mörsch

Diese Sonderregelungen werden verlängert:

  • Ab Oktober können Vertragsärzte Antigene des SARS-CoV-2-Virus auf Kassenkosten im Labor detektieren lassen. Dafür wird die GOP 32779 in den EBM aufgenommen. Das hat der Bewertungsausschuss am 29. September beschlossen.

    Konkret geht es um den “Nachweis von Virus-Antigenen aus einem Körpermaterial (Direktnachweis) mittels Immunfluoreszenz und/oder mittels Immunoassay mit photometrischer oder gleichwertiger Messung”.

    Schnelltests mit vorgefertigten Reagenzträgern oder Reagenzzubereitungen sind hingegen nicht berechnungsfähig.

    Die GOP 32779 ist nur von Fachärzten für Laboratoriumsmedizin oder für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie berechnungsfähig.

  • Die Empfehlung, für die Zeit vom 01.10.2020 bis zum Jahresende die „A245“ anzuwenden, wurde allerdings vom ursprünglich 2,3-fachen auf den 1,0-fachen GOÄ-Satz reduziert und beträgt jetzt noch 6,41€. 

    Die Hygienepauschale gilt pro persönlichem Arzt-Patientenkontakt und ist für Ärzte, deren Aufwand für Hygienemaßnahmen pro Patient und direktem Kontakt unter den 6,41€ liegt, positiv zu sehen. 

    Die BÄK hat diese Lösung mit dem PKV-Verband und den Trägern der Beihilfe ausgehandelt. Es handelt sich um eine Empfehlung, die nicht den Charakter einer geänderten GOÄ hat.

    Deshalb ist es Ärzten, deren Hygieneaufwand pro Arzt-Patientenkontakt höher liegt unbenommen, stattdessen ihre Mehrkosten als Auslagen entsprechend § 10 GOÄ geltend zu machen. Dann kann allerdings Ziffer „A245“ nicht gleichzeitig angesetzt werden. 

    Gleiches gilt für die erbrachten GOÄ-Positionen selbst: Ein über dem 2,3-fachen Satz liegender Faktor kann nicht mit dem Hygieneaufwand begründet werden, wenn zugleich „A245“ für dieselbe Arzt-Patientenbegegnung auf der Rechnung steht. Hier bleibt es bei einem deutlichen „Entweder – Oder“. Selbstverständlich gilt aber, dass alle anderen Kriterien für den Ansatz einer höheren Gebühr  nach § 5 GOÄ weiterhin gelten. 

  • Alle ärztlichen Leistungen, die aufgrund des klinischen Verdachts auf eine Infektion oder einer nachgewiesenen Infektion erforderlich sind, werden seit 1. Februar in voller Höhe extrabudgetär bezahlt. Auf die Vergütungsvereinbarung hat sich die KBV mit dem GKV-Spitzenverband geeinigt. Die Leistungen sind entsprechend zu kennzeichnen mit der Ziffer 88240.

  • Ärzte und Psychotherapeuten können unbegrenzt Videosprechstunden anbieten, die Beschränkungen für deren Einsatz für einen befristeten Zeitraum ist aufgehoben. Damit sind Fallzahl und Leistungsmenge nicht limitiert. Die Videosprechstunde ist bei allen Indikationen möglich und auch dann, wenn der Patient zuvor noch nicht bei demArzt in Behandlung war.

    Auch ärztliche und psychologische Psychotherapeutendürfen bestimmte Leistungen per Videosprechstunde durchführen und abrechnen, unter anderem Einzeltherapiesitzungen.

    medflex, der medizinische Messenger von coliquio, ist seit kurzem bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung KBV als zertifizierter Anbieter für Videosprechstunden gelistet. Alle Ziffern und Infos zur Vergütung via Messenger und Telekonsile per Video finden Sie unter www.medflex.de/verguetung. Als coliquio-Mitglied können Sie medflex kostenfrei nutzen.

  • Zum Start der Corona-Warn-App wurden neue Leistungen in den EBM aufgenommen, um den Abstrich und die Laboruntersuchung zu vergüten. Ärzte können sie bei Versicherten abrechnen, die nach einem Warnhinweis der App für einen Test in die Praxis kommen. Mehr dazu lesen Sie im Beitrag Corona-Warn-App – EBM-Ziffern für die Abklärung.

  • Eine Heilmitteltherapie muss erst innerhalb von 28 Tagen nach Verordnungsdatum beginnen, regulär sind es14 Tage. Damit soll einem in den Praxen möglicherweise bestehenden Terminstau bei Heilmittelbehandlungen, die bedingt durch die Corona-Pandemie nicht begonnen werden konnten, entgegengewirkt werden.

  • Die funktionelle Entwicklungstherapie von Kindern und Jugendlichen während der Corona-Krise kann vorerst auch per Video erfolgen.

    Die Leistung (Gebührenordnungsposition 14223) beinhaltet videogestützte Maßnahmen einer funktionellen Entwicklungstherapie durch qualifizierte nichtärztliche Mitarbeiter gemäß der Sozialpsychiatrie-Vereinbarung (SPV-Mitarbeiter). Sie findet als Einzelbehandlung statt und ist je vollendete 15 Minuten berechnungsfähig. Der Patient muss in den letzten vier Quartalen (einschließlich des aktuellen Quartals) mindestens einmal in der Praxis gewesen sein.

  • Um die Versorgung mit Betäubungsmitteln sicherzustellen, dürfen Betäubungsmittelrezepte (BtM-Rezepte) vorübergehend auch außerhalb von Vertretungsfällen –etwa in einer Praxisgemeinschaft –übertragen und von anderen Ärzten verwendet werden.

  • Apotheker haben während der Corona-Pandemie mehr Möglichkeiten zum Austausch von Arzneimitteln. Diese und weitere Maßnahmen sieht die SARS-CoV-2-Arzneimittelversorgungsverordnung vor, die seit 22. April 2020 in Kraft ist. Apotheker dürfen danach in Fällen, in denen das nach den gesetzlichen oder vertraglichen Vorgaben abzugebende Arzneimittel in der Apotheke nicht vorrätig ist, ein anderes wirkstoffgleiches Arzneimittel abgeben. Ist kein wirkstoffgleiches Arzneimittel vorrätig und das eigentlich abzugebende Arzneimittel auch nicht lieferbar, darf ein anderes wirkstoffgleiches Arzneimittel abgeben werden.

    Nach Rücksprache mit dem verordnenden Arzt ist auch die Abgabe eines pharmakologisch-therapeutisch vergleichbaren Arzneimittels möglich – auch wenn der verordnende Arzt den Austausch des Arzneimittels mit dem Aut-idem-Kreuz ausgeschlossen hat. Der Arzt muss hierfür keine neues Rezept ausstellen. Außerdem dürfen Apotheken ohne Rücksprache mit dem verordnenden Arzt bei der Packungsgröße, der Packungsanzahl, der Entnahme von Teilmengen aus Fertigarzneimittelpackungen und der Wirkstärke von der ärztlichen Verordnung abweichen, sofern dadurch die verordnete Gesamtmenge des Wirkstoffs nicht überschritten wird.

  • Ärzte können die Kinder-Früherkennungsuntersuchungen U6, U7, U7a, U8 sowie U9 auch durchführen und abrechnen, wenn die vorgegebenen Untersuchungszeiträume und Toleranzzeiten überschritten sind. Disese Sonderregelung gilt solange, wie der Deutsche Bundestag eine epidemische Lage von nationaler Tragweite feststellt –und bis zu drei Monate darüber hinaus.

  • Die Kassenärztlichen Vereinigungen können bestimmte Qualitätssicherungs-Maßnahmen weiterhin aussetzen oder von den Bundesvorgaben abweichen. Darüber hinausgehende Lockerungen sind in Regionen mit hohen Infektionszahlen möglich.

  • Substituierende Ärzte haben die Möglichkeit, bei der Behandlung von Opioidabhängigen von den Vorgaben der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung abzuweichen. Sie dürfen etwa mehr Patienten behandeln als bisher und können Substitutionsmittel in einer Menge verschreiben, die für bis zu sieben aufeinanderfolgende Tage benötigt wird.

    Folgerezepte können Ärzte auch ohne persönlichen Konsultation ausstellen. Sollte eine Einnahme des Medikaments unter Beobachtung von medizinischen, pharmazeutischen oder pflegerischem Personal nicht möglich sein, können Ärzte diese Aufgabe auch anderem Personal übertragen.

Ab 1. Oktober neu:

  • Rachenabstriche zum Nachweis von SARS-CoV-2 bei symptomatischen Patienten werden ab 1. Oktober extra vergütet, das meldet die Kassenärztliche Bundesvereinigung. Ärzte erhalten dann zusätzlich zur Versicherten- oder Grundpauschale acht Euro je Abstrich (GOP 02402). Neu ist zudem ein Zuschlag. Darauf hat sich die KBV mit dem GKV-Spitzenverband geeinigt.

    Die GOP 02402 für den Abstrich ist auch berechnungsfähig, so die KBV, wenn in dem Quartal keine Versicherten-, Grund-, Konsiliar- oder Notfallpauschale abgerechnet wird. Hinzu kommt ein Zuschlag (neue GOP 02403) von etwa sieben Euro, sodass der Abstrich in diesen Fällen mit 15 Euro bewertet ist.

    Auch für Personen mit Corona-Warn-App: Die neue Vergütungsregelung gilt für alle Corona-Tests, die über den EBM abgerechnet werden dürfen. Dies sind neben den Untersuchungen bei Personen mit Krankheitssymptomen auch Tests, die nach einer Warnung durch die Corona-Warn-App durchgeführt werden.

    Für jeden Patienten können nun bis zu vier Abstriche im Quartal pro Praxis gesondert abgerechnet werden.

    Die Vergütung von Corona-Tests bei asymptomatischen Personen ist gesondert geregelt. So sieht die Rechtsverordnung des Bundesgesundheitsministeriums bei Einreisenden aus Risikoländern 15 Euro je Abstrich vor.

    Wie die Abstriche im Detail abgerechnet werden kann, erläutert die KBV hier.

Ausnahmeregelungen, die so lange gelten, wie der Bundestag eine epidemische Lage von nationaler Tragweite feststellt:

  • Entlassmanagement: Verordnungen bis zu 14 Tage möglich.
  • Krankentransporte zur ambulanten Behandlung weiterhin genehmigungsfrei

Sonderregelungen, die am 30. September 2020 enden:

  • Verlängerte Nachweispflicht für Fortbildung
  • Unfallversicherung: Übergangsregelungen zur Hygienepauschale und zur Videosprechstunde
  • Ausnahmen in der Dialyseversorgung

Seit 1. Oktober in Kraft: Weitere Neuerungen für Praxisärzte
Das vierte Quartal bringt für niedergelassene Haus- und Fachärzte weitere Neuerungen unabhängig von der Coronavirus-Pandemie mit sich. Wir haben für Sie einige Änderungen im Überblick zusammengestellt.

1. Kassenärztliche Bundesvereinigung: CORONAVIRUS SARS-COV-2: KURZÜBERBLICK SONDERREGELUNGEN

Bild: © GettyImages/pcess609

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