23. April 2021

Drohende schwere Verläufe rechtzeitig erkennen

Corona-Patienten in der Hausarztpraxis

Etwa 90 % der Patienten mit Covid-19 müssen nicht stationär aufgenommen werden, sondern bleiben in der ambulanten Versorgung. Vor allem die Hausärzte sind in die Betreuung dieser Patienten eingebunden und müssen Warnzeichen rechtzeitig erkennen.1

Lesedauer: 2 Minuten

An erster Stelle steht die Entscheidung, welche Patienten überhaupt auf SARS-CoV-2 getestet werden sollen, erklärte PD. Dr. Christian Schulz von der Medizinischen Klinik und Poliklinik 2 an der LMU München. Da zurzeit Testkapazitäten ausreichend vorhanden sind, kann man hier heute großzügiger sein. Auf jeden Fall sollten Patienten mit schweren respiratorischen Symptomen (akute Bronchitis, Pneumonie, Atemnot oder Fieber) sowie diejenigen mit Störungen des Geruchs- oder Geschmackssinns getestet werden.

Hinzu kommen Menschen mit respiratorischen Symptomen aller Schweregrade, die Kontakt zu einem bestätigten Covid-19-Fall hatten, die einer Risikogruppe angehören oder von denen ein erhöhtes Ansteckungsrisiko ausgehen könnte. Die Testung von symptomatischen Patienten sollte grundsätzlich mit dem PCR-Test erfolgen – nur die reine Ausschlussdiagnose (z.B. vor einer Krankenhausaufnahme aus anderen Gründen) ist auch mit dem Schnelltest möglich.

Risikoabschätzung durch den Arzt

An zweiter Stelle steht die Einschätzung, wer ambulant in häuslicher Isolation versorgt werden kann und wer besser stationär aufgenommen wird. Ein Vorhersagemodell für einen schweren Verlauf mit zahlreichen Parametern ist zwar in Entwicklung, steht zurzeit aber noch nicht zur Verfügung. Somit ist man als Arzt auf die Berücksichtigung bekannter Risikofaktoren und nicht zuletzt auch auf sein Bauchgefühl angewiesen, sagte Dr. Schulz.

Ein besonderes Augenmerk muss man auf Patienten mit bestimmten Vorerkrankungen wie Diabetes, COPD und chronischen Lebererkrankungen richten. Patienten mit Diabetes haben ein dreifach höheres Risiko für schwere Verläufe und eine doppelt so hohe Sterblichkeit. Eine weitere wichtige Risikogruppe sind Patienten mit einer chronischen Kortikosteroidtherapie.

15 – 20 % der Patienten mit Covid-19 entwickeln gastrointestinale Symptome wie Diarrhoe, Übelkeit, Erbrechen und abdominelle Schmerzen. Auch diese Patienten scheinen ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe zu haben. Das gleich gilt für andere Organmanifestation außerhalb der Atemwege wie eine Pankreas- oder Leberbeteiligung.

Eine spezifische Medikation kann man ambulanten Covid-19-Patienten bisher nicht anbieten – die Therapie erfolgt rein symptomatisch. Noch völlig unklar ist, wie man mit dem Post- oder Long-Covid-Syndrom umgehen soll, das vermutlich in den Praxen bald eine größere Rolle spielen wird. Die gute Nachricht ist, dass auch bei diesen Patienten die Impfung sicher zu scheint und etwa 10 % der Betroffenen danach sogar eine deutliche Symptombesserung angeben.

  1. 127. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, 17. – 20. April 2021 (virtuell); 22.04.2021.

Bildquelle: © gettyImages/bogdankosanovic

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