26. Juni 2020

Covid-19

Wie zuverlässig sind Antikörpertests?

Ein systematischer Review von Cochrane zeigt, dass Antikörpertests helfen könnten um festzustellen, ob jemand Covid-19 hatte. Dabei ist jedoch das Timing wichtig.1

Lesedauer: 2 Minuten

Forschungsstand von Ende April 2020

Der Review fasst die bis Ende April 2020 verfügbaren Forschungsergebnisse zusammen, um festzustellen, ob Antikörpertests:

  • … genau genug sind, um eine Infektion mit SARS-CoV-2 bei Menschen mit oder ohne Symptomen von Covid-19 zu diagnostizieren, und…
  • … verwendet werden können, um herauszufinden, ob jemand bereits Covid-19 hatte.

  • Cochrane-Forscher aus aller Welt unter der Leitung von Experten der Universität Birmingham durchsuchten die zum Stand Ende April verfügbaren rund 11.000 Publikationen zu Covid-19, um Studien zu Antikörpertests bei Menschen zu finden, von denen bekannt war, dass sie Covid-19 haben (oder hatten).

    Ebenfalls relevant waren entsprechende Studien bei Menschen von denen bekannt war, dass sie Covid-19 noch nicht gehabt hatten. Sie fanden insgesamt 54 relevante Studien mit Testergebnissen für fast 16.000 Blutproben. Die meisten Studien stammten aus China und wurden bei Menschen durchgeführt, die in ein Krankenhaus eingeliefert worden waren und wahrscheinlich an einer schweren Form der Krankheit litten.

    Noch nicht in der Datenbasis des Reviews enthalten sind wegen des Stichtags für die Literatursuche (27. April) Studien zu den momentan viel diskutierten Antikörpertests der Hersteller Roche und Abbott. Diese sollen in das bereits in Arbeit befindliche erste Update des Reviews eingehen.

    Die Studien untersuchten drei Arten von Antikörpern, IgA, IgG und IgM. Die meisten Tests maßen sowohl IgG als auch IgM, aber einige maßen nur einen einzelnen Antikörper-Typ oder Kombinationen der drei Typen. Daten lagen nur für 27 Antikörper-Tests vor, ein Bruchteil der mehr als 200 auf dem Markt erhältlichen Tests.

    Daten lagen sowohl für Labortests vor, bei denen Blutproben aus den Venen entnommen werden müssen, als auch für Point-of-Care-Tests, bei denen Blutproben durch einen Nadelstich in die Fingerkuppe gewonnen werden können. Die Daten reichten nicht aus, um die Genauigkeit einzelner Test-Kits miteinander zu vergleichen. Die Autoren werden diese Übersicht in den nächsten Monaten weiter aktualisieren, um eine vollständigere Zusammenfassung der dann vorliegenden Forschungsergebnisse zu liefern.

Als frühe Marker ungeeignet

Die Forscher fanden heraus, dass die Sensitivität eines Antikörpertests sehr eng mit dem Zeitpunkt der Durchführung des Tests zusammenhängt.

Tests der IgG- und IgM-Antikörper 8 bis 14 Tage nach Beginn der Symptome identifizierten korrekterweise nur 70% der Personen, die Covid-19 hatten. Betrachteten die Forscher jedoch Daten von Tests, die zwischen 15 und 35 Tagen nach dem ersten Auftreten der Symptome durchgeführt wurden, so konnten über 90% der Personen mit Covid-19 korrekt identifiziert werden.

Es gibt noch nicht genügend Studien, um die Sensitivität von Antikörpertests für Zeiträume länger als 35 Tage nach Beginn der Symptome abzuschätzen. Mit den Tests wurde Covid-19 nur bei 1% bis 2% der Menschen ohne Covid-19 falsch positiv diagnostiziert.

Die im Review berücksichtigten Studien zeigten, dass Antikörpertests eine Rolle bei der Diagnose von Covid-19 bei Patienten spielen können, die seit zwei oder mehr Wochen Covid-19-Symptome aufweisen, aber keinen Abstrich (PCR) gemacht haben oder trotz Covid-19-ähnlicher Symptome negativ getestet wurden.

Unklarer Nutzen bei milder oder fehlender Symptomatik

Professor Jon Deeks, Professor für Biostatistik und Leiter der Forschungsgruppe für Testauswertung an der Universität Birmingham, erklärt: „Die Daten stammen fast alle von hospitalisierten Patienten, so dass wir nicht genau wissen, wie genau sie Covid-19 bei Menschen mit leichten oder keinen Symptomen oder mehr als fünf Wochen nach dem Auftreten der Symptome identifizieren.“

Vertrauenswürdigkeit mancher Studien fraglich

Die Forscher hatten auch Bedenken hinsichtlich der Vertrauenswürdigkeit der von ihnen gefundenen Studien. Die Studien waren klein und gaben ihre Ergebnisse oft nicht vollständig wieder. Viele Arbeiten enthielten mehrere Proben von denselben Patienten. Mehr als die Hälfte der Studien wurde der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt, bevor sie einem Peer-Review unterzogen worden waren (sogenannte „Preprints“). In einer wichtigen britischen Studie erlaubten die Hersteller die Identifizierung der ausgewerteten Tests nicht.

  1. Pressemitteilung, idw, 25.06.2020

Bildquelle: © Getty Images/ Kameleon007

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