07. Januar 2022

Führen Autoantikörper nach SARS-CoV-2-Infektion zu Long-Covid?

Die Infektion mit SARS-CoV-2 kann möglicherweise bei Frauen und Männern in unterschiedlicher Weise zu einer langanhaltenden Bildung von Autoantikörpern führen, was ein pathophysiologischer Link zu Long-Covid-Symptomen sein könnte.1

Autorin: Maria Weiß  

Die Arbeitsgruppe von Yunxian Liu von der Abteilung für Kardiologie am Smidt Heart Institute, Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles, USA untersuchte bei 177 Personen (65 % Frauen, mittleres Alter 35 Jahre) mit einer vorangegangenen bestätigten SAR-CoV-2-Infektion die Autoantikörper (AAB)-Reaktivität auf 91 Antigene, die bei bekannten Autoimmunerkrankungen eine Rolle spielen. Als Kontrollgruppe wurden 53 Gesunde aus der Zeit vor der Pandemie herangezogen.

Nach einer asymptomatischen SARS-CoV-2-Infektion war die AAB-Reaktivität bei den Frauen deutlich ausgeprägter als bei den Männern, was mit der Beobachtung übereinstimmen würde, dass Frauen häufiger Autoimmunerkrankungen entwickeln. Nach einer mindestens moderat symptomatischen Infektion waren Breite und Ausmaß der AAB-Antwort aber bei Männern am stärksten ausgeprägt.

Bei beiden Geschlechtern ließen sich über sechs Monate nach der Corona-Infektion noch Autoantikörper im Blut nachweisen. Die Art der AABs unterschied sich dabei zwischen den Geschlechtern. Bei Frauen mit asymptomatischer Infektion zeigten sich gehäuft AABs gegen Zytokin- und Chemokin-Antigene (IL6 and CSF2), die an der Immunabwehr beteiligt sind, sowie gegen lungenspezifische Proteine. Asymptomatische Männer dagegen wiesen häufiger AABs auf, wie man sie von klassischen Autoimmunerkrankungen wie M. Basedow, Hashimoto-Thyreoiditis oder Sklerodermie kennt. Bei Männern mit symptomatischer Infektion zeigten sich gehäuft die klassischen nuklearen AABs, wie sie bei vielen rheumatischen Erkrankungen auftreten. Eine ganze Reihe von Autoantigenen zeigte eine molekulare Homologie zu Bestandteilen von SARS-CoV-2.

Die AAB-Reaktivität könnte nach Meinung der Autoren möglicherweise einen Teil der Long-COVID-Symptome erklären. Hier sind weitere Forschungen erforderlich, um möglicherweise auch therapeutische Strategien zu entwickeln.   

  1. Liu, Y et al; Paradoxical sex-specific patterns of autoantibody response to SARS-CoV-2 infection. J Transl Med  (2021); 19, 524; https://doi.org/10.1186/s12967-021-03184-8

Bild: © GettyImages/Dzmitry Dzemidovich

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