2 Jahre Covid-19 in Deutschland – was bisher geschah
Der erste bestätigte Fall einer SARS-CoV-2-Infektion in Deutschland jährt sich bereits zum zweiten Mal. Mittlerweile sind rund 8 Millionen Fälle registriert und mehr als 115.000 Infizierte gestorben. Wir blicken zurück auf Lockdowns, verschobene Operationen, Impstoffe und Virusvarianten.1
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Redaktion: Marc Fröhling, Dr. Linda Fischer
Erste bestätigte Infektion, Todesfälle & Lockdown

Am 27. Januar 2020 wird die erste SARS-CoV-2-Infektion in Deutschland bestätigt. Es handelt sich um einen Mitarbeiter des Autozulieferers Webasto in Stockhof bei München. Zwei Wochen später ist er wieder gesund. Rund einen Monat später werden in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen die ersten nachgewiesenen Fälle gemeldet. Weitere Bundesländer folgen, am 10. März hat Sachsen-Anhalt als letztes Land seinen ersten Fall. Am 9. März werden in NRW die ersten Todesfälle innerhalb Deutschlands gemeldet. Bereits zu diesem Zeitpunkt zeichnet sich ab, dass die Versorgungskapazitäten in Deutschlands Kliniken bei steigender Zahl schwer erkrankter Covid-19-Fälle knapp werden könnten.
Eine Woche später gibt es Grenzkontrollen zu Nachbarländern und Einreiseverbote, Schulen und Kitas werden geschlossen. Immer häufiger werden auch jüngere Menschen intensivpflichtig. Vielerorts gehen ärztlichem Personal die Schutzmasken aus. Am 22. März werden schließlich Ansammlungen von mehr als zwei Menschen verboten. Ausgenommen sind lediglich Angehörige, die im eigenen Haushalt leben. In Laboren wird rund um die Uhr gearbeitet, um möglichst viele Menschen auf das Virus testen zu können.
Lockerungen, erneut steigende Zahlen & Durchhalteparolen

Im April 2020 wird zunächst in Sachsen die Maskenpflicht für den öffentlichen Personennahverkehr und den Einzelhandel eingeführt, andere Bundesländer ziehen nach. Mitte April verständigen sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Länderchefs auf eine schrittweise Wiederaufnahme des Schulbetriebs ab Mai 2020. Die Länder bekommen außerdem ab dem 6. Mai weitgehende Verantwortung, um Beschränkungen zu lockern – etwa für Hotels, Gastronomie, Geschäfte, Fahrschulen, Schwimmbäder und Fitnessstudios.
Trotz der Lockerungen bleibt für viele Kliniken und Arztpraxen ein Problem: Aus Angst vor einer Ansteckung sind viele Patientinnen und Patienten zurückhaltend mit der Inanspruchnahme medizinischer Hilfe. Nach Angaben der Deutschen Krebshilfe haben allein ein Viertel aller Krebsoperationen im Zeitfenster bis Juni nicht stattgefunden.
Ab August beginnen bundesweit die Infektionszahlen wieder zu steigen. Zugleich setzt aber bei manchen Personen Überdruss ein. So protestieren am 29. August etwa 40.000 Menschen in Berlin gegen die Maßnahmen. Demonstranten durchbrechen die Absperrung vor dem Reichstag und stürmen auf die Treppe. Angesichts weiter ansteigender Infektionszahlen fordert Merkel am Ende September zum Durchhalten auf: „Wir riskieren gerade alles, was wir in den letzten Monaten erreicht haben.“
Teillockdown, erste Impfungen & Alpha-Variante

Ende Oktober 2020 warnt die Intensivmedizin vor einer Überlastung von Kliniken angesichts der steigenden Zahl schwerer Covid-19-Fälle. Abermals müssen planbare Eingriffe verschoben werden, beispielsweise von Herz- und Tumorkranken. Am 2. November tritt schließlich ein Teil-Lockdown mit Einschränkungen bei Kontakten und Freizeitaktivitäten in Kraft, um so die zweite Infektionswelle zu durchbrechen. Bundestag und Bundesrat machen unterdessen unter dem Protest Tausender in Berlin den Weg für Änderungen im Infektionsschutzgesetz frei.
Für gute Nachrichten sorgt hingegen die Impfstoffentwicklung: Am 21. Dezember erhält das Vakzin von Biontech/Pfizer die bedingte Marktzulassung in der EU, wenige Tage später folgt das Präparat von Moderna – die Impfungen können beginnen. In Deutschland starten alle Bundesländer damit am 27. Dezember. Zuerst sollen Menschen über 80, Pflegeheimbewohner sowie Pflegekräfte und besonders gefährdetes Krankenhauspersonal immunisiert werden. Jedoch zeichnet sich bereits Ende 2020 ein weiteres Problem ab: Am 24. Dezember wird auch in Deutschland die zuerst in Großbritannien festgestellte Alpha-Variante nachgewiesen, die im Vergleich zum Wildtyp von SARS-CoV-2 zu schwereren Krankheitsverläufen führt und leichter übertragbar ist.
Zwei neue Impfstoffe & Arztpraxen impfen mit

Am 29. Januar 2021 wird der dritte Covid-19-Impfstoff von der EU zugelassen: Der Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca (Vaxzevria®) ist zur aktiven Immunisierung zunächst ab 18 Jahren zugelassen. Im März empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) den Vektor-Impfstoff jedoch aufgrund eines erhöhten Risikos für Thrombozytopenie und Gerinnungsstörungen nur noch für Personen ab 60 Jahren.
Einen guten Monat später stellt der Bundestag im März erneut eine „Epidemische Lage von nationaler Tragweite“ fest. Diese erlaubt der Regierung, ohne Zustimmung des Parlaments Verordnungen zu erlassen. Erstmals war die „Epidemische Lage“ im März 2020 festgestellt worden. Ebenfalls im März: Die EU-Kommission genehmigt die vektorbasierte Covid-19 Vaccine Janssen Ad26.COV2.S des US-Herstellers Johnson & Johnson. Auch diesen Impfstoff empfiehlt die Stiko später nur noch für die Altersgruppe ab 60.
Um schneller und flexibler beim Impfen zu werden, beschließen Bund und Länder in einem Impfgespräch am 19. März, dass sich Arztpraxen ab der Woche nach Ostern, neben den regionalen Impfzentren, an Corona-Impfungen beteiligen sollen. Im April beschließt der Bundestag eine Bundes-Notbremse gegen die weitere Ausbreitung der dritten Corona-Welle. Mit der entsprechenden Änderung des Infektionsschutzgesetzes rücken somit wieder nächtliche Ausgangsbeschränkungen und weitere Schritte zur Vermeidung von Kontakten näher. Außerdem erreicht die Virusvariante Delta Ende April 2021 Deutschland – eine nochmal deutlich ansteckendere Variante als Alpha.
Impfpriorisierung endet & Impfung für 12 bis 17-Jährige

Ab Montag, den 7. Juni 2021 fällt die Impfpriorisierung: Jede impfwillige Person ab zwölf Jahren kann sich somit nun unabhängig von der Prioritätenliste in Deutschland gegen Corona impfen lassen. Allerdings muss sich die impfberechtigte Bevölkerung vorerst weiterhin in Geduld üben, da nicht sofort ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht.
Mitte Juni, etwa ein halbes Jahr nach Start der Impfkampagne in Deutschland, hat rund die Hälfte der Bevölkerung mindestens eine erste Impfdosis erhalten. Laut Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) vom 08. Juli dominiert die hochansteckende Delta-Variante mittlerweile in Deutschland. Außerdem sind laut RKI bis zu diesem Zeitpunkt knapp 4000 Menschen in Deutschland trotz vollständigem Impfschutz an Covid-19 erkrankt – bei rund 975.000 registrierten Corona-Erkrankungen insgesamt im selben Zeitraum. Das RKI bewertet die Effektivität der Impfung auch aufgrund dieser Werte als hoch, ohne nach Impfstoffen zu differenzieren.
Mitte August aktualisiert die Stiko ihre Covid-19-Impfempfehlung und spricht eine Empfehlung der Corona-Impfung auch für Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren aus.
Kinder-Impfung, Omikron-Variante & 5. Impfstoff zugelassen

Ab September 2021 sollen sich Maßnahmen gegen die Pandemie vor allem an der Zahl der Krankenhausaufnahmen orientieren, beschließt der Bundestag. Bisheriger Maßstab waren die Infektionszahlen. Außerdem: Am 24. November tritt das neue Infektionsschutzgesetz in Kraft. In Praxen und anderen Gesundheitseinrichtungen müssen Arbeitgeber, Beschäftigte und Besucher von nun an einen tagesaktuellen Antigentest vorlegen – unabhängig vom Impfstatus. Patientinnen und Patienten sind davon ausgenommen.
Auch Ende November: Die europäische Arzneimittelbehörde (EMA) gibt dem Impfstoff von Pfizer/Biontech für Kinder ab fünf Jahren grünes Licht. Es ist der erste in der EU zugelassene Corona-Impfstoff für diese Altersklasse. Zeitgleich sorgt eine neuartige Coronavirus-Variante aus Südafrika international für Alarmstimmung. Die Variante B.1.1.529 verbreitet sich mit hoher Geschwindigkeit. Die sogenannte Omikron-Variante wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „besorgniserregend“ eingestuft.
Anfang Dezember verschärfen Bund und Länder wieder die Regeln, um die vierte Welle zu brechen. Bundestag und Bundesrat beschließen ein überarbeitetes Infektionsschutzgesetz: Auch Apotheker, Zahn- und Tierärzte sollen nun gegen Corona impfen können. Im Gesundheitsbereich soll es ab März 2022 eine Impfpflicht geben. Am 20. Dezember macht die EMA den Weg für die Zulassung des Impfstoffs Nuvaxovid (NVX-CoV2373) des US-Herstellers Novavax in der EU frei. Es handelt sich um den ersten proteinbasierten Impfstoff für diese Indikation und den fünften Corona-Impfstoff in der EU.
Gegen die Omikron-Variante gelten Auffrischimpfungen als immens wichtig. Ohne Booster sind EU-Impfzertifikate künftig neun Monate nach der Grundimmunisierung gegen das Virus ungültig. Die Entscheidung soll am 1. Februar in Kraft treten. Zum Jahresende muss der Bundestag Vorkehrungen zum Schutz von Menschen mit Behinderungen im Fall einer sogenannten Triage treffen, verkündet das Bundesverfassungsgericht.
Personalausfälle, mildere Verläufe & Omikron-Höhepunkt

Gut ein Jahr nach dem Start der Kampagne sind bis zum 4. Januar 2022 in Deutschland 150 Millionen Impfungen verabreicht worden. Laut Daten des RKI dominiert zu Jahresbeginn bereits die Omikron-Variante das Infektionsgeschehen. Um sich gegen die herannahende Welle zu wappnen, beschließen Bund und Länder unter anderem verschärfte Zugangsregeln für die Gastronomie und gelockerte Quarantäne-Regeln. Dennoch steigen die Infektionszahlen im Januar weiter an: Am 19. Januar hat die Zahl der binnen eines Tages übermittelten Neuinfektionen erstmals die Schwelle von 100.000 überschritten.
Trotz dieses Trends ist die Zahl der Patientinnen und Patienten auf den Intensivstationen nach Angaben der Deutschen Vereinigung für Intensivmedizin (DIVI) von rund 5.000 in der ersten Dezemberhälfte auf 2.664 Mitte Januar zurückgegangen. Auch die Zahl der gemeldeten Covid-19-Todesfälle ist in den letzten Tagen zurückgegangen. Aus einer Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts geht jedoch hervor, dass es aktuell in drei Viertel der deutschen Krankenhäuser zu höheren Personalausfällen in patientennahen Bereichen als um diese Jahreszeit üblich kommt. Die Ausfälle sind laut der Deutschen Krankenhausgesellschaft auf Omikron-Infektionen bei Krankenhausmitarbeitern zurückzuführen.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach geht nach weiteren Bund-Ländergesprächen am 24. Januar davon aus, dass der Höhepunkt der Omikron-Welle in Deutschland Mitte Februar erreicht sein dürfte. Er befürchtet zudem, dass in den Krankenhäusern vor allem die Normalstationen stark gefordert sein werden, weil Omikron-Infektionen oft milder verlaufen als Ansteckungen mit der Delta-Variante. Erst bei sinkenden Infektionszahlen sei die Zeit für Lockerungen gekommen.

