14. Mai 2021

VITT nach Corona-Impfung

Mit Bivalirudin Sinusthrombose auflösen

In seltenen Fällen kann es nach der COVID-19-Impfung mit Adenovirus-basierten Vakzinen zu einer impfstoffinduzierten immunen thrombotischen Thrombozytopenie (VITT) kommen, die schlimmstenfalls zu einer zerebralen venösen Sinusthrombose führt. Der Versuch, das Gerinnsel mit Heparin aufzulösen, wäre hier grundverkehrt. US-Mediziner berichten in den „Annals of Emergency Medicine“ von guten Erfahrungen mit dem Thrombininhibitor Bivalirudin.1

Lesedauer: 2 Minuten

Autorin: Maria Weiß

Von der Pathogenese her ähnelt die VITT der heparininduzierten Thrombozytopenie (HIT). Autoantikörper bilden hierbei Komplexe mit dem Plättchenfaktor 4 (PF4), was zu einer Thrombozytopenie bei gleichzeitig erhöhter Thromboseneigung führt. Von einer Therapie der VITT mit Heparinen wird dringend abgeraten, da es zu einer Kreuzimmunität mit weiterer PPF-Komplex-Bildung kommen könnte. Es müssen daher alternative Antikoagulanzien zum Einsatz kommen.

US-Mediziner von der University of Colorado School of Medicine in Aurora, USA, berichten von einer 40-jährigen Patientin, die fünf Tage nach der Impfung mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson Symptome wie Kopf-, Muskel und Halsschmerzen entwickelte. Nach 12 Tagen fielen dann auch Petechien im Gesicht und am Oberkörper, ein D-Dimer-Anstieg und eine Thrombozytopenie auf. Im CT zeigte sich eine ausgedehnte Thrombose im linken Sinus transversus und Sinus sigmoideus. Außerdem konnten PF4-Antikörper nachgewiesen werden.

Rasches Ansprechen auf Bivalirudin

In dieser Situation entschieden sich die Kollegen für die Gabe des direkten Thrombininhibitors Bivalirudin, der eine kurze Halbwertzeit aufweist und normalerweise zur Prävention von Stentthrombosen nach perkutanen Koronarinterventionen eingesetzt wird. Zusätzlich erhielt die Patientin intravenöse Immunglobuline und Prednison zur Unterdrückung der Immunreaktionen und schnellenden Erholung der Thrombozytenzahl.

Unter dieser Therapie kam es innerhalb weniger Tage zu einem Anstieg der Thrombozyten und einem Rückgang der D-Dimere. Nach sechs Tage konnte sie entlassen werden. Die Kopfschmerzen bildeten sich vollständig zurück und bestehen keine Anzeichen auf Thrombosen oder bleibende Schäden.

Nach Aussage der Autoren ist Bivalirudin somit in der Lage, frische Thromben in den Sinusvenen rasch zu beseitigen. Wichtig wäre dann die frühzeitige Diagnose bei Verdacht auf diese seltene Impfkomplikation.

1. Richard Todd Clark et al; Early Outcomes of Bivalirudin Therapy for Thrombotic Thrombocytopenia and Cerebral Venous Sinus Thrombosis after Ad26.COV2.S Vaccination: A Case Report; Ann Emerg Med (2021); doi: https://doi.org/10.1016/j.annemergmed.2021.04.035

Bild: © Getty Images/Rost-9D

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