27. August 2021

Teil 2

Was Forschende über Long-Covid wissen: Symptome, Häufigkeit, Risikofaktoren und Therapien

Zu den häufigsten Symptomen von Long-Covid gehören Fatigue, Dyspnoe und kardiovaskuläre Anzeichen. Die Übersichtsarbeit im BMJ zeigt dazu mögliche Krankheitsmechanismen und Behandlungsoptionen auf. 1

Lesedauer: 3 Minuten

Symptom Fatigue

Bei Long-Covid ist anhaltende Müdigkeit eines der am häufigsten berichteten Symptome. Das ONS schätzt die 5-Wochen-Prävalenz auf 11,9%. Anhaltende Müdigkeit tritt dabei unabhängig vom Schweregrad der akuten Phase von Covid-19 auf. Eine Querschnittsstudie ergab, dass 92,9% der hospitalisierten Covid-19-Patienten und 93,5% der nicht hospitalisierten Covid-19-Erkrankten 79 Tage nach Krankheitsbeginn über Fatigue berichten.

Mögliche Krankheitsmechanismen: Chronische Müdigkeit nach einer Virusinfektion kann das Ergebnis einer Fehlkommunikation in den Entzündungsreaktionswegen sein. Eine Querschnittsstudie fand jedoch keinen Zusammenhang zwischen proinflammatorischen Markern und langanhaltender Müdigkeit bei Covid-19-Erkrankten mit Fatigue. Vermutet wird, dass eine Reihe von zentralen, peripheren und psychologischen Faktoren bei der Entwicklung von Fatigue nach Covid-19 eine Rolle spielen.

Behandlung: Das NICE empfiehlt, bei der Therapie auf Selbstmanagement und supportive Therapien zu setzen, da kaum spezifische Covid-19-Therapien zur Verfügung stehen. Studien haben gezeigt, dass die kognitive Verhaltenstherapie bei der Behandlung von Fatigue von Nutzen sein kann.

Eine Neuanalyse eines Cochrane-Reviews gelangt allerdings zu einer anderen Einschätzung. Eine weitere Bewältigungsstrategie ist das Pacing, bei dem die Patienten Aufgaben und Aktivitäten so steuern, dass sie sich nicht überanstrengen und dadurch die Müdigkeit verschlimmern. Belege aus randomisierten kontrollierten Studien zum Einsatz von Pacing bei Long-Covid stehen aber noch aus.

Symptom Dyspnoe

Menschen mit Long-Covid leiden häufig auch unter Kurzatmigkeit. Nach Schätzungen des ONS liegt die Prävalenz 5 Wochen nach einer Covid-19-Infektion bei 4,6% – unabhängig vom Vorhandensein akuter respiratorischer Symptome oder dem Schweregrad der Erkrankung.

In mehreren Studien wurde festgestellt, dass Dyspnoe eine häufige Manifestation nach einer Covid-19-Infektion ist. Eine weitere Studie, konnte zeigen, dass 43,4% der 143 untersuchten Patienten noch 60 Tage nach Beginn der Erkrankung unter Dyspnoe litten.

Mögliche Krankheitsmechanismen: Die akute Erkrankung kann nach einer NEJM-Studie Lunge und Atemwege durch die Replikation von SARS-CoV-2 in den Endothelzellen erheblich schädigen, das geschädigte Endothel kann intensive Immun- und Entzündungsreaktion hervorrufen. Die meisten Personen, die nach Covid-19 langfristige Atembeschwerden entwickeln, haben jedoch keine Anzeichen einer dauerhaften oder lang anhaltenden Lungenschädigung. Wahrscheinlich neigen jedoch nur Personen mit einem hohen Risiko für die Entstehung von Atembeschwerden, einschließlich älterer Menschen, Personen mit akutem Atemnot-Syndrom, Personen mit längeren Krankenhaus-Aufenthalten und Personen mit vorbestehenden Lungenanomalien, laut einer Studie dazu, fibrotische Veränderungen im Lungengewebe zu entwickeln.

Behandlung: Das NICE empfiehlt, den Schweregrad der Dyspnoe mit Belastungstests zu untersuchen und diese multidisziplinär zu behandeln. Auf Rauchen sollte verzichtet, Schadstoffe und extreme Temperaturen sollten vermieden werden. Empfohlen wird, erkrankten Personen, deren Atemwegsbeschwerden mindestens 12 Wochen nach der Infektion anhalten, eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs anzubieten.

Zu den anerkannten nicht-pharmakologischen Strategien zur Bewältigung von Dyspnoe gehören Atemübungen und pulmonale Rehabilitation. In einer systematischen Übersichtsarbeit wurde festgestellt, dass orale Opioide zur Behandlung von Dyspnoe eingesetzt werden können.

Kardiovaskuläre Anzeichen

Bei Erkrankten, die mit einer akuten Covid-19-Infektion ins Krankenhaus eingeliefert werden, sind eine Schädigung des Myokards sowie erhöhte Troponin-Werte mit einem signifikant erhöhten Sterberisiko verbunden. Eine Kohortenstudie zeigte bei vielen Covid-19-Patienten noch 71 Tage nach Diagnose eine kardiale Beteiligung mit anhaltender Herzmuskelentzündung und erhöhten Serumtroponin-Werten.

In einer großen italienische Fallserie konnte gezeigt werden, dass Brustschmerzen, die möglicherweise auf eine Myokarditis zurückzuführen waren, bei Patienten 60 Tage nach Beginn der Covid-19-Symptome noch häufig waren. Und MRT-Untersuchungen an 26 jungen Leistungssportlern zeigten, dass sich auch noch lange nach ihrer Genesung von Covid-19 Entzündungsherde im Myocard fanden.

Mögliche Krankheitsmechanismen: ACE2-Rezeptoren werden in hohem Maße im Herzen exprimiert, stellen also eine direkten Infektionsweg für SARS-CoV-2 im Myokard dar. Studien haben gezeigt, dass es in mit SARS-CoV-2 infizierten Kardiomyozyten zur Zerstörung und Fragmentierung der Sarkomere, zur Enukleation, zu Transkriptionsveränderungen und zu einer intensiven lokalen Immunantwort kommt.

Behandlung: Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie hat einen umfangreichen Leitfaden erstellt. Den vielen kardiovaskulären Erkrankungen, die sich bei Long-Covid manifestieren können, steht ein breites Spektrum potenzieller therapeutischer Optionen gegenüber – die Beobachtung kardialer Biomarker ist deshalb wichtig. In den NICE-Leitlinien werden Betablocker für verschiedene Herzbeschwerden empfohlen, darunter bei Angina pectoris, Herzrhythmusstörungen und akutem Koronarsyndrom.

Zu den Symptomen gehören Kognitionsstörungen, olfaktorische und gustatorische Funktionsstörungen und weitere häufig gemeldete Manifestationen. Die Übersichtsarbeit im BMJ zeigt dazu mögliche Krankheitsmechanismen und Behandlungsoptionen auf. Jetzt mehr lesen >>

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