04. Juni 2021

Probleme im Zellkern: Neue Hypothese zur Thromboseentstehung bei Vektor-Impfstoffen

Unter den Vektor-Impfstoffen von Astrazeneca und Johnson & Johnson besteht bekanntlich ein leicht erhöhtes Risiko für ansonsten sehr seltene zerebrale venöse Sinusvenenthrombosen und Thrombosen in anderen Stromgebieten. Forscher der Universitäten von Frankfurt am Main und Ulm sind jetzt einer möglichen Ursache auf die Spur gekommen. 1

Lesedauer: 2 Minuten

Redaktion: Maria Weiß

Zu der Komplikation kommt es in der Regel 4 – 14 Tage nach der ersten Impfung. Die bisherige Hypothese zur Ursache bezog sich vor allem auf die Assoziation mit einer Immuninduzierten Thrombozytopenie, wie man sie auch von der Heparin-induzierten Thrombozytopenie (HIT) kennt.  

Es gibt aber auch noch andere Erklärungsmöglichkeiten. Das Ziel all dieser Impfstoffe ist gleich: Die mRNA wird in der Zelle als Bauplan genutzt, um Spikeproteine der Corona-Viren herzustellen. Der Körper entwickelt dann Antikörper gegen diese Spikes, die im Falle einer echten Infektion mit SARS-CoV-2 aktiviert werden.

Umweg über den Zellkern

Anders als die mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna benutzen die Vektorimpfstoffe Adenoviren als Transportmittel und machen einen Umweg über den Zellkern. Erst hier wird als Kopie die mRNA erstellt.

Da die Gensequenz der Coronaviren – die zu den RNA-Viren gehören – eigentlich nicht darauf ausgelegt ist, im Zellkern transkribiert zu werden, kann es hier beim sogenannten Spleißen leicht zu Fehlern kommen. Dabei könnten auch lösliche Varianten des Spike-Proteins gebildet werden, die sich dann im Körper verteilen.

Wenn diese von den Forschern nachgewiesenen löslichen Spike-Varianten an die ACE-Rezeptoren der Endothelzellen in den Gefäßen binden, könnte im Prinzip das Gleiche wie bei einem schweren COVID-19-Verlauf passieren – es kommt vermehrt zu thromboembolischen Ereignissen. Die Forscher haben das Phänomen daher auch “Vaccine-Induced Covid-19 Mimicry Syndrome“ genannt.  

Bisher handelt es nur um eine Hypothese, schreiben die Autoren. Falls sie sich bewahrheitet, hätte man aber auch einen möglichen Ansatz, die Impfstoffe in Zukunft sicherer zu machen.

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