22. Dezember 2020

Simultane Covid-19-Erkrankung bei eineiigen Zwillingen: Wieviel ist Genetik?

Immer noch ist unklar, warum manche Patienten mit einer SARS-CoV-2-Infektion nur leichte Symptome haben und andere einen schweren lebensbedrohlichen Verlauf entwickeln. Die simultane Erkrankung eines eineiigen Zwillingspaares wies darauf hin, dass genetische Faktoren offenbar eine untergeordnete Rolle spielen.1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Gleiche Gene, ähnliche Umwelt

Die beiden 60-jährigen Brüder ließen sich besonders gut vergleichen: Nicht nur, dass sie als homozygoten Zwillinge die gleiche genetischen Ausstattung hatten, sie wohnten auch zusammen, arbeiteten in der gleichen Autowerkstatt und hatten sich mit hoher Wahrscheinlichkeit zum gleichen Zeitpunkt bei der gleichen Person angesteckt. Beide wiesen keine relevanten Vorerkrankungen auf, rauchten nicht und hatten auch einen ähnlichen BMI.

Bei beiden Männern begann die Erkrankung mit Fieber und einer verstopften Nase, dann kamen Fatigue, Dyspnoe und trockener Husten dazu. Zehn Tag nach den ersten Symptomen wurden sie schließlich stationär aufgenommen und positiv auf SARS-CoV-2 getestet. Bei beiden Brüdern zeigte sich zu diesem Zeitpunkt in der Bildgebung eine leichte interstitielle Pneumonie.

Sehr unterschiedlicher Verlauf

Obwohl sie vom gleichen Team auf der gleichen Station behandelt wurden, war der weitere Verlauf dann doch sehr unterschiedlich. Der eine Bruder konnte nach zwei Wochen mit komplikationslosem Verlauf entlassen werden, der andere musste auf die Intensivstation aufgenommen und invasiv beatmet werden.

Zusätzlich entwickelte er noch einen septischen Schock, der mit Antibiotika, Steroiden und Vasopressoren behandelt wurde. Nach vier Tagen auf der Intensivstation musste er noch weitere 17 Tage im Krankenhaus bleiben. Auch seine Rekonvaleszenz nach der Krankenhausentlassung dauerte deutlich länger – letztendlich hat sich aber auch dieser Patient dann ohne Langzeitfolgen vollständig erholt.

Teilimmunität als Ursache?

In diesem Fall konnte der unterschiedliche Verlauf weder durch die Genetik noch durch Umweltfaktoren wie z.B. Feinstaubbelastung erklärt werden. Da sie sich mit hoher Wahrscheinlichkeit bei der gleichen Person angesteckt haben, sind auch unterschiedliche Virusvarianten eher unwahrscheinlich.

Als mögliche Erklärung für den unterschiedlichen Verlauf diskutieren die Autoren die Möglichkeit, dass der Bruder mit dem günstigeren Verlauf möglicherweise eine Teilimmunität aufgrund einer früheren Infektion mit anderen Coronaviren aufwies.

  1. Davide Lazzeroni et al. Simultaneous COVID-19 in Homozygous Twins, Annals of Internal Medicine 2020; DOI: https://doi.org/10.7326/L20-1207

Bildquelle: © gettyImages/~UserGI15994093

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