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Covid-19 in der Klinik

11. Jan. 2024
Gehirngesundheit

Nach schwerem Covid-19 noch Monate kognitiv eingeschränkt

Viele Menschen leiden nach einer schweren Covid-19-Erkrankung noch länger unter kognitiven Einschränkungen und psychischen Symptomen. Ist dies spezifisch für die SARS-CoV-2-Infektion oder findet sich dieses Phänomen auch nach anderen im Krankenhaus behandelten schweren Erkrankungen wie Pneumonie und Herzinfarkt? Dieser Frage gingen Forschende in einer prospektiven dänischen Kohortenstudie nach.1

Lesedauer: ca. 2 Minuten

Kognitive Einschränkungen noch Monate nach schwerem COVID-Verlauf
Gehirngesundheit nach Covid-19, Pneumonie, Myokardinfarkt oder kritischer Erkrankung (Foto: Dreamstime.com | Sudok1)

Autorin: Maria Weiß | Redaktion: Dr. Linda Fischer

In die Untersuchung von Costanza Peinkhofer und ihrem Team gingen die Daten von 345 hospitalisierten Patientinnen und Patienten mit Covid-19 (mittleres Alter 60,8 Jahre, 58,3 % Männer) ein, von denen 29 auf der Intensivstation behandelt worden waren.

Zum Vergleich wurden gematcht 100 gesunde Kontrollpersonen sowie 125 im gleichen Zeitraum im Krankenhaus behandelte Patientinnen und Patienten (50 mit Pneumonie, 50 mit akutem Myokardinfarkt, 25 mit anderen intensivpflichtigen Erkrankungen) herangezogen. Nachuntersuchungen mit kognitiven Tests erfolgten im Mittel 19 Monate nach der Entlassung.

Im Vergleich zu den gesunden Kontrollen hatten die Covid-19-Patientinnen und -Patienten im Mittel einen höheren Body-Mass-Index (BMI), einen niedrigeren Ausbildungsstand und mehr Komorbiditäten – diese Faktoren unterschieden sich aber nicht von den wegen anderer Krankheiten hospitalisierten Patientinnen und Patienten.

Nach Covid-19 und anderen Erkrankungen gleichermaßen eingeschränkt

In kognitiven Tests (Screen for Cognitive Impairment in Psychiatry - SCIP und Montreal Cognitive Assessment – MoCA) schnitten die Patientinnen und Patienten nach Berücksichtigung von Geschlecht, Alter, BMI, Bildungsstand, Alkoholkonsum und Rauchen 18 Monate nach der Entlassung signifikant schlechter ab als die gesunden Kontrollpersonen. Im Vergleich zu den anderen hospitalisierten Patientinnen und Patienten bestanden aber keine Unterschiede.

Auch bei dem neurologischen Symptom-Score und weiteren kognitiven Tests schnitten die Covid-19-Patientinnen und -Patienten schlechter ab als die gesunden Kontrollen, unterschieden sich aber nicht von den anderen Patientinnen und Patienten mit Krankenhausaufenthalt. Ob Patientinnen und Patienten auf der Intensiv- oder Normalstation behandelt wurden, schien keinen Unterschied zu machen.

Bei Covid häufiger psychiatrische und neurologische Symptome

Bei Covid-19-Patientinnen und Patienten wurden im Verlauf häufiger neue psychiatrische Diagnosen gestellt als bei den gesunden Kontrollpersonen, dies betraf aber gleichermaßen die Patientinnen und Patienten mit anderen Erkrankungen. Auch in Bezug auf Fatigue, Angst und Depressivität zeigten sich hier keine Unterschiede.

In einigen Punkten unterschieden sich die Covid-19-Patientinnen und Patienten aber doch von den wegen anderer Erkrankungen hospitalisierten Patientinnen und Patienten. Sie gaben anamnestisch häufiger psychiatrische und neurologische Symptome an (96,7 vs. 82,2 %), was nach 18 Monaten aber nur noch die Anosmie betraf. Auch bei exekutiven Funktionen waren sie etwas stärker eingeschränkt.

Die Studie macht deutlich, dass Patientinnen und Patienten nach einem schweren Covid-19-Verlauf noch lange Zeit unter kognitiven Einschränkungen und neurologischen und psychiatrischen Symptomen leiden. Dies scheint aber gleichermaßen für andere hospitalisierte Patientinnen und Patienten z. B. mit Pneumonie oder Herzinfarkt zu gelten.

Einschränkungen der Studie

Als Limitationen geben die Autorinnen und Autoren u.a. unter anderem an, dass Covid-19-Vorerkrankungen nicht berücksichtigt wurden und nur eingeschränkte Daten zum kognitiven Zustand vor dem Krankenhausaufenthalt zur Verfügung standen. 

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