25. September 2020

Covid-19

3 Risikofaktoren für schwere Verläufe bei jungen Patienten

Auch bei uns infizieren sich zurzeit partyfreudige junge Erwachsene am häufigsten mit SARS-CoV-2. Auch wenn viele nur leicht erkranken oder gar keine Symptome haben, gibt es auch in dieser Altersgruppe schwere Verläufe und Todesfälle. In einer Beobachtungsstudie aus den USA wurde möglichen Risikofaktoren nachgespürt.1

Lesedauer: 2 Minuten

Über 3000 Patienten ausgewertet

Ausgewertet wurden die Daten von 3.222 jungen Erwachsenen zwischen 18 und 34 Jahren, die in den USA aufgrund von Covid-19 stationär behandelt werden mussten und in der „Premier Healthcare Database“ registriert waren. Schwangere waren ausgenommen und es wurde nur der erste Krankenhausaufenthalt aufgrund von Covid-19 berücksichtigt.

Das mittlere Alter betrug 28,3 Jahre, 57,6 % waren Männer und 57 % Afroamerikaner oder hispanischer Ethnizität. 36,8 % der jungen Leute waren adipös, 24,5 % hatten ein morbide Adipositas, 18,2 % Diabetes und 16,1 % eine Hypertonie. Primärer Endpunkt war die Rate an Todesfällen und künstlicher Beatmung.

Während des stationären Aufenthalts mussten 684 Patienten (21 %) intensivmedizinisch behandelt werden, 331 (10 %) benötigten eine mechanische Beatmung und 88 (2,7 %) verstarben. Bei 7 % der Patienten mussten Vasopressoren oder inotrope Medikamente eingesetzt werden, 9 % erhielten einen zentralen Venenkatheter und 6 % einen arteriellen Katheter. Die mittlere Dauer auf der Intensivstation betrug vier Tage.

Adipositas und Hypertonie als wichtigste Risikofaktoren

Morbide Adipositas war im Vergleich zu Patienten ohne Adipositas mit einem deutlich höheren Risiko für mechanische Beatmung oder Tod assoziiert (OR 2,30). 41 % der verstorbenen oder beatmeten Patienten wiesen solch ein krankhaftes Übergewicht auf. Weitere Risikofaktoren für Tod und Beatmung waren Hypertonie (OR 2,36) und männliches Geschlecht (OR 1,53). Die Ethnizität hatte keinen Einfluss auf die Rate an Todesfällen und Beatmung.  

In der Univarianz-Analyse erwies sich auch ein Diabetes als Risikofaktor – dies bestätigte sich aber nicht in der Multivarianzanalyse. Patienten mit multiplen Risikofaktoren (morbide Adipositas, Hypertonie und Diabetes) hatten ein genauso großes Risiko zu versterben oder beatmet werden zu müssen wie mittelalte Populationen (35 bis 64 Jahre) mit Covid-19.

Die Rate an Todesfällen ist mit 2,7 % bei den jungen Menschen zwar insgesamt deutlich geringer als bei Älteren – sie ist aber immerhin doppelt so hoch wie bei jungen Patienten mit akutem Herzinfarkt, geben die Autoren zu bedenken. Die Ergebnisse machen deutlich, dass Präventionsmaßnahmen auch bei dieser oft unbekümmerten Altersgruppe nicht vernachlässigt werden dürfen.

  1. Jonathan W. Cunnigham et al; Clinical Outcomes in Young US Adults Hospitalized With COVID-19; JAMA Intern Med (2020); doi:10.1001/jamainternmed.2020.5313

Bildquelle: © gettyImages/May_Chanikran

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