19. August 2020

Covid-19-Verlauf

4 häufige Coronaviren mit schützendem Potenzial

Der Verlauf von Covid-19 ist extrem unterschiedlich und reicht von asymptomatischen Formen und leichten Erkältungssymptomen bis hin zu schweren z.T. tödlichen Erkrankungen. Eine der möglichen Gründe für diese Unterschiede könnte ein gewisser Schutz durch vorher stattgehabte Infektionen mit anderen Coronaviren sein, die harmlose Erkältungskrankheiten auslösen. Auf diese Möglichkeit deutet eine Studie aus den USA hin.1

Lesedauer: 2 Minuten

Redaktion: Maria Weiß

Schon in früheren Untersuchungen war aufgefallen, dass SARS-CoV-2 bei einem Teil akut infizierter Patienten auf eine deutliche antigen-spezifische T-Zell-Antwort trifft. Zudem wurde in fünf verschiedenen Kohorten aus verschiedenen Regionen der Welt (USA, Niederlande, Deutschland, Singapur und Großbritannien) gezeigt, dass 20 -50 % der Menschen, die nachweislich noch keinen Kontakt zu SARS-CoV-2 hatten, eine signifikante T-Zell-Reaktivität auf Bestandteile der neuartigen Coronaviren aufweisen.  

Eine Vermutung war, dass dies durch eine Kreuzimmunität mit anderen Coronaviren wie HCoV-OC43, HcoV-229E, HCoV-NL63, und HcoV-HKU1 bedingt sein könnte. Diese Erreger harmloser Erkältungskrankheiten zirkulieren weit verbreitet in der Allgemeinbevölkerung.

Jose Mateus und seine Kollegen vom Center for Infectious Diseases and Vaccine Research aus La Jolla, USA, sind dieser Hypothese in ihrer Untersuchung nachgegangen. Dazu nutzten sie Blutproben von seronegativen Probanden aus den Jahren 2015 bis 2018, also deutlich vor der weltweiten Zirkulation von SARS-CoV-2. Weiterhin wurden 142 T-Zell-Epitope des SARS-CoV-2-Genoms identifiziert , 66 vom Spike-Protein und 76 vom Rest des Genoms.

Kreuzreaktivität aktiviert Gedächtniszellen

Nach 14-tägiger in-vitro-Stimulation zeigte sich bei Probanden mit vorheriger Exposition gegenüber den Corona-Erkältungsviren eine deutliche CD4-T-Zell Reaktivität gegenüber diesen SARS-CoV-2-Bestandteilen. Es lag also eine Kreuzimmunität mit bereits vorhandenen CD4+-Memory-Zellen gegen HCoV-OC43, HcoV-229E, HCoV-NL63, und HcoV-HKU1 und dem neuen Corona-Virus SARS-CoV-2 vor. Zudem konnten die Forscher z.T. eine Aminosäurensequenz-Homologie zwischen den Erkältungsviren und SARS-CoV-2 nachweisen, die mit der Kreuzreaktivität korrespondierte.

Das Immunsystem könnte nach Corona-Erkältungskrankheiten sozusagen bereits „vorgewarnt“ sein, wenn es in Kontakt mit SARS-CoV-2 kommt. Dabei spielen neutralisierende Antikörper keine Rolle, die sehr spezifisch für die jeweilige Corona-Subgruppe sind und keine Kreuzimmunität aufweisen. Ob die T-Zell-Immunität auf die Erkältungsviren tatsächlich für unterschiedlich schwere Covid-19-Verläufe verantwortlich ist und damit einen Schutz darstellt, lässt sich auch mit dieser Studie nicht sicher beantworten. Es ist aber zumindest ein Hinweis in diese Richtung, so die Autoren.

  1. J. Mateuset al. Selective and cross-reactive SARS-CoV-2 T cell epitopes in unexposed humans, Science (2020); DOI:10.1126/science.abd3871

Bildquelle: © gettyImages/svetikd

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