10. Juli 2020

SARS-CoV-2-Mutation mit höherer Infektiosität

D614G“ ist weltweit auf dem Vormarsch

Seit dem Auftreten der ersten Covid-19-Fälle in China hat sich das neue Corona-Virus SARS-CoV-2 bereits genetisch verändert. Insbesondere die Mutation „D614G“ scheint im Laufe der Pandemie an Bedeutung zu gewinnen, weltweit ist dies inzwischen die am häufigsten nachgewiesene Variante.1

Lesedauer: 2 Minuten

Redaktion: Maria Weiß  

Ausgetauschte Nukleotide

Die genetische Ausstattung von SARS-CoV-2 genau im Auge zu behalten, ist von großer Bedeutung. Nicht nur dass damit Rückschlüsse auf die Verbreitung gezogen werden können – das Verhalten des Virus kann sich auch verändern und die bisher entwickelten Impfstoffe könnten theoretisch schon vor der ersten Anwendung am Menschen wieder unwirksam sein.

Auf der Plattform GISAID werden weltweit die Ergebnisse der Genom-Analysen hochgeladen und mit dem Referenzstamm verglichen. Von besonderem Interesse sind dabei Mutationen mit Auswirkungen auf die Spike-Proteine, da dies direkte Auswirkungen auf die Infektiosität und auch auf die Wirksamkeit von Impfstoffen haben könnte, die zumeist dort ansetzen.

Eine Arbeitsgruppe US-amerikanischer Wissenschaftler (Korber B et al) hat sich daher in ihrer täglichen Datenanalyse auf Mutationen fokussiert, die in einer gewissen Häufigkeit auftreten und zu Spike-Varianten führen. Dabei wurden sie schon bald auf die Variante D614G aufmerksam, die in einem A-zu-G-Nukleotidaustausch in Position 23.403 des Wuhan Referenz-Stammes besteht und fast immer von drei weiteren Mutationen begleitet wird.  

D614G löst weltweit den Referenzstamm ab

Anfang März war D614G mit einem weltweiten Anteil von 10 % noch selten, am 31. März waren es schon 67 % aller analysierten Sequenzen und am 18. Mai bereits 78 %. Dabei erfolgte die Ausbreitung asynchron in verschiedenen Regionen der Welt, mit Beginn in Europa, gefolgt von Nordamerika, Ozeanien und Asien. In allen Regionen traten D614G und der Referenzstamm zuerst parallel auf, bevor D614G dann die Oberhand gewann.

Auch in Regionen mit anfangs hoher Wildtyp-Verbreitung setzte sich D614G rasch durch. Häufig setzte sich der Anstieg nach einem nationalen Lock-down fort und in einigen Fällen auch nach einer zweiwöchigen Quarantäne.

Höhere Infektiosität macht es D614G leichter

Der vermutlich zugrundeliegende Überlebensvorteil von D614G könnte dadurch begründet sein, dass diese Variante mit einer höheren Viruslast im Nasopharyngealraum und damit mit einer höheren Infektiosität einhergeht. Auf die Schwere des Krankheitsverlaufs und die Hospitalisierungsrate scheint die Mutation dagegen keinen Einfluss zu haben.

Es konnte zwar gezeigt werden, dass auch D614G durch polyklonale Rekonvaleszenten-Sera neutralisiert werden kann – die Sensitivität auf neutralisierende Antikörper könnte aber unterschiedlich sein. Aufgrund der höheren Infektiosität sind möglicherweise höhere Antikörpertiter notwendig – egal ob durch eine Impfung induziert oder durch eine Antikörpertherapie. Somit könnte der Shift zu D614G auch Auswirkungen auf zukünftige Impfstrategien haben.

  1. Korber B et al. on behalf of the Sheffield COVID-19 Genomics Group. Tracking changes in SARS-CoV-2 Spike: evidence that D614G increases infectivity of the COVID-19 virus. Cell 2020, doi:https://doi.org/10.1016/j.cell.2020.06.043

Bildquelle: © Getty Images/vchal

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