12. Februar 2021

Sars-CoV-2-Erbgut in Cornea nachgewiesen

Das SARS-Coronavirus 2 kann die Augenhornhaut des Menschen und die Conjunctiva infizieren. Ein deutsches Forscherteam hat virale RNA bei mehr als der Hälfte der untersuchten COVID-19-Verstorbenen in der Cornea nachgewiesen. Es ließen sich allerdings keine Viren anzüchten. Das Risiko für eine Virusinfektion durch transplantierte Augenhornhaut scheint niedrig zu sein, aber die Übertragung ist keineswegs ausgeschlossen.1,2

Lesedauer: 2 Minuten

Redaktion: Dr. Nicola Siegmund-Schultze

Limbus-Zellen können mit dem SARS-Virus infiziert werden

In Deutschland werden jährlich circa 7500 Hornhauttransplantationen (Keratoplastiken) vorgenommen. Bei der perforierenden Keratoplastik wird eine komplette Hornhautscheibe vom Spender übertragen, bei den lamellären Keratoplastiken nur bestimmte Zellschichten der Hornhaut, zum Beispiel die Descemetmembran plus Endothel (DMEK).

Da Zellschichten des Limbus zwischen Cornea und Conjunctiva und auch die Conjunctiva jene beiden Proteine exprimieren, die das SARS-Virus für den Eintritt in die Wirtszelle benötigt (ACE2 und TMPRSS2), gibt es seit Ausbruch der SARS-CoV-2-Pandemie Überlegungen, dass das Virus auch Corneazellen infizieren könnte. Bei den bislang wenigen Publikationen zu COVID-19-Patienten, die post mortem auf Virus-RNA in der Augenhornhaut untersucht wurden, hatte sich kein Virusgenom nachweisen lassen. Ein Team aus Ophthalmologen und Rechtsmedizinern am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf hat die Fragestellung nun intensiver untersucht.1

Design

  • Fallserie mit 11 Patienten, die an COVID-19 gestorben und obduziert worden waren.
  • Von jedem Verstorbenen wurde eine Cornea entnommen, außerdem Proben aus Conjunctiva und Glaskörper, Augenkammerwasser, Rachenabstriche und Blutproben.
  • Die Proben wurden auf Virusgenome und virale mRNA untersucht, das Gewebe auch immunhistochemisch.
  • Außerdem wurde versucht, Viren aus Probenmaterial in Verozellen anzuzüchten..

Hauptergebnisse

  • Die Verstorbenen waren durchschnittlich 68,5 Jahre alt.
  • In 6 von 11 Augen (55 %) fanden die Forscher SARS-CoV-2-RNA in der Cornea und in 4 dieser 6 Augenhornhäute subgenomische RNA (mRNA) des Virus, wie sie bei der Proteinbiosynthese gebildet wird.
  • Bei 4 von 6 Patienten mit SARS-positivem Hornhautgewebe wurden auch in der Conjunctiva SARS-CoV-2-Genome nachgewiesen, vereinzelt auch im Augenkammerwasser (1 Patient), im Glaskörper (3 Patienten) und im Blut (5 Patienten).
  • Virale RNA fand sich also sowohl bei virämischen, als auch bei nicht virämischen COVID-19-Verstorbenen.
  • Es wurden allerdings keine Virustrukturproteine detektiert und aus den Proben ließen sich keine Viren anzüchten.

Klinische Bedeutung

Erstmals ist in Augenhornhäuten obduzierter COVID-19-Patienten SARS-CoV-2-RNA nachgewiesen worden. Es bestehe vermutlich also die Möglichkeit, das Virus über Spenderhornhäute auf Empfänger zu übertragen, so die Autoren, wenn das Risiko wahrscheinlich auch gering sei und bei lamellären Keratoplastiken wohl noch niedriger als bei perforierenden Keratoplastiken. Um die Risik en zu quantifizieren, seien weitere Untersuchungen erforderlich. Die bislang nur auf grundsätzlichen Erwägungen der Vorsorge basierende n Empfehlung en zur Prävention sei en zu unterstützen.

Das in Deutschland zuständige Paul-Ehrlich-Institut schlägt vorsorglich folgende Maßnahmen vor:

  • Ausschluss potenzieller Gewebespender bei Kontakt mit Personen mit bestätigter SARS-CoV-2-Infektion innerhalb von 14 Tagen vor der Spende
  • Ausschluss potenzieller Gewebespender mit einer bestätigten SARS-CoV-2-Infektion innerhalb von 14 Tagen nach Abschluss der Genesung.2

Finanzierung der Studie: Öffentliche Mittel.

Dieser Beitrag erschien im Original bei Univadis.de.

  1. Casagrande M, Fitzek A, Spitzer MS, et al.: Presence of SARS-CoV-2 RNA in the Cornea of Viremic Patients With COVID-19. JAMA Ophthalmol 2021; DOI:10.1001/jamaophthalmol.2020.6339
  2. Paul-Ehrlich-Institut; Abruf am 29.01.2021

Bildquelle: © Getty Images/monkeybusinessimages

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