30. Oktober 2020

Covid-19

Rekonvaleszenten-Serum zeigt in Studie keinen Erfolg

Große Hoffnungen wurden in die Behandlung von Covid-19-Patienten mit Rekonvaleszenten-Serum gesetzt. Eine kontrollierte klinische Studie aus Indien konnte jetzt keinen positiven Effekt auf den Verlauf im Vergleich zur Standardtherapie zeigen – allerdings war die Konzentration an neutralisierenden Antikörpern vielleicht zu gering.1,2

Lesedauer: 1,5 Minuten

Therapie bei anderen Erkrankungen erfolgreich

Die Idee, das Immunsystem infizierter Patienten mit dem Serum von Menschen zu behandeln, die die Erkrankung erfolgreich überwunden haben, ist nicht neu und wurde bereits 1892 bei Diphterie umgesetzt. Auch bei Ebola und SARS wurden Rekonvaleszenten-Serum erfolgreich angewandt. In Beobachtungsstudien und Fallserien wurde auch über erste Erfolge bei Covid-19 berichtet.

In einer in Indien durchgeführten Phase-II-Studie wurden jetzt 464 Patienten mit mittelschwerer Covid-19 mit Rekonvaleszenten-Serum (Transfusion von 2 Dosen à 200 ml mit mehr als 24 h Abstand) oder der bestmöglichen Standardtherapie behandelt.

Spender waren Patienten mit gesicherter SARS-CoV-2-Infektion, die zumindest Fieber und Husten hatten und deren Symptome seit mindestens 28 Tagen komplett verschwunden waren. Außerdem mussten zwei negative PCR-Tests vorliegen und andere Erkrankungen ausgeschlossen sein. Kombinierter Endpunkt war die Progression zu einer schweren Verlaufsform (PaO2/FiO2 <100 mm Hg) und die Gesamtmortalität innerhalb von 28 Tagen.

Kein Unterschied zwischen den Gruppen

Beim kombinierten Endpunkt zeigte sich keinerlei Unterschiede zwischen den beiden Gruppen (19 vs. 18 % im Kontrollarm). Auch bei alleiniger Betrachtung der Mortalität unterschieden sich die beiden Gruppen nicht (15 vs. 14 %). Die Dauer der Beatmung und die Notwendigkeit einer Sauerstofftherapie war ebenso vergleichbar.

In der Interventionsgruppe war aber der Anteil von Patienten höher, die bereits nach 7 Tagen einer Konversion zu einem negativen PCR-Test hatten und Atemnot und Fatigue waren am Tag 7 stärker zurückgegangen. In Bezug auf inflammatorische Marker waren keine Unterschiede erkennbar.

Als wichtige Limitation der Studie wird genannt, dass in den verwendeten Rekonvaleszenten-Seren keine Titer von neutralisierenden Antikörpern bestimmt wurden. Möglicherweise lassen sich mit dem gezielten Einsatz höherer Antikörper-Konzentrationen bessere Erfolge erzielen.

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