04. November 2021

Neurologische Komplikationen nach SARS-CoV-2-Infektion deutlich häufiger als nach Impfung

Sehr selten kann es nach Corona-Impfungen zu neurologischen Symptomen wie Guillain-Barré-Syndrom, Fazialisparese oder auch hämorrhagischen Schlaganfällen kommen. Das Risiko für solche Ereignisse ist aber nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 um ein Vielfaches höher, wie eine Analyse aus England und Schottland gezeigt hat. 1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Autorin: Maria Weiß

Um die Häufigkeit von Komplikationen nach den verschiedenen Impfungen zu ermitteln, wendete das Team um Julia Hippisley-Cox vom Nuffield Department of Primary Health Care Sciences in Oxford, Großbritannien, die „Self-Controlled-Cases Series“-Methode (SCCS) an, die speziell zur Überprüfungen der Impfstoffsicherheit von Impfstoffen entwickelt wurde. Dabei werden die ersten Wochen nach der Impfung mit einem zufällig ausgewählten anderen Zeitraum im Leben derselben Personen verglichen.  

Die Forschenden analysierten die Daten von 32,5 Millionen Personen aus England, die ihre erste Dosis des Astrazeneca- oder Biontech/Pfizer-Impfstoffes vor dem 21. Mai 2021 erhalten hatten.

Nach der Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff (AZD1222) fiel insbesondere im Zeitraum von 15 bis 21 Tagen nach der Impfung ein Anstieg von Guillain-Barré-Syndromen auf (IRR; 2,90). Auch eine Fazialisparese trat nach dieser Impfung gehäuft auf (IRR 1,29). Nach der Impfung mit dem Biontech/Pfizer-Impfstoff (BNT162b2) wurde kein Signal für diese Erkrankungen beobachtet – dafür aber ein Anstieg von hämorrhagischen Schlaganfällen (IRR 1,38 für den Zeitraum von 15 bis 21 Tagen nach der Impfung). Vermehrte entzündliche Erkrankungen des Gehirns oder akute demyelinisierende Ereignisse wurde nach den Impfungen nicht beobachtet.

Alle neurologischen Komplikationen waren nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 wesentlich häufiger (am Tag des positiven Tests):

  • IRR 19,34 für akute demyelinisierende Ereignisse (z.B. MS-Schub)
  • IRR 38,57 für entzündliche Erkrankungen des Gehirns (Enzephalitis, Meningitis und Myelitis)
  • IRR 24,22 für Subarachnoidalblutungen
  • IRR 33,7 für das Guillain-Barré-Syndrom
  • IRR 33,23 für eine Fazialisparese

Insgesamt sind neurologische Komplikationen nach den Impfungen sehr selten. So muss z.B. nach 10 Millionen Impfungen mit dem Astrazeneca-Impfstoff mit 38 zusätzlichen Fälle eines Guillain-Barré-Syndroms gerechnet werden – nach ebenso viel Infektionen wären es 145 zusätzliche Fälle.

  1. . Martina Parone et al; Neurological complications after first dose of COVID-19 vaccines and SARS-CoV-2 infection; Neurological complications after first dose of COVID-19 vaccines and SARS-CoV-2 infection. Nat Med (2021); DOI: https://doi.org/10.1038/s41591-021-01556-7
  2. SARS-CoV-2: Neurologische Komplikationen nach Infektion häufiger als nach der Impfung; Deutsches Ärzteblatt

Bildquelle: © gettyImages/Ariel Skelley

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