28. Mai 2020

Covid-19 – Diagnostik

Kostenloses Protokoll zur Lungensonographie

Die ersten Covid-19 Fälle an deutschen Krankenhäusern kamen plötzlich und stellten viele Fachdisziplinen vor große Herausforderungen – so auch die diagnostischen Einheiten. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) und der schweizerischen und österreichischen Ultraschall-Fachgesellschaften (SGUM/ÖGUM) haben deshalb vor kurzem ein Lungenultraschall-Protokoll für Covid-19-Fälle entwickelt.1

Lesedauer: 3 Minuten

Typische Lungenveränderungen gut sichtbar im Ultraschall

Die bildgebenden Zeichen einer Covid-19-Lungenentzündung können anhand des Lungenultraschalls meist gut dargestellt werden. „Das liegt daran, dass wir bei Covid-19-Erkrankten ganz überwiegend sehr brustwandnahe Ultraschallschallveränderungen finden können, die wir dann auch mit der Sonografie darstellen können. Die Ultraschallwelle zeigt die Covid-19-verdächtigen Befunde meistens wenige Zentimeter unter der Brustwand“, sagt DEGUM-Experte PD Dr. med. Konrad Friedrich Stock.

Flexibles Instrument zur Verlaufsbeurteilung

Ein Vorteil der Thoraxsonografie sei zudem, dass sie frei von Strahlung, beliebig oft wiederholbar und flexibel am Krankenbett eingesetzt werden könne. Stock sieht die Bedeutung der Ultraschalldiagnostik aktuell vor allem zur Verlaufsbeobachtung der Lungenveränderungen bei der Covid-19-Erkrankung. Für die Erstdiagnostik sei jedoch die CT-Untersuchung aktuell an den meisten deutschen Kliniken alternativlos das Mittel der ersten Wahl, zumal dort auch die zentral liegenden Lungenabschnitte beurteilt werden können.

Auch ambulant nutzbar

In abgelegenen Regionen kann die Lungensonographie eine große Hilfe bei der Betreuung von Covd-19-Patienten sein. Dr. Rudolf Horn ist Co-Chefarzt im Spital Val Müstair, dem kleinsten Spital in der Schweiz, in dem zur thorakalen Diagnostik lediglich Labor, Ultraschall und Röntgen zur Verfügung stehen und das zwei Autostunden vom nächsten mittelgroßen Spital entfernt ist. Hier, so berichtet Dr. Horn, wird der Lungenultraschall genutzt, um Atemnot differentialdiagnostisch abzuklären und den Verdacht auf eine Covid-19-Pneumonie zu erhärten oder auszuschließen. Ebenfalls diene der sonographische Befund der Beurteilung, ob eine stationäre Einweisung erfolgen muss. 2

Standardisiertes Protokoll entwickelt…

Damit der Verlauf der Erkrankung exakt beurteilt und festgehalten werden kann, war zunächst die Entwicklung eines standardisierten Protokolls für den Lungenultraschall zentral. Experten aus der Schweiz, Österreich und Deutschland haben dafür bestehende Protokolle überarbeitet und daraus ein Dokument entwickelt, mit dem zeitsparend und standardisiert Ultraschallbefunde von Covid-19-Patienten erhoben und dokumentiert werden können.

… das auch jüngere Ärzte gut nutzen können

„Da die Beurteilungskriterien für die Covid-19-Lungenentzündung mit zahlreichen Bildbeispielen hinterlegt und ausführlich erklärt sind, ist unser kostenloses Protokoll auch für jüngere Ärzte mit geringerer Berufserfahrung attraktiv, um sich in dieses Gebiet einzuarbeiten “, erläutert Stock, Oberarzt in der Abteilung für Nephrologie am Klinikum rechts der Isar an der Technischen Universität München.

Das Poster zum Lungenultraschall-Protokoll finden Sie auf der Homepage der DEGUM.

Bilder und hilfreiche Handlungsanweisungen eingeschlossen

Neben den reinen Untersuchungsbefunden können in dem Protokoll auch Angaben zu häufigen Begleiterkrankungen, wie beispielsweise Asthma, Diabetes oder Tumoren sowie der Beschwerdebeginn dokumentiert werden. Außerdem enthält das Protokoll – gerade für Neulinge auf diesem Gebiet – hilfreiche Handlungsanweisungen zur Einstellung des Lungenultraschall-Geräts und zum Tragen von Schutzkleidung sowie zu den Hygienestandards während der Ultraschalluntersuchung. „Der Eigenschutz hat gerade bei der Lungenultraschalluntersuchung von Covid-19-Patienten die höchste Priorität“, betont Stock. 

Internationale Multicenter-Studie geplant

Initiiert durch ihr gemeinsames, neues Protokoll wollen die Ultraschall-Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in einem nächsten Schritt nun Erfahrungen bei Covid-19-Patienten wissenschaftlich erheben und in einem Dreiländer-Ultraschallregister sammeln.

„Unser Ziel ist die Entwicklung einer Multicenterstudie, in der Lungenultraschall-Daten von Patienten aus der Notaufnahme, der Normalstation und der Covid-19-Intensivstation erhoben werden“, so Stock. „Die Daten sollen mittels des Protokolls standardisiert in Bild und Video festgehalten und um wenige wichtige klinische Daten sowie eventuell vorliegende CT-Bilder ergänzt werden.“

Die Studie wird derzeit zunächst an der Technischen Universität München durchgeführt. Auf Basis des dort federführend entwickelten Studienprotokolls wird die Lungenultraschall-Register-Studie dann bald auch an anderen Orten in Deutschland, der Schweiz und Österreich begonnen und vom Klinikum rechts der Isar aus koordiniert. Die Datenerfassung von Covid-19-Patienten ist zunächst bis Juni 2021 geplant. Das Ultraschallregister könnte dann die Grundlage für weitere wissenschaftliche Analysen bilden.

  1. Covid-19 Lungenentzündung: Sicher, rasch und standardisiert mittels Ultraschall-Protokoll erfassen; Pressestelle der Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM); 28.05.2020.
  2. Online-Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) „COVID-19-Lungenentzündung: Sicher, schnell und kostengünstig per Ultraschall diagnostizieren“, 26.Mai 2020

Bildquelle: © gettyImages/7postman

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