29. Januar 2021

Never ending story

Ist Long-Covid die nächste Welle der Krise?

Wenn die akute Pandemie irgendwann überstanden ist, könnten Langzeitenfolgen der Infektion zur neuen Herausforderung werden. Stellen solche Long-Covid-Erkrankungen praktisch die nächste Welle dar?1

Lesedauer: 2 Minuten

Redaktion: Maria Weiß

Wissenschaftler der Cambridge Universität berichten z.B. von einer 33-jährigen Veterinärmedizinerin, die über Monate unter hohem Fieber, geschwollenen Gelenken und stechenden Brustschmerzen litt. Ihr Covid-19-Test war negativ – niemand fand eine Ursache. Nachdem die Fieberphase einigermaßen überstanden war, kam es Wochen später zu Gleichgewichtsstörungen, verschlechterter Koordination, konstantem Tinnitus bei persistierender Fatigue, Kurzatmigkeit und Einbußen bei der Lese- und Sprachfähigkeit. Auch ein 19-jähriger Student klagte über Monate über Symptome wie Brustenge, Fatigue, Kopf- und Muskelschmerzen und Herzrasen bei negativem SARS-CoV-2-Antigen- und Antikörpertest.

Lang-Covid als klare Diagnose könnte den Patienten helfen

Das größte Problem für solche Patienten: Keiner kann ihnen genau sagen, was sie haben und wie lange es dauern wird. Gerade am Anfang der Pandemie wurden bei vielen Patienten in der Akutphase noch keine Tests auf SARS-CoV-2 durchgeführt und spätere Tests sind dann in der Regel negativ. Das Gleiche gilt für die Antikörper-Tests, die auch mit der Zeit wieder negativ werden. Spezifische Tests für das sogenannte „Long-Covid“-Syndrom gibt es nicht. Hinzu kommt, dass viele Ärzte skeptisch in Bezug auf dieses Syndrom sind, weil sie es mit dem chronischen Fatigue-Syndrom (CFS) vergleichen. Hier wird zum Teil angezweifelt, ob dieses Syndrom überhaupt existiert.

Dr. Nyarie Sithole von der Cambridge University untersuchte vom Hausarzt überwiesene Patienten, die über langanhaltende Covid-19-Symptome klagten, obwohl Virusnachweis und Antikörpertest negativ waren. Bei diesen Patienten konnte die Wissenschaftlerin T-Zellen nachweisen, die auf Bestandteile von SARS-CoV-2 reagierten. Dies wäre eine Möglichkeit, in Kombination mit den typischen Symptomen die Diagnose eines Long-Covid-19-Syndroms zu bestätigen. Nach ihrer Erfahrung sind die Betroffenen auch bei fehlenden therapeutischen Möglichkeiten und unklarer Prognose sehr dankbar für solch eine klare Diagnose.

Gehäuft Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen

Ein halbes Jahr nach schweren intensivpflichtigen Covid-19-Verläufen klagen 20 % der Patienten über Angst oder Depressionen und 30 % haben Probleme mit Gedächtnis und Konzentration. Dies kennt man zwar auch von anderen Intensivpatienten mit schweren Erkrankungen, bei Covid-19 scheint der Anteil aber deutlich höher zu sein. Auch bei kognitiven Tests zeigten Covid-19-Patienten nach sechs Monaten im Mittel wesentlich schlechtere Leistungen.

Insgesamt wird im Laufe der Pandemie immer deutlicher, dass Covid-19 eine sehr komplizierte Erkrankung ist, die auch nach Verschwinden des Virus noch lange nachwirken kann. Die genauen Ursachen des Long-Covid-19-Syndroms sind dabei noch unklar – möglichweise entwickeln entzündliche Prozesse eine Eigendynamik oder es kommt zu Dysregulationen der Immunantwort. Das ganze Ausmaß dieser Spätfolgen wird man sich erste nach einigen Jahren einschätzen können.

  1. When Symptoms Don’t Stop; Cambridge University

Bildquelle: © gettyImages/Moyo Studio

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