09. Oktober 2020

Covid-19: Infektionssterblichkeit zehnmal höher als bei Influenza

Seit Beginn der Covid-19-Pandemie stehen zwei Fragen im Vordergrund: Wie gefährlich ist die Erkrankung wirklich und wer ist besonders gefährdet? Dabei wird immer deutlicher, dass Covid-19 wesentlich gefährlicher als die oft zum Vergleich herangezogene Influenza ist – dies gilt vor allem für ältere Menschen.1

Lesedauer: 2 Minuten

Redaktion: Maria Weiß

Unterschiedliche Infektionstodesraten

Ein anerkanntes Maß für die Gefährlichkeit einer Infektionskrankheit ist die Infektionstodesrate (infection fatality rate; IFR), die das Verhältnis von Todesfällen zu Infektionen beschreibt. Hier werden aber für Covid-19 je nach Ort große Unterschiede berichtet – von 0,6 % im schweizerischen Genf bis 2,3 % in Italien. Die Altersstruktur der Bevölkerung könnte dabei eine wesentliche Rolle spielen.

US-amerikanische Wissenschaftler um Professor Dr. Andrew T. Levin vom Dartmouth College in Hanover, New Hampshire, haben im Rahmen einer Metaanalyse systematisch das altersabhängige Risiko bestimmt, an der Infektion mit SARS-CoV-2 zu versterben. Letztendlich flossen altersabhängige IFR von 31 verschiedenen weltweiten Lokalisationen in die Analyse ein.

Schon ab dem 55. Lebensjahr deutlich erhöhtes Risiko

Dabei bestätigte sich, dass das Alter ganz entscheidend für die Gefährlichkeit der Erkrankung ist. Bei Kindern und jungen Erwachsenen ist das Risiko, an Covid-19 zu versterben, so gut wie Null, im mittleren Alter von 55 Jahren liegt es schon bei 0,4 %, mit 65 bei 1,3 %, mit 75 bei 4,5 % und mit 85 bei 15 %.

Variabilität erklärt sich durch Alterstruktur

Hier wird deutlich, dass nicht nur Hochbetagte über 80 zur Risikogruppe gehören, sondern bereits Menschen im mittleren Lebensalter zwischen 55 und 65 Jahren ein deutlich erhöhtes Risiko aufweisen. 90 % der geographischen Variabilität der IFR lassen sich allein durch unterschiedliche Altersstrukturen der Bevölkerung erklären, errechneten die Autoren. 

Influenza ist deutlich harmloser

Für einen Engländer zwischen 55 und 64 Jahren mit Covid-19-Infektion ist das Risiko zu versterben damit z.B. 200-mal höher, als das jährliche Risiko, bei einem Autounfall umzukommen. Auch im Vergleich zur Grippe ist Covid-19 um einiges gefährlicher: In der Influenza-Saison 2018/19 lag die IFR hier bei 0,05 % – das ist eine ganze Zehnerpotenz niedriger als bei Covid-19.

IFR ist nur eine Momentaufnahme

Die IFR ist immer nur eine Momentaufnahme, betonen die Autoren. Zahlreiche Faktoren wie besonders häufig infizierte Bevölkerungsgruppen, der Schutz von Risikopersonen oder auch die Verbesserung von Behandlungsmöglichkeit werden hier einfließen. Die Autoren gehen aufgrund ihrer Untersuchung davon aus, dass ein verstärkter Schutz der älteren Bevölkerung die Sterblichkeit an Covid-19 deutlich reduzieren könnte.

  1. Andrew T. Levin,  et al; Assessing the Age Specifity of Infection Fatality Rates for COVID-19: Systematic Review, Meta-Analysis, and Public Policy Implications; Medrxiv (2020); DOI: 10.1101/2020.07.23.20160895

Bildquelle: © gettyImages/Barcin

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