21. April 2020

UKE: Impfstoffstudie zum MERS-Coronavirus vielversprechend

Gegen „MERS“ (das Middle East Respiratory Syndrome) konnten die Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) nun einen Impfstoff erstmals im Menschen testen (Koch T. et al. Lancet Infect Dis. April 20, 2020).1,2

Lesedauer: 3,5 Minuten

Grundlage für Impfstoff gegen SARS-CoV-2

Der Impfstoff MVA-MERS-S war gut verträglich und hat eine anhaltende Bildung von Antikörpern ausgelöst.

Die Ergebnisse dieser Impfstoff-Studie sind für uns auch im Hinblick auf die Impfstoffentwicklung gegen das neue Coronavirus SARS-CoV-2 ein wichtiges und ermutigendes Ergebnis“, erklärt Prof. Marylyn Addo, Leiterin der Sektion Infektiologie des UKE und Wissenschaftlerin im DZIF. „Die Entwicklung des MERS-Impfstoffes bildet die Grundlage, auf der wir im DZIF zügig einen Impfstoff gegen das neue Virus entwickeln.“

MERS-Coronavirus
Das MERS-Coronavirus, das 2012 zum ersten Mal nachgewiesen wurde, gehört zu einer Liste von Krankheitserregern, die von der Weltgesundheitsorganisation als besonders gefährlich für die öffentliche Gesundheit eingestuft wurden. Es wird von Dromedaren auf den Menschen übertragen und kann auch von Mensch zu Mensch weitergegeben werden. Eine Infektion verursacht eine Atemwegserkrankung, die in bis zu 35 Prozent der Fälle tödlich verläuft. Weltweit sind bis heute mehr als 2.500 MERS-Fälle in 27 Ländern bestätigt worden, mit Schwerpunkt in Saudi-Arabien. Bislang gibt es gegen das MERS-Coronavirus keinen wirksamen Impfstoff und kein spezifisch wirkendes Medikament.

Der Impfstoff-Kandidat MVA-MERS-S

„Um auf größere Ausbrüche vorbereitet zu sein, haben wir bereits 2014 mit begonnen, einen Impfstoff gegen das MERS-Coronavirus zu entwickeln“, erklärt Prof. Addo. Dieser basiert auf einem abgeschwächten Virus (MVA: Modifiziertes Vacciniavirus Ankara), das bereits während der Impfkampagne zur Ausrottung der Pocken zum Einsatz kam und nun mit Protein-Bestandteilen des MERS-Coronavirus ergänzt wurde. Dieser rekombinante, sogenannte vektorbasierte Impfstoff (kurz MVA-MERS-S) soll die Abwehr gegen die MERS-Coronaviren ankurbeln. Aktuell dient der MVA-Vektor auch bei der Impfstoffentwicklung gegen das neue Coronavirus SARS-CoV-2 als Grundlage.

Impfstoffstudie mit 23 Probanden

Die Impfstoffstudie wurde in Zusammenarbeit mit dem Clinical Trial Center North (CTC North) durchgeführt. Insgesamt wurden 23 gesunde Probanden zweimal im Abstand von vier Wochen mit der experimentellen Vakzine MVA-MERS-S geimpft. Die Studie sollte zwei Fragen beantworten: Ist der experimentelle Impfstoff MVA-MERS-S im Menschen sicher und gut verträglich? Und entwickelt sich nach der Impfung im Menschen eine humorale und zelluläre Immunantwort?

Die wichtigsten Ergebnisse

Der Impfstoff war gut verträglich. Lokale Nebenwirkungen der Impfung (Schmerz an der Einstichstelle, leichte Rötung oder Überwärmung) waren am häufigsten und traten bei 69 Prozent der Probanden auf. Schwerwiegende Nebenwirkungen kamen nicht vor. „Nach zweimaliger Impfung wurde in 87 Prozent der Probanden eine Immunantwort in Form von Antikörpern und T-Zell-Antworten beobachtet“, fasst die Co-Erstautorin Dr. Christine Dahlke die Ergebnisse zusammen.

„Diese Ergebnisse zeigen, dass der neue Impfstoff das Potenzial hat, in möglichen zukünftigen MERS-Ausbrüchen eingesetzt zu werden”, freut sich Prof. Dr. Stephan Becker, in dessen Labor an der Philipps-Universität Marburg die Antikörper-Antworten bei den Studienteilnehmern untersucht wurden.

Phase-1b-Studie mit 160 Probanden folgt

Es folgt nun eine von CEPI (Coalition for Epidemic preparedness Innovation) geförderte internationale Phase-1b-Studie, in der der Impfstoff in 160 Probanden in Hamburg und Rotterdam getestet werden soll. Im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung werden die Ergebnisse und Tests genutzt, um möglichst schnell auch einen Impfstoff gegen das neue Coronavirus auf den Weg zu bringen. Die Wissenschaftler nutzen den gleichen viralen Vektor (MVA) und anstatt des MERS-CoV-Spike Proteins wird das Oberflächenprotein von SARS-CoV-2 eingefügt.

  1. Koch T. et al. Safety and immunogenicity of an MVA vector vaccine candidate against the Middle East respiratory syndrome: a first-in-human trial. Lancet Infect Dis 2020, April 20, 2020. Doi: https://doi.org/10.1016/S1473-3099(20)30248-6
  2. UKE: Impfstoffstudie zum MERS-Coronavirus vielversprechend; Universität Hamburg-Eppendorf, 21.04.2020.

Bildquelle: © GettyImages/Meyer & Meyer

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