10. September 2021

Impfdurchbruch

Oft liegt es an nicht geschützten Familienmitgliedern

Eine Fallstudie zeigt: Wenn komplett geimpfte Menschen mit SARS-CoV-2-positiven Personen in einem gemeinsamen Haushalt leben und über längere Zeit exponiert sind, ist das Risiko, dass sie sich mit SARS-CoV-2 infizieren, erhöht. Das hat Auswirkungen für Personal im Gesundheitssystem.1

Lesedauer: 2,5 Minuten

Kernbotschaften

Wenn komplett geimpfte Menschen mit SARS-CoV-2-positiven Personen in einem gemeinsamen Haushalt leben und über längere Zeit exponiert sind, ist das Risiko, dass sie sich mit SARS infizieren, erhöht. Für Mitarbeiter des Gesundheitssystems, auf die eine solche Konstellation zutrifft, sollte deshalb eine Quarantäne erwogen werden, bis alle Haushaltsmitglieder SARS-CoV-2-negativ sind, meinen israelische Forscher.

Hintergrund

Israel erreichte 2020 mit einem speziellen Massenimpfprogramm in kurzer Zeit eine hohe Impfquote gegen SARS-CoV-2. Verimpft wurde vor allem die Vakzine BNT162b2 von BioNTech/Pfizer. Die hohe Durchimpfungsrate war mit einer deutlichen Abnahme der SARS-CoV-2-Neuinfektionen assoziiert. Aber Durchbruchinfektionen – das war auch aus Israel bekannt – sind bei SARS-CoV-2 möglich. Ein israelisches Forscherteam hat nun die Assoziation zwischen Virusexposition und SARS-CoV-2-Infektion bei geimpften und ungeimpften Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Gesundheitssystems untersucht.

Design

  • Es ist eine Fallkontrollstudie mit medizinischem und pflegerischem Personal an einer großen Universitätsklinik (Hadassah-Hebrew University Medical Center)
  • An der Universitätsklinik waren seit Dezember 2020 Impfungen mit der BNT162b2-Vakzine von Pfizer-BioNTech angeboten worden
  • Innerhalb zweier Monate wurde ein großer Teil der Mitarbeiter geimpft
  • Während der Studienperiode zwischen Anfang Januar und Ende März 2021 dominierte die Alpha-Variante in Israel
  • Verglichen wurden Virusexpositionen durch Haushaltsmitglieder bei komplett geimpften Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit SARS-positivem PCR-Test im Untersuchungszeitraum (geimpft-SARS-positiv).
  • Kontrollgruppen waren nicht geimpfte SARS-CoV-2-positive Mitarbeiter (nicht geimpft-SARS-positiv) und geimpfte Mitarbeiter, die in vergleichbaren Abständen auf SARS getestet wurden, aber ein negatives Ergebnis hatten (geimpft-SARS-negativ).

Hauptergebnisse

  • 171 Personen mit der Kombination „geimpft-SARS-positiv“ wurden in die Studie aufgenommen. Das Durchschnittsalter lag bei 38 Jahren, 69 % waren weiblich und 4 % dieser Gruppe hatten eine Immunsuppression.
  • Kontrollen waren 5312 Geimpfte (SARS-negativ) und 690 nicht geimpfte Personen, davon 69 SARS-positiv.
  • Von den 27 der 171 Teilnehmer mit der Kombination „geimpft-SARS-positiv“ lebten 56 % (15/27) mit SARS-infizierten Personen in einem Haushalt, in der Gruppe „nicht geimpft-SARS-positiv“ waren es 38 % (24/63) und in der Gruppe „geimpft-SARS-negativ“ 9 %. Die Unterschiede waren mit p < 0,001 hoch signifikant.
  • Durchschnittlich hatte jeder geimpfte, SARS-positiv getestete Teilnehmer 2,7 SARS-positive Haushaltsmitglieder, bei der Kontrollgruppe „nicht geimpft/SARS-positiv“ waren es durchschnittlich 1,7 SARS-positive Haushaltsmitglieder, die Impfung bot also Schutz, aber bei ständiger Exposition offenbar weniger.
  • 3 % der SARS-positiv Getesteten benötigten eine stationäre Behandlung, aber keiner von ihnen starb.

Klinische Bedeutung

Die Studienergebnisse sollten den Forschern zufolge zu der Überlegung führen, ob zumindest Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitssystems, die geimpft und SARS-negativ sind, aber mit SARS-positiven Personen in einem gemeinsamen Haushalt leben, wegen des Risikos für Infektionen in Quarantäne bleiben sollten, bis alle Haushaltsmitglieder SARS-negativ sind. Die aktuelle Dominanz der Delta-Variante, die es zum Studienzeitpunkt noch nicht gegeben habe, könne eine weiteres Argument für eine vorsorgliche Quarantäne sein, auch für die allgemeine Bevölkerung.

In Deutschland ist eine Quarantäne für Kontaktpersonen von Infizierten unter anderem dann nicht erforderlich, wenn die Kontaktperson eines Infizierten vollständig geimpft wurde, so die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO).

Dieser Artikel ist im Orginal auf Univadis.de erschienen.

Bildquelle: © gettyImages/Alistair Berg

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