13. November 2020

SARS-CoV-2-Infektion

Ermutigende Erkenntnisse zur Immunität nach Genesung

Ob eine überstandene Sars-CoV-2-Infektion zu einem anhaltenden immunologischen Gedächtnis führt ist bisher unklar. Mehrere Studien hatten gezeigt, dass Sars-CoV-2-spezifische Antikörper bei vielen Menschen nach überstandener Covid-19-Erkrankung nur über wenige Monate nachweisbar sind und daher möglicherweise nur einen zeitlich begrenzten Schutz vor einer erneuten Infektion bieten.1,2

Lesedauer: 2 Minuten

Neue Studie in Nature Medicine

Ein Forscherteam am Universitätsklinikum Freiburg um Dr. Maike Hofmann, Dr. Christoph Neumann-Haefelin und Prof. Dr. Robert Thimme konnte jetzt zeigen: Nach überstandener Sars-CoV-2-Infektion werden Immunzellen gebildet, die im Körper erhalten bleiben und bei einer erneuten Infektion eine schnelle Immunantwort vermitteln könnten. Die Freiburger Studie erschien am 12. November 2020 in der Online-Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Nature Medicine.

Spezifische Immunantwort bei 23 von 26 Patienten

Dafür untersuchten die Wissenschaftler CD8 + T-Zellen von 26 Probanden mit einer überstandenen, milden Sars-CoV-2-Infektion, die also bei positivem Erregernachweis zwar entsprechende Symptome, aber keine respiratorische Insuffizienz entwickelt hatten. Bei 23 dieser Personen konnte eine Sars-CoV-2-spezifische CD8 + T-Zell-Immunantwort nachgewiesen werden. Dabei zeigten auch acht Patienten ohne nachgewiesene IgG‑Antikörper gegen das Spike- oder Nukleoprotein eine solche Immunantwort.

Ein Proband über gesamten Verlauf beobachtet

Ein Proband wurde sogar vor einer Sars-CoV-2-Infektion, kurz danach und im weiteren Verlauf untersucht. Der Zeitpunkt der Infektion bei diesem Patienten war bekannt und der Beginn der Symptomatik dokumentiert. Sieben Tage nach dem Infektionsereignis, ein Tag nach Beginn der Symptome, zeigten sich bereits spezifische CD8 + T-Zellen, die zuvor nicht nachweisbar waren, und blieben es noch 104 Tage nach Beginn der Symptome. IgG‑Antikörper gegen das Nukleoprotein waren dabei bis zum 29. Tag nachweisbar, IgG‑Antikörper gegen das Spike-Protein sogar bis zu 79 Tagen.

Ähnlichkeit zu Gedächtniszellen nach Grippe

Über einen durchgeführten Vergleich der Sars-CoV-2-spezifischen CD8 + T-Zellen mit Influenza-spezifischen CD8 + T-Zellen erklärt Dr. Hofmann, Wissenschaftlerin an der Klinik für Innere Medizin II des Universitätsklinikums Freiburg:

„Diese […] Gedächtnis-T-Zellen sehen nach einer SARS-CoV-2-Infektion ähnlich aus wie Gedächtnis-T-Zellen nach einer echten Grippe. Deshalb sind wir zuversichtlich, dass bei der Mehrheit der Menschen nach überstandener SARS-CoV-2-Infektion ein gewisser Schutz vor einer erneuten COVID-19-Erkrankung besteht.“

An der Entwicklung von Impfstoffen gegen Sars-CoV-2 ist das Universitätsklinikum Freiburg zwar selbst nicht beteiligt. Dr. Neumann-Haefelin, Leiter des Gerok-Leberzentrums am Universitätsklinikum Freiburg, ist jedoch optimistisch: „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass nach einer Infektion eine Immunität gegen SARS-CoV-2 erreicht werden kann. Ähnlich könnten auch Impfstoffe, die aktuell in Studien getestet werden, einen deutlichen Schutz gegen SARS-CoV-2 vermitteln.“

  1. Pressemitteilung der Universitätsklinik Freiburg vom 12.11.2020
  2. Schulien, I., Kemming, J., Oberhardt, V. et al. Characterization of pre-existing and induced SARS-CoV-2-specific CD8+ T cells. Nat Med (2020).

Bildquelle: © Getty Images/ elkor

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